Gründer 31.03.2006, 18:43 Uhr

Mit einem perfekten Businessplan ins kalte Wasser springen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 31. 3. 06, jul – Den Job zu verlieren bedeutet oftmals den Kampf um die Existenzgrundlage. Jedoch kann der Verlust des Arbeitsplatzes auch neue berufliche Perspektiven eröffnen. Bei Andreas Brechtel war es der Weg in die Selbstständigkeit. Grundlage dafür ist nicht nur ein finanzielles Polster. Vielmehr sind hinreichende Berufserfah-rung und ein breites Netzwerk gefragt. Darüber hinaus hilft der Staat, wenn ein vielversprechender Business Plan vorgelegt wird.

Als Andreas Brechtel, Architekt und Bauleiter, nach achtjähriger Projektleiter-Tätigkeit aus betrieblichen Gründen vor zwei Jahren gekündigt wurde, war der Verlust an Sicherheit für den Familienvater wie ein Schlag ins Gesicht. Jedoch entwickelte sich daraus eine berufliche Perspektive, die ohne den Verlust des festen Arbeitsverhältnisses kaum denkbar gewesen wäre.

Plötzlich wurde der Weg in die Selbstständigkeit eine denkbare Alternative zum Angestelltenverhältnis. Aufgrund der schwierigen Arbeitsmarktsituation zog der Architekt sehr schnell eine freie Mitarbeiterschaft in Erwägung. Es kam jedoch anders. Die Bundesagentur für Arbeit finanzierte dem Architekten einen 14-tägigen Existenzgründerkurs. „Hier bekam ich das nötige Handwerkszeug mit auf dem Weg und das war einiges: von der Buchhaltung, über Steuerfragen, Marketing bis zur Kundenakquise.“

Darüber hinaus musste Brechtel einen Business Plan erstellen, um für die ersten sechs Monate seiner Selbstständigkeit Überbrückungsgeld vom Staat beantragen zu können. „Im Rahmen des Business Plans muss die Tragfähigkeit des Unternehmens von fachkundiger Stelle nachgewiesen werden“, so der Freiberufler. Meist ist das die Handwerkskammer oder die Industrie- und Handelskammer, kann aber auch ein Steuerberater sein.

Blickt der inzwischen vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) staatlich anerkannte Energieberater auf die vergangenen zwei Jahre zurück, so hat er viel erreicht. „Dennoch hatte ich so manche schlaflose Nacht. Aber Höhen und Tiefen gehören in die Anfangszeit der Selbstständigkeit wohl dazu“, erinnerte sich Brechtel. „Einige meiner Mitstreiter im Existenzgründungskurs haben direkt nach dem Kurs das Handtuch geworfen. Die lange Durststrecke, die zu Beginn vor einem liegt, hat viele abgeschreckt.“ Ist diese vorbei, gäbe es dennoch keinen Erfolgsgaranten. Doch der inzwischen freischaffende Architekt, Bau- und Energieberater hat es geschafft. Ein Sprungbrett war die Ausbildung zum Gebäudeenergieberater bei der Handwerkskammer zu Köln. Dafür musste Brechtel zwei Mal wöchentlich die Schulbank drücken. Im Mai 2005 absolvierte er die Abschlussprüfungen.

Nach der EU-Richtlinie über die „Gesamtenergieeffizienz von Gebäuden“ wird für Wohngebäude ein Energie-Effizienz-Ausweis – kurz: ein Energiepass – im Falle des Eigentümer- und Mieterwechsels Pflicht.

Noch ist es nicht so weit. Derzeit wird die endgültige Ausgestaltung des Energiepasses durch den Gesetzgeber in der Energieeinsparverordnung (EnEV) festgelegt. Bis diese voraussichtlich Mitte bis Ende 2006 in Kraft tritt, ist der Energiepass noch keine Pflicht.

Doch schon heute sind die Rahmenbedingungen für den frisch gebackenen Energieberater optimal. Immerhin hat die Regierung ein 25 Mrd. schweres Investitionsprogramm verabschiedet.

Acht Energieberatungen hat Brechtel bereits hinter sich. Dadurch hat er schon einige Folgeaufträge für Sanierungen erhalten. „Wichtig ist, dass man stets vorausplant“, rät Brechtel. Schließlich komme am Monatsende das feste Einkommen nicht mehr wie selbstverständlich auf das Bankkonto. Auch fallen relativ hohe Anfangsinvestitionen für Büroausstattung und entsprechende Versicherungen an.

Auf die Frage, was ein freier Ingenieur mitbringen muss, um alleine seinen Mann zu stehen, hat Brechtel alsbald eine Antwort parat. „Neben einem sehr starken Nervenkostüm, muss man körperlich fit sein.“

Über sich selbst ist Brechtel in den letzten Monaten bereits oft hinausgewachsen. „Man entdeckt völlig neue Seiten seiner eigenen Leistungsfähigkeit. Dass ich Kunden akquirieren kann, habe ich mir während meiner Arbeit als Projektleiter nicht vorstellen können. Jetzt habe ich festgestellt, dass es mir sogar Spaß macht.“ jul

Von Julia Schlingmann

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