Unternehmensfinanzierung 04.11.2005, 18:41 Uhr

Mietkauf: Keine lästigen Restwert-Diskussionen  

Die geschlossene Form- und Gießanlage, die in der neuen Produktionshalle der Weigl Aluminiumguss GmbH in Bautzen steht, wird benötigt, um Getriebe- und Differenzialgehäuse für die Automobilindustrie herzustellen. Wert: rund 15 Mio. €. Weigl hat sich für den Mietkauf entschieden, um die Liquidität zu schonen und keine Fördermittel zu verlieren. Als Mietkauf-Partner nutzt die Firma die Comprendium Financial Services Gruppe.

Die Weigl-Gruppe ist ein Unternehmensverbund im Automobilzuliefer-Bereich mit acht Einzelunternehmen an sechs Standorten und 850 Mitarbeitern mit einem Umsatz von 125 Mio. €. Die neue Gießerei wird weitere 25 Mio. € Umsatz beisteuern und für mindestens 50 neue Arbeitsplatze sorgen.

Ein Zauberwort bei Weigl ist Power-train. Dieser Begriff steht für ein Unternehmen, das als integrierter Systemlieferant für alle Bereiche und Fertigungsverfahren um den Antriebsstrang von Fahrzeugen tätig ist. Franz Josef Weigl, der das Unternehmen 1979 gegründet hat, ist seit 2002 Vorstand der Weigl Group AG.

Einen Großteil seiner Investitionen wickelt der Automotiv-Zulieferer, der von BMW über Porsche bis VW alle großen Automobilhersteller auf seiner Kundenliste hat, über verschiedene „Miet-Scheine“ ab. Jeder Miet-Schein steht für ein Paket von Anschaffungen. Der Vorteil für Weigl liegt in dem geringen Verwaltungsaufwand durch die Bündelung der verschiedenen Mietscheine in einem Vertrag. Alle drei Monate kann Weigl neue Geräte oder Programme bestellen.

Weigl und Comprendium begannen ihre Zusammenarbeit im Herbst 2004 mit der ersten Sammelphase für die Miete von Anlagen, IT-Equipment und Software-Applikationen. Das Gesamtvolumen dieser Sammelphase: 750 000 € bis 1 Mio. €. Bis zum 31. Oktober 2008 kann Weigl mit Hilfe von Comprendium weitere Objekte anschaffen. Insgesamt finanziert der Zulieferbetrieb – auch mit anderen Leasingfirmen – derzeit über Mietkauf rund 15 Mio. €. Seit Firmengründung waren es mehr als 40 Mio. €. „Ich wollte mein eigener Herr bleiben und mir keine Heuschrecken ins Haus holen“, begründet Franz Josef Weigl die Entscheidung für Mietkauf und gegen Private Equity oder eine Stille Beteiligung.

Auch Finanzierungen über eine seiner beiden Hausbanken, mit denen der Firmenchef seit mehr als 25 Jahren zusammen arbeitet, kamen nicht in Frage. „Die hatten sich weitgehend aus der Mittelstandsfinanzierung zurück gezogen,“ erinnert er sich. Sein Unternehmen befand sich in einer Konsolidierungsphase. Weigl wollte das betriebseigene Kapital nicht in Anlagen oder in der IT binden, sondern zukunftsorientiert in Forschung und Entwicklung investieren.

Außerdem galt es, die Fördergelder nicht zu gefährden, die Unternehmen in Ostdeutschland noch immer erhalten. Manfred Knarr, Direktor Vertrieb und Marketing bei der Comprendium Financial Services, die sich als „Spezialist für flexible Finanzierungen von Technologie-Investitionen“ bezeichnet: „Die Fördermittel müssen explizit in betriebseigene Güter investiert werden. Dies ist beim Mietkauf der Fall, da die Maschinen und EDV-Anlagen im Besitz von Weigl verbleiben.“

Bei einem klassischen Leasing, bei dem Anlagegüter bilanziell nicht beim Leasingnehmer aktiviert werden, hätte es passieren können, dass die Behörden dem Unternehmen Fördermittel verweigern. Manfred Knarr sieht in seinem Kunden „ein typisches Beispiel für ein mittelständisches Unternehmen, das auch in Sachen Finanzierung langfristig plant und operiert, um innovative Wege am Wirtschaftsstandort Deutschland gehen zu können“.

Jürgen Beck ist der CFO der Weigl-Gruppe. Er betont, dass man über Alternativen nachgedacht habe: „Aber uns ging es vor allem um eine gläserne Finanzierung, klare rechtliche Strukturen und eindeutige Kalkulationsgrundlagen. Der Mietkaufgeber bleibt zivilrechtlicher Eigentümer bis zur letzten Rate, dadurch sind banktypische Fragen der Sicherheiten günstiger zu bewerten, was sich im Allgemeinen in der Konditionierung niederschlägt.“

Weigl erwirbt juristisch mit jeder Rate die Anwartschaftsrechte an der Anlage. Das heißt: Euro für Euro geht die Anlage in das Eigentum der Firma über – ohne lästige Diskussionen über den Restwert. „Klare Strukturen schaffen Transparenz.“ Dies ist Jürgen Beck wichtig, weil er gegenüber Behörden – insbesondere Fördermittelinstituten – wenig Erklärungsbedarf haben möchte. Eine Finanzierung sei schließlich nur ein Hilfsinstrument, um sich auf das eigene Geschäft konzentrieren zu können. „Bedarfsangepasst, wenn möglich Cash-flow orientiert und bis zum Vertragsende transparent“, das sind für Beck die wesentlichen Pluspunkte des Mietkaufs. Der Mietkauf kostet Weigl nach Auskunft von Beck jährlich „zwischen 3 % und 5 % Zinsen. Dafür aber gehören uns am Ende der Laufzeit die finanzierten Anlagen.“

Die Weigl Group ist heute exzellent aufgestellt: Der Umsatz in diesem Jahr wird bei etwa 125 Mio. € liegen (2004: 115 Mio. €), die Auftragslage bezeichnet Firmenchef Franz Josef Weigl als „sehr gut“. JÜRGEN HOFFMANN

Serie wird fortgesetzt.

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