Gründer 24.01.2003, 18:23 Uhr

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Wer heute einen Investor findet, kann sich glücklich schätzen. Auf seinen Lorbeeren ausruhen darf er sich aber nicht. Sowohl Business Angels als auch Venture Capitalists erwarten von ihren Beteiligungen regelmäßig Informationen zum Geschäftsverlauf.

Ohne wenn und aber – ich will ein monatliches Reporting!“ Business Angel Daniel Kluting überlässt nichts dem Zufall. „Zum 20. eines jeden Folgemonats erwarte ich von meinen Portfolio-Unternehmen Informationen über alle Geschäftskonten, den Angebotsausgang, den Auftragseingang, Fortschritte in einzelnen Projekten, die jeweiligen projektbezogenen Deckungsbeiträge, eine Auftragsvorplanung sowie einen Soll/Ist-Vergleich beim Betriebsergebnis.“ Der Ordnung halber hat der Dortmunder gleich ein neunseitiges Analysepapier entwickelt, das alle Daten in standardisierter Form aufnimmt. „Das hat sich bewährt.“ Zusätzliche Informationen seien nicht nötig. „Ich merke schnell, ob das Unternehmen Kurs hält oder in Schieflage gerät – oft schneller als die Gründer selbst.“ Diese stünden den monatlichen Erhebungen offen gegenüber. „Die meisten nutzen die Papiere gern weiter, auch wenn ich schon ausgestiegen bin.“
Auch Engel-Kollege Hubert Pella aus Neuss wünscht sich ein geregeltes und gleichzeitig partnerschaftliches Verhältnis zu seinen Schützlingen. Dazu fordert er monatliche Berichte in Schriftform an. „Wenn Fragen offen bleiben, hake ich nach. In der Regel sind die Angaben aber ausreichend.“ Bei besonderen Ereignissen würden Treffen vereinbart. „Außerdem telefonieren wir regelmäßig.“
Noch institutionalisierter verläuft die Kommunikation zwischen Gründern und Venture Capitalists. „Am Anfang einer Beteiligung treffen wir uns mit den Gründern zu ein- bis zweitägigen Workshops“, erklärt Frank Böhnke, Investment Manager bei WellingtonPartners in München. „In dieser Zeit wird ein individuelles Reporting-Package definiert. Stets verlangt werden darin Angaben zur Gewinn- und Verlustrechnung, der Cash-Posititon und den wesentlichen Bilanz-Posten.“ Außerdem würden sogenannte Key-Performance Indikatoren abgefragt. „Das können Deals in der Pipeline oder eingegangene Partnerschaften sein.“ Letzteres werde immer wichtiger. „Kleine, junge Firmen haben es zusehends schwerer, Märkte im Alleingang zu erobern.“ Die Kommunikation sei aber keine Einbahnstraße. „Die Reportings werden vis-a-vis diskutiert.“ Je jünger ein Unternehmen, desto häufiger stünden Meetings an.
Prof. Dr. Tobias Kollmann von der Universität Kiel hat das Verhältnis zwischen Start-ups und Venture Capitalists in einer Studie näher untersucht. „Viele der Ergebnisse sind sicher auch auf Business Angels übertragbar“, so der Wissenschaftler, selbst aktiver Privatinvestor. Zusammenfassend rät er Jungunternehmern nachdrücklich, die Beziehung zu ihren Financiers nicht zu vernachlässigen. „Investor Communication hört nicht mit der Unterschrift unter den Beteiligungsvertrag auf, sie beginnt damit erst richtig – nicht zuletzt deshalb, weil die Erstrundenfinanzierer die bevorzugte Anlaufstation in den folgenden Runden sind. Und diese reagieren verständlicherweise zurückhaltend, wenn der weitere Finanzbedarf erst eine Woche vor der drohenden Insolvenz kommuniziert wird.“
Doch welchen Input wollen die Finanzierer von ihren Beteiligungen? Und wann? Um diese Frage zu beantworten hat Kollmann 235 Investment Manager angeschrieben, 59 antworteten. „Diese hohe Rücklaufquote unterstreicht die Bedeutung des Themas, gerade in der derzeit angespannten Lage“, meint der 32-Jährige. Er forderte die Teilnehmer auf, ihre Vorstellung einer idealen Kommunikation zu charakterisieren. Zehn Kombinationen aus einer Vielzahl verschiedener Aspekte wie „aktive Information“, „sequentielle Übermittlung“ oder „zukunftsorientierter Inhalt“ standen zur Auswahl.
Ergebnis: Investoren wünschen ein offenes bzw. vertrauliches Geschäftsverhältnis, bei dem auch über Schwächen diskutiert werden kann. „In letzterem zeigt sich die wahre Management-Kompetenz im Start-up“, so Kollmann. Das finanzierte Unternehmen sollte sowohl die vereinbarten als auch zusätzliche Informationen zur Verfügung stellen. Ferner möchten die Investoren, dass pro-aktiv Informationen bei ihnen abgerufen werden. Der Turnus der Kommunikation sollte kontinuierlich sein, um schnellstmöglich auf Warnsignale reagieren zu können. Die Ausrichtung der Inhalte sollten sowohl vergangenheits-, gegenwarts- als auch zukunftsorientiert sein. „Diesem Punkt kommt die höchste Wertschätzung der Investoren zu“, unterstreicht Kollmann. „Sie wünschen eine frühzeitige Einbindung in relevante Entscheidungen. Sie wollen nicht nur Geldgeber sein, sondern auch Partner für die Unternehmensentwicklung.“
Die Pflege solcher Beziehungen ist aufwändig. „Das ist aber kein Problem“, ist Kollmann überzeugt. „Die Zeiten, in denen sich ein Investment Manager oder ein Business Engel um 20 Beteiligungen kümmerte, sind vorbei. Der einzelne betreut heute durchschnittlich etwa zwei bis drei Teams. Bei zentralen Investments findet sich oft gar eine 1-zu-1-Betreuung.“
Grundlage einer guten Kommunikation aus Sicht der Gründer ist ein internes Monitoring. „Hierdurch wird erst die Grundlage für die zu übermittelnden Informationen geschaffen“, so Kollmann. STEFAN ASCHE
Die Studie „Investor Communication“ kostet 10 „. Informationen zum Bezug stehen im Web.
www.ebusiness-lehrstuhl.de

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