Start-up 20.07.2012, 11:00 Uhr

Moderne Unternehmer gründen mehrere Unternehmen

Nicht nur in den USA, auch in Deutschland gibt es immer mehr Unternehmer, die es nicht bei dem einen „Lebenswerk“ belassen. Das Geld und die Erfahrungen aus vorherigen Unternehmen stecken sie in neue hinein. Als Gründer, als Business Angel oder beides.

Manch ein Gründer kalkuliert von vornherein seinen Exit: den Verkauf von Unternehmensanteilen an eine meist größere Firma. Andreas Jenne, Geschäftsführer von Kinaxo, ist da anders. Seine erste Reaktion, als ihm der Pharma-Entwickler Evotec AG ein Angebot unterbreitete, war dagegen: „Nein, nicht mein Baby!“ Dabei war das Biotech-Start-up schon sein drittes „Baby“. Das Erste hatte wegen fehlender Anschlussfinanzierung nicht überlebt. „Dass wir abgebrannt waren, hatte aber weder mich noch die nächsten Investoren abgeschreckt“, sagte Jenne: „Im Gegenteil. Alle sagten: Dann wirst du es beim nächsten Mal besser machen.“

Mancher Unternehmer wird zum Seriengründer

Das zweite und das dritte „Baby“ gediehen. Am Ende brachte es Jenne aber dennoch übers Herz, sich von ihnen zu trennen. Bei Kinaxo seien die Synergieeffekte ausschlaggebend gewesen, so der Seriengründer. Kinaxo habe einen wichtigen Bereich der Evotec-Forschung und Entwicklung abgedeckt: Die Biotechfirma testet Wirkstoffe in Zellkulturen auf Nebenwirkungen. Aus eigener Kraft hätte sie aber nicht die kritische Masse erreicht. Der Verkauf war auch finanziell ein Erfolg für die Gesellschafter, einschließlich des Hightech-Gründerfonds. Die Gesamtinvestition von 3 Mio. € hatte sich fünffach ausgezahlt.

Nach einem Jahr bei Evotec weiß Jenne jedoch, dass das Leben als leitender Angestellter nichts für ihn ist. „Das entspricht nicht meiner Natur: Mir macht es wahnsinnig viel Spaß, etwas Neues zu gestalten.“ Deshalb gründet er gerade zum vierten Mal. Wieder in der Biotechbranche, wieder mit namhaften Wissenschaftlern als Partner, nur diesmal in Köln statt in München. Das neue Start-up heißt Blackfields und wird personalisierte Medizin als Dienstleistung anbieten. Auf Basis eines Patientengentests versucht man vorauszusagen, ob eine bestimmte Krebsbehandlung beim Kranken anschlägt.

Wichtig: Erfahrene Investoren, die sich nicht in das Tagesgeschäft einmischen

„Kinaxo war dabei wie eine Blaupause für mich“, sagt Jenne: „Es ist extrem wichtig, mit den besten Profis zusammenzuarbeiten und erfahrene Investoren zu haben, die sich nicht ins Tagesgeschäft einmischen.“ Sein viertes Unternehmen wird wahrscheinlich nicht sein letztes sein.

Daniel Attallah fühlt sich auch vier Jahre nach dem endgültigen Verkauf seines Unternehmens Pixum an den führenden europäischen Foto-Dienstleister, CeWeColor, recht wohl in der Haut eines Angestellten. Im Jahr 2000, als die Digitalfotografie noch kein Massenphänomen war, entwickelte Attallah einen Online-Service. Der Kunde von Pixum lud seine Bilder hoch und bekam hübsch gestaltete Fotobücher oder Poster zurück. Heute macht Pixum ein Zehntel des Umsatzes von CeWeColor, sagt Attallah, der die Konzerntochter weiterhin leitet und gleichzeitig nach neuen „Pixums“ für den Konzern sucht.

Seit Kurzem hat er aber auch eine eigene Investmentfirma: die f8-invest. Mit 15 % der siebenstelligen Summe, die er beim Exit herausgeholt hat, will er sich an jungen IKT-Unternehmen beteiligen. „Das ist Spielgeld für mich“, sagt er, „aber wenn mir die richtige Idee über den Weg läuft, bin ich bereit, auch mehr reinzustecken.“ Ihn lockt die allerfrüheste Phase. „Ich bin kein typischer Investor, der nur sein Geld vermehren will. Ich mag es, Geschäftsmodelle zu entwickeln und junge Teams zu coachen.“

Eingestiegen ist Attallah bei Gigly, einem eTicketing Marktplatz für Künstler, Veranstalter und Gäste. Reisende können sich dort z. B. kurzfristig nach einer Bar mit Liveusik oder einem nur Insidern bekannten Konzert umschauen und auch sofort Tickets kaufen. Rund 250 000 solcher Auftritte pro Jahr gebe es in Deutschland. „Heute muss man dafür in die örtliche Zeitung gucken“, sagt Attallah: „Aber das gehört auf das Smartphone.“

„Selbst noch einmal zu gründen, juckt einen immer in den Fingern“, gibt er zu. „Doch vor zwölf Jahren hatte ich keine drei kleinen Kinder … Außerdem ist es für mich noch spannend, Pixum weiter zu entwickeln.“ Aber ein Neustart in der nächsten Zukunft sei nicht auszuschließen, er arbeite gerade an einer Idee.

Investoren für Start-up-Unternehmen werden immer jünger

Tobias Kollmann, Gründer des elektronischen Marktplatzes Autoscout24 und Business Angels des Jahres 2012, beobachtet immer mehr jüngere Start-up-Förderer. „Sie haben schon erfolgreiche Exits hinter sich und haben die Seiten gewechselt“, sagt der Inhaber des Lehrstuhls für E-Entrepreneurship an der Uni Duisburg-Essen: „Die erste Gründergeneration hilft der Zweiten und Dritten.“ So ließe sich die aktuelle Dynamik im IKT-Markt erklären. Die Branche eigne sich besonders für Business Angels: Mit überschaubarem Kapitaleinsatz ließe sich schnell viel erreichen.

In der IKT-Branche finden sich anscheinend auch die meisten Mehrfachgründer. Diese müssen nicht laufend neue Ideen haben, behauptet Oliver Beste in einem Interview mit der „Computerwoche“: Deutsche Firmen guckten sich meist Produkte und Dienstleistungen aus dem Silicon Valley ab. Das sei nicht verwerflich: „Ein neues Geschäftsmodell ist genauso wenig geistiges Eigentum wie eine Pizzeria, die auch kopiert werden darf.“

In Asien und den USA auf der Suche nach Businessideen für neue Unternehmen

E-Commerce-Pionier Beste zählt zu seinen Erfolgen unter anderem Mytoys.de. Nun betreibt er mit Partner Fabian Hansmann, ehemals Gründer der Sicherheitssoftware-Firma Steganos, die Plattform FoundersLink.com. Die beiden suchen in den USA oder Asien interessante Businessideen, die auch hierzulande funktionieren können. Anschließend fahnden sie nach geeigneten Persönlichkeiten ohne eigene Geistesblitze. Für sie entwickelt FoundersLink das Geschäftsmodell, organisiert das Team und beteiligt sich an dem Ganzen. Auf diese Weise haben Beste und Hansmann schon einige Start-ups vorangebracht. Sie können das Gründen wohl einfach nicht lassen.

Von M. Jordanova-Duda

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