Unternehmensfinanzierung 25.07.2003, 18:26 Uhr

Mit kleinen Summen auf große Fahrt

Die privaten Anleger in Deutschland werden allmählich wieder risikofreudiger. Das eröffnet gerade kleineren Aktiengesellschaften neue Chancen Kapital einzuwerben – über die außerbörsliche Platzierung von Anteilen.

Zaghaft, aber doch erkennbar, gibt der Markt für außerbörsliche Platzierung und Handel von Aktien wieder Lebenszeichen von sich. „Die Nachfrage von Unternehmens- wie Anlegerseite nimmt zu“, bestätigt Joachim Haas von der Valora Effekten Handel. Die Ettlinger Gesellschaft ist eine der wenigen, die den dramatischen Einbruch der Branche überlebt hat.
Kaum dreieinhalb Jahre ist es her, dass das Geschäft bei Valora, Ahag, Schnigge, Spütz brummte wie noch nie. Unternehmen, die selbst für den Neuen Markt noch zu klein oder zu jung schienen, boten hier ihre Anteile feil. Und sie fanden reichlich Abnehmer. Vor allem Anleger, die auf satte Gewinne beim meist versprochenen Börsengang hofften, griffen zu.
Sonnenschein von vorgestern. Im Gefolge des Börsencrashs verspekulierten sich nicht nur Kleinanleger, sondern auch manches Handelshaus. Ahag, und Spütz sind insolvent. Schnigge stand zwischenzeitlich kurz vor der Pleite, hat den Aktienhandel eingestellt. Auch Valora kam unter die Räder: Setzten die Ettlinger 2000 noch über 29 Mio. ! um, landeten sie im vergangenen Jahr gerade mal bei knapp 1,6 Mio. !.
Immerhin scheint die Marktbereinigung damit zunächst abgeschlossen zu sein. Im ersten Halbjahr 2003 zog das Geschäft bei Valora wieder etwas an. Dennoch bleibt Haas für die Zukunft verhalten: „Wir erwarten für dieses Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis.“
Das seit dem Frühjahr deutlich verbesserte Klima an den Börsen nährt die Hoffnung, dass sich der Markt weiter beleben könnte. Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) glaubt indes schon jetzt, eine extreme Wandlung im Markt zu erkennen. „Die Zahl der Unternehmen, die Anteile außerbörslich platzieren möchten, nimmt deutlich zu“, so der Aktionärsschützer.
Gleichzeitig empfiehlt der Rechtsanwalt Anlegern, solche Angebote sehr gründlich zu prüfen: „Klingt das Geschäftsmodell schlüssig? Welche Positionen haben sich in den Bilanzen verändert? Wie entwickelt sich der Markt für das Produkt oder die Dienstleistung des Unternehmens?“ Selbst wenn das Angebot diesem kritischen Blick standhält, liege die Erfolgsquote, also die Chance, dass sich das Investment rentiert, nur bei 10 %, schätzt Tüngler.
Also nur ein Markt für Hasardeure? „Nein, nur das Risiko ist erheblich höher als bei börsennotierten Gesellschaften, und der Informationsaufwand ist für den Investor sehr groß“, erklärt der Aktienexperte. Die Existenzberechtigung dieses Segments stellt Tüngler nicht in Frage. „Wenn ein Unternehmen eine gute Idee hat, muss es eben sehen, wie es an Geld kommt.“
Das war auch der Ausgangspunkt für Henning Isbruch, Aufsichtsrat und Hauptaktionär der Klepper Faltbootwerft AG, Rosenheim. Als der langjährige (Commerz-) Banker 1996 das traditionsreiche Unternehmen kaufte, war schon klar, dass das geplante Wachstum nicht über Bankkredite oder Venture Capital zu finanzieren sein würde. „Für Wagniskapitalgeber sind wir einfach zu klein. Und über die Bank wäre nur eine kurzfristige Finanzierung möglich – zu Zinsen von 9 % bis 9,5 %“, erläutert Isbruch.
Stattdessen wirbt die Klepper AG seit Mitte 2001 Kapital von Kleinanlegern ein. Trotz Marketingkosten von über 100 000 !, trotz einer Garantiedividende von über 8 % auf die Vorzugsaktien, lohne sich dieser Weg, meint der Aufsichtsrat. „Für Stamm- und Vorzugsaktien zusammen zahlen wir im Jahr 5,6 %. Diese Art der Kapitalbeschaffung ist also sehr günstig für uns.“
Dafür nimmt Isbruch in Kauf, dass die Platzierung der Anteile etwas länger dauert. 287 Aktionäre zählt die Klepper AG immerhin schon. Mit dem frischen Kapital konnten die Kapazitäten in der Produktion ausgebaut, ein Online-Shop und das Klepper Faltboot-Museum aufgebaut werden. Der weitere Ausbau des Händlernetzes in den USA, wo die Rosenheimer schon heute 20 % Marktanteil halten, steht als nächstes auf der Agenda.
Die Kapitalkosten standen bei der Wasserkraft Volk AG 1997 ganz klar im Hintergrund, als man beschloss, das Kapital für den Fabrikbau in Freiburg über die Ausgabe von Aktien zu beschaffen. „Eine Bankfinanzierung war schlicht nicht möglich. Und auf Venture Capital haben wir verzichtet, weil wir unabhängig bleiben wollten“, erklärt Thomas Bub, zuständig für die kaufmännische Geschäftsführung, rückblickend.
Die Privatplatzierung hatte Erfolg: 80 % der insgesamt 10 Mio. ! für den Fabrikneubau wurden von Kleinanlegern eingeworben. Nach der inzwischen vierten Kapitalerhöhung sind 1400 Aktionäre an der Wasserkraft Volk beteiligt. Die Finanzierungskosten beziffert Bub auf 6 % bis 8 % für die zweite Kapitalerhöhung 1998/99 und auf das Doppelte für die dritte Kapitalerhöhung ein Jahr später. „Da waren die Börsen schon auf Talfahrt, die Kosten für Marketing und Werbung deshalb deutlich höher.“
Inzwischen können vermögende Anleger auch stille Beteiligungen an einzelnen Wasserkraft-Projekten erwerben. Die Aktionäre dürften indes nicht recht zufrieden sein: 2002 stand ein Verlust in der Bilanz, für 2003 peilt die Gesellschaft eine schwarze Null an. Doch man arbeite an der Rückkehr in die Gewinnzone und strebe dann auch eine Dividendenzahlung an. „Auch ein Börsengang wird in Zukunft bei uns ein Thema werden“, so Bub.
Den hat die Wind7 noch einmal auf unbestimmte Zeit verschoben. Mit einem Grundkapital von knapp 9,2 Mio. ! gehört das Unternehmen zu den Größeren im außerbörslichen Aktienhandel. „Wir sind bewusst diesen Weg gegangen“, erläutert Ties Kaiser, zuständig für die Investor Relations. Während andere Betreiber von Windkraftanlagen Kapital über geschlossene Fonds sammelten, wollte die Wind7 vor allem Kleinanleger ins Boot holen. Kaiser: „Die Idee dahinter war, dass man die Energiewende nur voranbringen kann, wenn man die breite Masse der Bürger erreicht – auch bei der Finanzierung.“ MARTIN VOLMER
www.valora.de
www.klepper.de
www.wind7.de
www.wkv-ag.de

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