Finanzierung 29.05.2009, 19:41 Uhr

Mit Auslandsfactoring sicher über die Grenzen  

Auch kleinere Architekten- und Ingenieurbüros bieten Leistungen im Ausland an. Doch was, wenn der Kunde nicht zahlt? Experten raten, sich vorab dagegen abzusichern. Export-Factoring bietet die Absicherung, steht Kleinbetrieben aber nur bedingt offen. VDI NACHRICHTEN, Berlin, 29. 5. 09, ps

Der Auftrag klang verlockend: Investoren aus der Ukraine planen ein Wellness-Zentrum an der Schwarzmeerküste. Dafür suchten sie einen deutschen Architekten – auch wegen des Zugriffs auf moderne Gebäudetechnik. Ein Kollege, der ihm mehrfach Aufträge vermittelt hatte, knüpfte den Kontakt zwischen Walter Hohler* und den Ukrainern. Zweimal trafen sie sich in Deutschland. Einmal flog er nach Kiew. Die Planungen wurden konkreter. „Wir fanden schnell eine gemeinsame Sprache, auch auf planerischer Ebene“, berichtet er.

Für Projektgeschäfte sind Factoring und Forfaitierung nur bedingt geeignet

Über Geld sprachen sie ebenfalls. Seine Reisekosten überwiesen die Ukrainer schnell und unkompliziert. Alles sah vertrauenerweckend aus. Sie führten ihn in offizielle Kreise ein. Als Hohler die verabredete erste Zwischenrechnung stellte, kam kein Geld. Er plante weiter. „Ich hab es mir als Versehen erklärt“, sagte er. Bei den nächsten Telefonaten drückte er sich um den Konflikt. Niemandem auf den Schlips treten, war sein Gedanke.

Hohler hat bis heute kein Geld gesehen. Auch eine zweite Rechnung blieb unbezahlt. Nur eine vage Hoffnung ist dem Familienvater geblieben. „Vielleicht zahlt der Kunde, wenn das Projekt genehmigt ist und meine Planung wirklich gebraucht wird“, sagt er. Doch er klingt nicht so, als würde er noch daran glauben.

Laut einer Studie des Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) und des Verbands beratender Ingenieure (VBI) ist Hohlers unabgesichertes Vorgehen kein Einzelfall – sondern die Regel. Von 225 befragten Architektur- und Ingenieurbüros gaben zwei Drittel an, sich gegen einen eventuellen Zahlungsausfall bei Auslandsgeschäften nicht abzusichern. Mehr als 90 % der Befragten hielten staatliche Exportgarantien für ungeeignet oder konnten sie nicht beurteilen. Auch private Exportversicherungen innerhalb der EU oder Export-Factoring spielen für die Ingenieure und Architekten keine Rolle. Die Mehrheit nimmt die Risiken auf sich. Viele treten in Vorleistung, ohne überhaupt ihre konkreten Kosten zu kalkulieren.

Um das Risiko zu mindern, besteht ein Teil der Befragten im Ausland auf Vorkasse – sofern sie es als kleine Unternehmen oder Einzelunternehmer durchsetzen können. Eine Alternative sind Akkreditive, zu denen auch Industrie- und Handelskammern (IHK) bei Geschäften mit Neukunden in entfernten oder vermeintlich schwierigen Ländern raten. „Ein unwiderrufliches, von der Bank des Exporteurs bestätigtes Dokumentenakkreditiv, welches der Importeur bei seiner Bank zugunsten des Exporteurs eröffnet, kann den Interessen beider Parteien gerecht werden“, rät etwa die IHK Würzburg. Sie räumt aber ein, dass es sich um ein aufwändiges und kostspieliges Verfahren handelt. Um es durchzusetzen, brauchen Exporteure ebenfalls eine gewisse Verhandlungsmacht. Und die Kunden können das Verfahren unterlaufen, indem sie die erbrachten Leistungen bemängeln.

Als Alternativen kämen Forfaitierung oder Export-Factoring in Betracht – also der Verkauf der Forderungen an Banken oder spezialisierte Finanzdienstleister. Die übernehmen das Risiko eines Zahlungsausfalls, sofern der Exporteur den Auftrag ohne Mängel und vertragsgemäß ausführt. Neben dem Risiko ist der Exporteur auf Wunsch das komplette Rechnungs- und Mahnwesen los.

Und er ist sofort liquide. Denn in der Regel überweisen Forfaitierer oder Factorer gleich nach der Rechnungsstellung zwischen 70 % und 90 % der Forderung. Einen Restbetrag abzüglich der Kosten zahlen sie, sobald die Rechnung beglichen ist. Je mehr Zeit sich der Importeur nimmt, je höher das Risiko und je mehr Arbeitsaufwand, desto mehr zahlt der Exporteur. Grundsätzlich setzen sich die Kosten aus einer Gebühr (zwischen 0,8 % und 2,5 % der Forderungen) und den Zinsen für die Finanzierung der Forderungen (auf Niveau kurzfristiger Bankkredite) zusammen.

Wichtigster Unterschied zwischen beiden Angeboten: Während sich zur Forfaitierung auch größere Einzelaufträge eignen, kaufen Factorer in der Regel nur laufende Forderungen an einen festen Kundenstamm auf. Für das Projektgeschäft von Architekten und Ingenieure ist Export-Factoring also nur bedingt geeignet. Viele Factorer engen Kundenkreis und Zielländer von sich aus ein. Zudem prüfen sie im Vorfeld die Eigenkapitalausstattung, Geschäftszahlen und Kompetenz der kaufmännischen Leitung potenzieller Kunden. Für Einzelunternehmer und Bürogemeinschaften wird diese Überprüfung selten positiv enden, zumal viele Factorer erst ab 1 Mio. € Jahresumsatz aufwärts Interesse bekunden. Zwar gibt es Ausnahmen, doch wer unter 200 000 € im Jahr umsetzt, hat keine Chance, sein Ausfallrisiko auf diesem Wege abzugeben.

Für Walter Hohler kämen die Angebote nicht in Frage. Sein Umsatz reicht nicht, und wegen der schwierigen Auftragslage im Inland kann er auch nicht mit regelmäßigen Bezügen oder einer dicken Eigenkapitaldecke glänzen. Den ukrainischen Auftrag schreibt er ab. „Das kann passieren“, sagt er. Den Aufwand, die Forderungen einzutreiben, will und kann er sich als Einzelunternehmer nicht antun.

Noch ein Aspekt spielt eine Rolle: Er will den Kollegen, der ihm den Auftrag verschaffte, nicht in die Sache reinziehen. „Er hat mir wiederholt tolle Auftraggeber vermittelt. Und ich hoffe, dass er das wieder tut.“ PETER TRECHOW

*Name von der Redaktion geändert

Von Peter Trechow
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