Unternehmensfinanzierung 07.11.2008, 19:38 Uhr

Mittelstand verliert die Scheu vor „Heuschrecken“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 7. 11. 08, sta – Banken werden zurückhaltender, wenn es um Kreditvergaben geht. Schuld ist die Finanzkrise. Mittelständler suchen nun die Hilfe von Private Equity Gesellschaften. Das Problem ist, dass viele der als „Heuschrecken“ verunglimpften Kapitalgeber ihre Deals ebenfalls mit Fremdkapital unterlegen. Sie leiden deshalb auch an der Kapitalverknappung. Ein Stimmungstest in der Branche.

Wir sind nicht die Verursacher der Finanzkrise, wir beschleunigen sie nicht und wir profitieren auch nicht davon“, stellt Dörte Höppner, Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) klar. „Die Banken sind auch gegenüber unseren Mitgliedern restriktiver geworden bei der Kreditvergabe.“ Deshalb seien voraussichtlich viele Private Equity Gesellschaften künftig gezwungen, mehr Eigenkapital in ihre einzelnen Deals zu investieren.

„Auf der anderen Seite begrüßen wir es natürlich, dass sich immer mehr Mittelständler mit der von uns angebotenen Finanzierungsalternative beschäftigen“, so Höppner. „Ob das gesteigerte Interesse letztlich in Geschäftsabschlüssen mündet, bleibt noch abzuwarten. Fundierte Aussagen dazu können wir vielleicht Anfang kommenden Jahres treffen.“

Inwieweit sich die Finanzkrise auf das Fundraising der Private Equity Gesellschaften auswirke, sei ebenfalls noch unklar. „Fundraising ist ein Prozess, den jede Gesellschaft nur alle paar Jahre durchläuft.“ Schwankungen des Gesamtmarktes seien daher kein Grund zur Besorgnis. „Mir hat noch keine Gesellschaft erzählt, dass sie aktuell ungewöhnlich große Fundraising-Probleme hat.“

Wie aber ist die Gesamtstimmung bei Private Equity Gesellschaften, die sich auf Mittelständler spezialisiert haben? Ein kleiner Stimmungstest erbrachte ein heterogenes Bild:

„Wir verzeichnen in den vergangenen Wochen einen deutlichen Anstieg der Nachfrage nach Finanzierungen“, erklärt Matthias Heining, Co-Geschäftsführer der Beteiligungsgesellschaft BWK. Bisher seien zehn Unternehmen im Monat vorstellig geworden, jetzt sei es rund ein Drittel mehr. „Die steigende Nachfrage ist klar finanzmarktinduziert.“ Die BWK stellt Mittelständlern Eigenkapital durch offene Beteiligungen, stille Teilhabe oder als Gesellschafterdarlehen zur Verfügung.

Für Zulauf sorgen nach Ansicht von BWK-Co-Geschäftsführer Jochen Wolf die gesunkene Risikofreude der Banken und die – trotz Zinssenkungen durch die Notenbanken – gestiegenen Zinsen. „Vor zwei Jahren mussten zum Beispiel rund 8 % bis 10 % Zinsen für Mezzanin-Kapital gezahlt werden, jetzt sind 15 % und mehr fällig.“ Die Finanzkrise mache vor allem den Firmen das Leben schwer, die in der Vergangenheit Übernahmen mit hohem Fremdkapitalanteil finanziert hätten, so Wolf. „Diese kommen nun in eine doppelte Problemlage, wenn die operativen Erträge sinken und gleichzeitig Banken die Verschuldungsgrade reduzieren, also ihre Kredite zurückfordern.“

Auch die CFC Industriebeteiligungen GmbH & Co KGaA in Dortmund registriert derzeit eine deutliche Zunahme der Beteiligungsgesuche. „Vor Eskalation der Krise erreichten uns jede Woche rund vier Anfragen. Aktuell bekommen wir etwa zwei entsprechende Anrufe pro Tag“, erklärt CFO Frank Nellißen. Auswirkungen auf den Einstiegspreis stellt der Finanzexperte nicht fest. „Das liegt aber vor allem daran, dass wir uns auf die Sanierung von mittelständischen Firmen in Umbruchsituationen spezialisiert haben. An die Gesellschafter zahlen wir nur symbolische Preise – viel niedriger geht nicht. Unser eigentlicher Kapitaleinsatz fließt direkt in die Rücklagen der Firmen. Sie bilden das finanzielle Fundament für unsere Sanierungsmaßnahmen. Leverage-Konstruktionen lehnen wir ab. Wir bürden den Portfoliounternehmen keinerlei Zinslasten auf.“

Bei der BPE Private Equity GmbH ist die Zahl der Beteiligungsanfragen unverändert. Die Hamburger sind fokussiert auf Beteiligungen im Wege des Management Buy-outs an etablierten Mittelständlern mit eingeführten Produkten und einem Jahresumsatz von 15 Mio. € bis 50 Mio. €. „Wir registrieren seit jeher eine sehr rege Nachfrage nach Beteiligungskapital aus unserem Haus – ganz unabhängig von der Finanzkrise“, so Gründungsgesellschafter Andreas M. Odefey.

Bei den Einstiegspreisen habe sich bislang wenig verändert. „In den kommenden 18 Monaten werden die Unternehmensbewertungen aber nach unten korrigiert“, ist sich der Hanseat sicher. Hintergrund sei ein „zu erwartender kontinuierlicher Abschwung im konjunkturellen Umfeld“, welcher zu rückläufigen Unternehmenserträgen und damit -bewertungen führe. „Die Verkäufer gestehen dies aber immer erst mit einer zeitlichen Verzögerung zu.“

Die BPE finanziert ihre Deals mit durchschnittlich 60 % Fremdkapital. „Das ist in der Branche nicht außergewöhnlich hoch“, so Odefey. Die Portfoliounternehmen dürften die entsprechende Zinslast in aller Regel auch trotz der Finanzkrise schultern können. „Natürlich kommt es da auf den Einzelfall an. So werden alle, die konsumnah und deutschlandbezogen agieren, mehr Probleme bekommen als etwa exportorientierte Unternehmen.“

Eine durchweg schlechte Stimmung in der europäischen PE-Branche machen die europäischen Investmentgesellschaft Candover und des Informationsanbieters Incisive Media aus. Nach den Ergebnissen einer gemeinsamen Studie ist das Volumen der von Finanzinvestoren getätigten Übernahmen in Europa im dritten Quartal im Vergleich zum zweiten Vierteljahr um mehr als 35% auf weniger als 20 Mrd. Euro eingebrochen. Dies sei der niedrigste Wert seit viereinhalb Jahren.

„Wir erleben gerade zweifellos schwierige Zeiten“, sagte Boris Hentze, Deutschland-Chef von Candover. Er sprach von dramatischen Auswirkungen der Finanzkrise auf das klassische Übernahmegeschäft der Private-Equity-Firmen. Neben den großen Milliardendeals werden für die Investoren auch kleinere Transaktionen offenbar immer schwieriger. Auch deren Zahl sank im dritten Quartal, obwohl der Kreditbedarf hierfür deutlich geringer ist.

Die Aussichten für die Finanzinvestoren bleiben laut Studie trübe: Angesichts einer drohenden Rezession in vielen Ländern stünden vielen Firmen in Private-Equity-Hand kurz- bis mittelfristig möglicherweise finanzielle Probleme ins Haus. Dies betreffe besonders Unternehmen, die in den Boomzeiten mit besonders viel Schulden erworben wurden. Viele Experten gehen davon aus, dass einige der hoch verschuldeten Firmen den Abschwung nicht überleben werden. Das eingesetzte Kapital der Private-Equity-Häuser wäre dann verbrannt. rtr/S. ASCHE

„Bewertungen der Unternehmen werden sinken“

Ein Beitrag von:

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

Themen im Artikel

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Borsig GmbH-Firmenlogo
Borsig GmbH Sachbearbeiter Technisches Gebäudemanagement / Arbeitssicherheit (m/w/d) Berlin
FVLR GmbH-Firmenlogo
FVLR GmbH Referent/in (m/w/d) Detmold
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Praktikant (m/w/d) After Sales Gesetze & Umwelt Stuttgart-Weilimdorf
Anton Welling Nachf. Oliver Welling e.K.-Firmenlogo
Anton Welling Nachf. Oliver Welling e.K. Immobilienkauffrau / Kauffrau für Büromanagement / Hotelfachangestellte (m/w/d) Münster
Die Autobahn GmbH des Bundes-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Teamleiter/in (w/m/d) im Bereich Straßenausstattung Stuttgart
Stadtwerke München GmbH-Firmenlogo
Stadtwerke München GmbH Leitung Mobilitätseinnahmen und Fördermittel (m/w/d) München
TotalEnergies-Firmenlogo
TotalEnergies Wirtschaftsjurist / Vertragsmanagement Erdgasmobilität (m/w/d) Berlin
Präsidium Technik, Logistik, Service Der Polizei Baden-württemberg-Firmenlogo
Präsidium Technik, Logistik, Service Der Polizei Baden-württemberg Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter im Bereich Funkplanung (w/m/d) Stuttgart
Landeshauptstadt Wiesbaden-Firmenlogo
Landeshauptstadt Wiesbaden Sachbearbeiterin / Sachbearbeiter für den Bereich Architektur, Städtebau und Bauingenieurwesen im Sachgebiet Bauberatung und Genehmigungsverfahren Regelbau (w/m/d) Wiesbaden
Stadt Köln-Firmenlogo
Stadt Köln Geodät*in (m/w/d) als Sachgebietsleitung des Bereichs Führung des amtlichen Liegenschaftskataster Köln

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Gründung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.