Gründer 21.11.2008, 19:38 Uhr

Mitdenkende Milchtüten  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 21. 11. 08, sta – Einmal geöffnet ist unklar, wie lange Milch, Säfte oder Kosmetika sich halten. Ein junges Dortmunder Unternehmen entwickelt Mikrosysteme, die melden, wenn das Milieu in der Verpackung kippt. Nach dem Proof-of-Concept sind Investoren gesucht, die sich an der Weiterentwicklung beteiligen.

Jeder hat es schon erlebt. Die Milch im Kaffee flockt aus, das Baby verzieht beim ersten Schluck Saft sein Gesicht, oder die frisch gekochte Mahlzeit hat eine Schimmelnote. Gerade in Eile fällt es oft zu spät auf, dass der Inhalt einer geöffneten Verpackung verdorben ist. Die Adlantis Dortmund GmbH hat ein probates Gegenmittel: ein Mikrosensorsystem für Milch- und Safttüten.

Es soll anzeigen, wenn das Milieu in der geöffneten Packung kippt. Haben Gärprozesse eingesetzt, reagiert ein chemischer Indikator auf freigesetzte Verderbstoffe. „Die Wirkung unserer Indikatoren haben wir in einem Proof-of-Concept bereits nachgewiesen“, erklärt Geschäftsführer Dr. Thomas Haas. Nun gehe es darum, die Sensorik möglichst sinnvoll und simpel in herkömmliche Verpackungen zu integrieren. Wenn das gelingt, winkt ein riesiger Markt. Internationale Handelsketten und Verpackungshersteller haben ihr Interesse schon signalisiert. Denn die verbraucherfreundliche Technologie würde nicht nur ihren Kunden helfen, sondern auch ihr eigenes Image aufpolieren. „Unser Sensor passt gut in den globalen Trend zu bequemen Lebensmitteln, deren Qualität die Verbraucher auf einen Blick kontrollieren können“, erklärt Haas. Umgekehrt würden Verpackungen immer größer, wodurch sich das Problem der Haltbarkeit nach dem Öffnen zuspitze.

Zentrale Herausforderung sind die Kosten. Um den Sprung in globale Massenmärkte zu schaffen, dürfen die Mikrosysteme kaum etwas kosten. „Unser Ziel sind Stückpreise von 1,5 Cent“, erklärt Haas. Um das zu schaffen, schwebt ihm eine schrittweise Einführung vor. Anfangs soll das System in Großgebinden für Gastronomie und Lebensmittelindustrie oder auch in Kosmetikverpackungen zum Einsatz kommen. Nach und nach sollen die Kosten dann durch Mengen- und Lerneffekte sinken.

Noch ist das eine Vision. Denn um die chemischen Indikatoren muss nun ein geeignetes Sensorsystem wachsen. Der Sensor könnte beim Öffnen der Verpackung mechanisch aktiviert werden – etwa indem eine Folie gezielt verletzt wird – oder der Indikator könnte hinter einer semipermeablen Membran in die Innenhaut integriert sein. Adlantis arbeitet mit Herstellern solcher Folien zusammen, um die passenden Trägermaterialien zu identifizieren. In den nächsten Schritten will das Start-up an der Integration in die Verpackung arbeiten und den Nachweis der gesundheitlichen Unbedenklichkeit des Mikrosensors führen. Natürlich wird es auch eine zuverlässige eindeutige optische Warnung geben müssen, damit Verbraucher sofort erkennen, wenn Lebensmittel in der Verpackung verdorben sind.

Bis die Mikrosysteme in Kühlschränke und Speisekammern einziehen, gibt es also noch viel zu tun. „Wir werden sicher noch zwei Jahre brauchen, um unsere heutigen Erkenntnisse in ein zuverlässiges System zu übersetzen“, schätzt der Geschäftsführer. Es gebe Gespräche mit Interessenten aus der Verpackungs- und Lebensmittelindustrie. Für eine Beteiligung dieser Interessenten sei das Projekt allerdings noch in einer zu frühen Phase. Also müssen es die Dortmunder auf eigene Faust weiterentwickeln. Dafür suchen sie einen Investor. „Wir benötigen mindestens 350 000 €, um unsere Entwicklung ins Prototypenstadium voran zu treiben“, so Haas. Um eine Pilotfertigung auf die Beine zu stellen oder Feldtests durchzuführen, werde man anschließend noch mehr Kapital brauchen.

Auf dem Weg dahin kann Adlantis Dortmund auf die Unterstützung ihrer Gesellschafter bauen. Zu diesem Kreis gehört neben Experten für Finanz-, Steuer- und Patentfragen auch der eigentliche Gründer Prof. Dr. Theodor Doll. Der Professor für Mikrosystemtechnik (MST) an der Uni Mainz kann sich nicht selbst ums Alltagsgeschäft kümmern. Darum trug er seinem ehemaligen Doktoranden die Geschäftsführung an. Haas zögerte nicht. „Nach zwei Jahren Projektleitung in der Industrie kann ich hier etwas aufbauen“, freut sich der Sohn einer Unternehmerfamilie.

Die eigentliche Geschichte der Dortmunder Mikrosystem-Schmiede reicht ins Jahr 2006 zurück. Damals begann das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit der Förderung von sechs Applikationszentren für Mikrosystemtechnik (MST). Fördersumme: 30 Mio. €. Ziel: Strukturen schaffen, um vorhandenes Wissen auf dem Gebiet der MST schneller in den Markt zu bringen und dabei vor allem mittelständische Betriebe einzubeziehen. Die Adlantis Dortmund GmbH ging Ende 2007 aus einem der Zentren als Spin-Off hervor. „Wir verstehen uns als Entwicklungsdienstleister mit Schwerpunkt auf Sensorik für Luft und Gase“, so Haas. Dabei baue man auf dem Know-how des 10-köpfigen Mitarbeiterteams und einer Hightech-Ausstattung auf darunter 3D-Technologien, Gasmessplatz, Wafer Bonder oder eine Plasmaanlage. Wo sich dennoch Lücken auftun, springt die Dortmunder MST-Factory ein, die einschlägigen Gründern mit einem modernen Maschinenpark, Reinraumkapazitäten und voll ausgestatteten Labors zur Seite steht. Das alles stimmt den jungen Geschäftsführer optimistisch. „Die technischen Hürden werden wir zusammen mit unseren Partnern nehmen“, sagt er. Nun fehle nur noch das nötige Geld. PETER TRECHOW

Kontakt für Investoren: Thomas Haas oder Diana Mackensen-König, Tel. 0231/47730-480

Ein einzelner Sensor soll später 1,5 Cent kosten

Handelsketten haben schon Interesse bekundet

 

Von Peter Trechow

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