Kapitalvermittler nicht immer seriös 05.08.2013, 15:59 Uhr

Nepper und Schlepper auch in der Gründerszene

Im Web wimmelt es von Anbietern, die Start-ups Kontakte zu Investoren versprechen. Teils wirken sie wenig seriös. Auch mancher etablierte Anbieter macht es Gründern schwer, seine Vermittler-Qualitäten einzuschätzen. Skeptiker äußern Grundsatzzweifel.

„Investor sucht Gründer – privatkapitalmarkt.de“. Auf diese Anzeige stößt, wer eine Webrecherche mit den Suchworten „Investoren, Gründer und Vermittlung“ startet. Schon der Slogan stellt die Verhältnisse auf den Kopf. Sind es doch in aller Regel Gründer, die händeringend Geldgeber suchen, um ihre Ideen und Wachstumspläne zu verwirklichen.

Doch bei privatkapitalmarkt.de, hinter der die Angel Data Club Ltd. mit Sitz auf Malta steht, scheint Kapital nicht knapp: „Stand 30. 3. 2013 haben sich Investoren mit einem Anlagebedarf von mehr als 1,6 Mrd. € (!!!) registriert und suchen attraktive Investitionsmöglichkeiten“, wirbt das Unternehmen. Mehr als 30 000 Zugriffe monatlich sprächen für sich.

Angebot aus Malta: Gründer zahlen erst einmal Gebühren

Allerdings spricht auch für sich, dass nirgends Namen von Verantwortlichen genannt sind. Interessenten müssen sich mit der Aussage begnügen, dass im Angel Data Club Spezialisten mit fast 30 Jahren Erfahrung im Finanzbereich arbeiten. Gründer, die darauf vertrauen, zahlen Gebühren zwischen 149 € und 299 €. Dafür dürfen sie sich 90 Tage online präsentieren.

Zwischen diesem Angebot und dem nächsten Treffer der Recherche liegen Welten. Die Münchener Rakoo GmbH verfolgt ein völlig anderes Konzept. Die Gründer Marco Alberti und Oliver Winkler nutzen ihre Erfahrung und Vernetzung in der Start-up- und Investorenszene, um Internet-Start-ups mit Geldgebern zusammenzubringen. Dafür betreuen sie die Gründer beim Erarbeiten ihrer Investorenpräsentationen und analysieren im Vorfeld, welche Investoren sich für das jeweilige Konzept interessieren könnten. Die Vergütung ist dabei zu 100 % erfolgsbasiert und wird in Form von Anteilen oder Geld beglichen – je nachdem, was die Berater bevorzugen. Versteckte Gebühren oder Vorauszahlungen gebe es nicht. Fraglich bleibt nur, wie die Erfolgsquote aussieht. Referenzen oder gar ein Track-Record sind auf der Rakoo-Webseite nicht aufgeführt.

Im Netz wimmelt es von Kapitalvermittlern

Mittlerweile wimmelt es im Netz von Anbietern, die zwischen Gründern und Investoren vermitteln. Angesichts der anhaltenden Misere auf dem Wagniskapitalmarkt scheint das Versprechen direkter Kontaktanbahnung mit passenden Investoren zu ziehen. Zumal Gründer in der Regel kaum Erfahrung damit haben, wie man Geldgeber findet. Oft haben sie weder Zeit noch die entsprechenden Reisebudgets, um sich bei zig verschiedenen Matching-Events vor Investoren zu präsentieren. Was liegt also näher, als die Suche mit Hilfe von professionellen Beteiligungsvermittlern einzugrenzen, um gezielt auf ausgewählte Investoren zuzugehen.

Eine der etablierten Vermittlungsplattformen unterhält die Frankfurter exchangeBA AG. Schon 2005 startete sie ihren Venture-Capital-Marktplatz. Das reine Online-Angebot ergänzt sie durch gezielte Beratung der Gründer und durch individuelle Suche und persönliche Ansprache von Investoren. Mittlerweile sind knapp 1000 Investoren, darunter 660 Business Angels, 285 VC- und Private Equity-Gesellschaften sowie 50 Familiy Offices auf der Plattform gelistet. Aktuell suchen knapp 50 junge Unternehmen Kapital.

Beeindruckende Zahlen, die allerdings durch die Anzahl der tatsächlichen Transaktionen auf der Plattform relativiert werden. Bisher habe man über 70 Deals erfolgreich begleitet, meldete exchangeBA Anfang Juni. Das sind im Schnitt weniger als zehn Vermittlungen pro Jahr. Im Juni letzten Jahres meldete das Unternehmen den Zwischenstand von über 60 Transaktionen. Seinerzeit waren die Initiatoren in einer Umfrage unter den damals 820 gelisteten Investoren darauf gestoßen, dass über 70 % aktiv nach unternehmerischen Beteiligungen suchten. Rechnerisch waren also mindestens 570 Investoren auf der Suche – von denen ganze zehn in den folgenden zwölf Monaten auf der Plattform fündig wurden.

Viele Links auf Referenzen führen ins Nichts

Diese Zahl ist für Gründer ernüchternd. Schauen sie sich weiter auf den Webseiten um, finden sie bei den Referenzen Links zu 33 Start-ups, die über exchangeBA Geldgeber gefunden haben. Doch 15  % dieser Links führen ins Nichts. Die Unternehmen scheinen nicht mehr zu existieren. Nicht ungewöhnlich, dass Start-ups aufgeben müssen. Doch in einer Referenzliste, in der über die Hälfte der Abschlüsse erst gar nicht aufgeführt sind, wirken 15 % Ausfälle nicht wirklich ermutigend.

Und so bleiben auch bei der renommiertesten Plattform Zweifel. Zumal nur die Anzahl der Transaktionen genannt wird. Die dabei geflossene Summe bleibt verborgen. Ohne Angaben zum tatsächlich vermittelten Kapital können interessierte Gründer die Qualität des Angebots nur schwer einschätzen. Das wird ihnen zusätzlich dadurch erschwert, dass die allgemeinen Geschäftsbedingungen zwar auf eine „auf den Webseiten der exchangeBA veröffentlichten Preisliste“ hinweisen, diese aber trotz langer Suche unauffindbar bleibt. Ersichtlich ist nur, dass die kapitalsuchenden Gründer zahlen müssen – eine fixe und eine erfolgsabhängige Komponente.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger auch in der Gründerszene

Bleibt die grundsätzliche Frage: Fließt auf dem Gründermarkt deshalb nur wenig Geld, weil Investoren und Jungunternehmer nicht zusammenfinden? Die stetig wachsende Zahl der Vermittlungsangebote suggeriert dies. Doch schon bevor die Zahl der Plattformen in den letzten zwei Jahren sprunghaft anstieg, äußerte Hochschuldozent und Finanzmarktexperte Andreas Woitzik in einer Zuschrift an die VDI nachrichten die Vermutung, dass es wohl vor allem darum gehe, „unerfahrenen Gründern das Geld aus der Tasche zu ziehen“. In Vermittlerkreisen seien „viele Nepper, Schlepper und Bauernfänger“ unterwegs.

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