Unternehmensfinanzierung 17.06.2005, 18:39 Uhr

Mit Private Equity zum Erfolg  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 6. 05 – Beteiligungsfinanzierungen haben in Mittel- und Osteuropa innerhalb der letzten Jahre stark an Akzeptanz gewonnen und vielen Unternehmen Erfolg beschert. Das zeigt eine Fallstudien-Sammlung der European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA).

Schon in den 90er Jahren gehörte Eldorado zu Polens größten Lebensmittel-Großhändlern. Mit solider regionaler Marktposition wird der Großhändler Ende der 90er Jahre auch im Einzelhandel aktiv und eröffnet fünf Supermärkte unter dem Namen Stok-rotka. Das Konzept ist erfolgreich, doch zu einem flächendeckenden Ausbau des Einzelhandels fehlt Eldorado das nötige Kapital. Artur Kawa, heutiger Aufsichtsratvorsitzender: „Wir spürten unsere Chance, aber unser Kapital war nicht ausreichend. So suchten wir schließlich außerhalb des Unternehmens nach Finanzmitteln.“

1999 investierte die Beteiligungsgesellschaft Enterprise Investors 3,3 Mio. $ und erwarb damit 24 % an Eldorado. Stokrotka wurde in der Region zur führenden Supermarktkette ausgebaut. Schnell kamen Franchise-Lebensmittelgeschäfte und ein Netz von Cash-and-Carry-Märkten hinzu. Um die Expansion zügig voran treiben zu können, benötigte Eldorado 2001 weiteres Kapital. Enterprise Investors entschied mit den Unternehmensgründern, die Warschauer Börse für einen IPO zu nutzen. Der Börsengang spülte 5 Mio. $ in die Kassen von Eldorado. Zugleich bedeutete er für die Private-Equity-Investoren einen Teil-Exit, sie veräußerten 12 %. Zwei Jahre später verkauften sie auch ihre übrigen Anteile an institutionelle Investoren. Insgesamt erzielte Enterprise Investors das 2,8fache ihres investierten Kapitals. Heute ist Eldorado eine florierende Aktiengesellschaft und wurde 2004 unter die Top Five der Unternehmen mit vorbildlicher Corporate Governance in Polen gewählt.

Dieser Fall steht für viele Unternehmensgeschichten aus Mittel- und Osteuropa seit 1990. Kurz nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems etablierten sich in der Region die ersten Beteiligungsgesellschaften. Obwohl das Private-Equity-Geschäft damit wesentlich jünger ist als in Westeuropa und den USA, hat sich die Branche in den letzten 15 Jahren außerordentlich zügig entwickelt. Schnell hat die Beteiligungsfinanzierung an Akzeptanz gewonnen. Nach Schätzungen warben die hier tätigen Investoren bislang mehr als 7 Mrd. ? Kapital ein. Damit ist Private Equity ist zu einem festen Bestandteil des Kapitalmarktes geworden.

Zu diesem Ergebnis kommt auch eine Studie des europäischen Verbands der Kapitalbeteiligungsgesellschaften (European Private Equity and Venture Capital Association, EVCA). Die EVCA-Arbeitsgruppe Zentral- und Osteuropa hat für ihre Fallstudien-Sammlung „Central and Eastern Europe Success Stories“ 2004 die über 70 Beteiligungsgesellschaften der Region befragt und anschließend 25 Erfolgsgeschichten veröffentlicht.

Vor allem Polen zog in den letzten 15 Jahren viele interessierte Private-Equity-Gesellschaften an. Dort investierten die meisten, viele aber auch in Ungarn und Rumänien. Rund 5 Mrd. ? pumpten Anleger bis heute in die mittel- und osteuropäischen Länder, 900 Unternehmen der Region profitierten bislang von den Finanzspritzen. Allein in 2003 flossen Mittel in Höhe von 448 Mio. ? Beteiligungskapital – 64 % mehr als in 2002. Das meiste Kapital brachten institutionelle Investoren aus Westeuropa und den USA ein. Nur einen geringen Teil der Gelder für Private-Equity- und Venture Capital-Investitionen konnten die mittel- und osteuropäischen Unternehmer im eigenen Land oder der eigenen Region einwerben. Den Löwenanteil der Beteiligungsinvestitionen im osteuropäischen Raum bilden die Firmenübernahmen (Buy-Outs), Wachstums- (Expansionskapital) und Umfinanzierungen (Replacement capital). Diese Finanzierungsarten machten 2003 in den mittel- und osteuropäischen Ländern 94 % aller Investitionen aus – in Gesamteuropa waren es 93 %. Im Osten spielt das Expansionskapital die bedeutendste Rolle. Und das wird nach Ansicht der EVCA-Experten auf lange Sicht so bleiben: Denn genauso wie Eldorado suchen zahlreiche Unternehmer in den aufstrebenden Märkten Osteuropas ihre Chance. Nur wer ausreichend Kapital für eine schnelle Entwicklung aufbringt, kann sich in dem stark wachsenden Umfeld behaupten.

Hinzu kommt, dass Firmen dort häufig am Anfang ihrer Entwicklung stehen so fehlt in vielen Fällen für Buy-Out-Transaktionen schlicht die notwendige Reife. Doch das Buy-Out-Geschäft kommt in Gang: Denn die Kompetenz in den Führungsetagen der Unternehmen wächst, Großkonzerne werden restrukturiert und die Möglichkeiten der Schuldenfinanzierung verbessern sich zunehmend. Die technologische Entwicklung schreitet voran und vor allem das Selbstbewusstsein gegenüber internationalen Wettbewerbern nimmt unaufhaltsam zu. „Fondsmanager können heute Buy-Outs durchführen, die noch vor fünf Jahren undenkbar gewesen wären“, erklärt Robert Manz, Leiter der EVCA-Arbeitsgruppe. Die Zahl der Veräußerungen (Exits) aus Beteiligungsinvestitionen in der Private-Equity-Industrie in Osteuropa wird auf etwa 400 geschätzt. Mehr als 30 % der Exits sind Veräußerungen von Unternehmensanteilen an einen industriellen Käufer (Trade Sales). Trade Sales und Verkäufe an das Management (Sales to Management) nehmen einen weit höheren Anteil als in Gesamteuropa ein.

Eine zunehmend wichtige Rolle spielen auch die Kapitalmärkte: Insbesondere die Warschauer Börse war in den letzten Jahren Schauplatz zahlreicher Börsengänge von Unternehmen, die mit Venture Capital groß geworden sind. Weitere IPOs fanden an den Börsen von Prag sowie an der New Yorker Nasdaq und der Wiener Börse statt. Im Gegensatz zu Westeuropa, wo die Börsen als Exit-Weg in den vergangenen Jahren verschlossen waren, verstanden es Private-Equity-Manager in Osteuropa, die lokalen Kapitalmärkte Warschau und Prag für erfolgreiche Börsengänge zu nutzen. elb

Die Finanzierung von Wachstum spielt im Osten mit die wichtigste Rolle

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