start-up-porträt 03.12.2010, 19:50 Uhr

Lithium-Ionen-Batterien Made in Germany

Die Akasol Engineering GmbH aus Darmstadt baut Lithium-Ionen-Batterien. Obwohl erst seit zwei Jahren am Markt, zählt sie internationale Autokonzerne zu ihren Kunden. Die Gründer blicken auf 20 Jahre Erfahrung mit Solar- und Elektromobilen zurück. Gegründet haben sie in einer mittelständischen Unternehmensgruppe, die Know-how, Back-Office und Kapital beisteuert.

Gleich das erste Projekt war ein voller Erfolg. Im Sommer 1990 trat ein Handvoll Elektrotechnik-Studenten der TU Darmstadt mit dem Solarmobil „Pinky“ zur „Tour de Sol“ an und wurde gleich im ersten Anlauf Weltmeister. Es war die Geburtsstunde des Vereins Akasol.

Inzwischen ist aus der gemeinnützigen Akademischen Solartechnikgruppe ein Unternehmen hervorgegangen, mit dessen Lithium-Ionen-Batterien verschiedene Autokonzerne ihre Testflotten ausrüsten. Einer davon hat den Weg nach Darmstadt sogar aus der Batterienation Japan gefunden. „Das war unser Ritterschlag“, schmunzelt Felix von Borck, Mitgründer und Geschäftsführer der Akasol Engineering GmbH.

Neben von Borck leitet Sven Schulz die Geschicke des 2008 gegründeten Startups. Schulz war schon vorher Unternehmer. „Wir haben 250 Mitarbeiter, sind als Autozulieferer und Automatisierer weltweit aktiv und hatten zuletzt etwa 30 Mio. € Umsatz“, faßt er die Eckdaten seiner Schulz Group zusammen.

Für das Spin-off aus dem Tüftlerverein ist er voll ins Risiko gegangen. „Wir sind angetreten, eines der besten Batteriesysteme Made in Germany zu entwickeln und zu bauen“, sagt er. Dafür habe er bis jetzt 3 Mio. € investiert. Auf der anderen Seite bringen die Akasol-Ingenieure Erfahrungen mit, die auf einer elektrisch gefahrenen Strecke von mehr als 700 000 km fußen. Sie kennen sich nicht nur mit Energiespeichern sondern mit dem kompletten elektrischen Antriebsstrang aus. „Das Wissen, wie ein Elektroantrieb auf der Straße funktioniert, ist zentrale Voraussetzung, um Batteriesysteme auszulegen“, so von Borck.

Die Verbindung aus branchenerfahrenem Mittelständler und Elektromobilisten der ersten Stunde kommt bei der Kundschaft gut an. „Unsere Vereinshistorie wird sehr positiv aufgenommen“, berichten die Gründer. Zugleich bürge die Schulz Group für Qualität, solide Finanzierung und ein professionelles Back-Office samt Marketing- und Controllingabteilung.

Die Tüftler können sich voll auf die Entwicklung konzentrieren und bekommen dabei wichtige Tipps von den Fertigungsspezialisten des Mittelständlers. „Beim Konstruieren unserer Batterien hatten wir die spätere Automatisierung der Montageprozesse immer im Blick“, sagt Schulz. Zudem habe man parallel eine Lieferkette aufgebaut, in der heute für jede Komponente mindestens zwei Lieferanten bereit stehen. Das gilt auch für die Batteriezellen. „Wir konzentrieren uns voll auf die Systemtechnik“, stellt von Borck klar. In einem Audit habe man Zellen verschiedener Hersteller aus Asien, Nordamerika und Frankreich getestet. Zwei Hersteller aus Korea und Japan setzten sich durch und liefern nun ihre Beutelzellen ans Start-up. Dort werden jeweils zwölf davon zu standardisierten Modulen zusammengesetzt, die sich zu verschieden großen Batterien kombinieren lassen.

Durch dieses Layout muss Akasol nur dieses eine Standardmodul fertigen. Das erfordert viel Vorausentwicklung – angefangen beim eigenen Kühlsystem in jedem Modul, das mit dem Kühlkreislauf des Fahrzeugs gekoppelt werden kann, über eine eigene Steuerungseinheit, die jeweils im Gesamtsystem von übergeordneter Intelligenz gelenkt wird, bis zur Überwachung. „Temperatur und Spannung der Zellen werden permanent überwacht”, erklärt der Gründer.

Herzstück ist eine Software, die Akasol auf Basis realer Batterietests entwickelt hat. „Bei den Tests haben wir verschiedenste Zyklen abgefahren und die Batterien Extrembelastungen ausgesetzt“, erklärt Schulz. Dutzende Sensoren ermittelten dabei die Zustandsveränderungen und dokumentierten den Aufwand, um Zellen stabil zu halten. Heute registriert die Software Abweichungen von den Sollwerten und kann über einen Datenlogger per GSM eine Servicezentrale informieren. Dort analysieren Experten eingehende Meldungen und benachrichtigen den Fahrer wo nötig per Handy oder Warneinblendung ins Display des Autos. Der Fahrer bekommt auf diese Weise nur gefilterte, wirklich relevante Informationen zum Batteriezustand.

Für die Entwicklung der Batterien haben die Gründer seinerzeit eine Anschubfinanzierung des Landes Hessen in Höhe von etwa 500 000 € bekommen. Auch ein Projekt mit dem Bundeswirtschaftsministerium ist angelaufen, aus dem 1 Mio. € Fördergelder für die Batterien fließen. Und in den Kundenprojekten fließt ebenfalls schon das erste Geld.

Noch decken die Einnahmen laut Schulz nicht mehr als Materialkosten und die Anschaffung eigener Zell-, Modul-, Batterie- und Antriebsprüfstände. Doch es sei nach all den Ausgaben ein gutes Gefühl, dass nun etwas zurück fließt, räumt er ein. Die Kleinserienfertigung laufe, und nun gehe man die Prozessautomation an. „Damit werden die Kosten von 2000 €/kWh für Einzelstücke auf weit unter 1000 €/kWh sinken.“

Über die Nachfrage machen sich die Gründer keine Sorgen. Ihre Batterien haben mit 134 Wh/kg bzw. 240 Wh/l sowie einer Maximalleistung von 18 kW mit die besten Leistungskennzahlen im Markt. Zudem sind Zellen und Systeme nach dem weltweit verbindlichen Standard (US-ABC) geprüft. Für ein zwei Jahre altes Unternehmen mit 20 Mitarbeitern ist das außergewöhnlich.

„Uns begegnet zuweilen eine gewisse Skepsis“, berichtet Schulz, „doch wenn wir die Batterie dann vorführen und erklären, wie es zu der hohen Energiedichte kommt, weicht die Skepsis großer Aufgeschlossenheit.“ Ohnehin hätten Autokonzerne beim Thema Elektromobilität kaum Berührungsängste zu innovativen Start-ups und Mittelständlern, ob sie nun Tesla, Brusa oder Akasol hießen.

Zuweilen geht den Gründern die Nähe aber auch zu weit. „Wir hatten schon diverse Beteiligungsangebote aus der Zulieferbranche“, so Schulz. Er habe sie abgelehnt, weil Akasol Engineering die Anforderungen bisher aus eigener Kraft stemmen könne. „Sollte einer unserer Kunden in zehntausender Stückzahlen gehen, könnte ein Investor, der das Wachstum mit finanziert, aber Thema werden“, räumt er ein. Doch aktuell sei die Situation fast ideal: „Wir können organisch mit dem Markt wachsen – und haben zur richtigen Zeit das richtige Produkt.“ PETER TRECHOW

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Die Autobahn GmbH des Bundes Südwest Stuttgart-Firmenlogo
Die Autobahn GmbH des Bundes Südwest Stuttgart Leitung der Abteilung Zentrale Vergabestelle (w/m/d) Stuttgart
Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation-Firmenlogo
Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation Bauingenieurin / Bauingenieur (w/m/d) Wiesbaden
Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena)-Firmenlogo
Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) Senior Finanzexperte (m/w/d) für nachhaltige Investitionen im Gebäudebereich Berlin
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Amtlich anerkannter Sachverständiger (m/w/d) für den Kraftfahrzeugverkehr mit Teilbefugnissen (aaSmT) bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Schießstandsachverständiger der Bundespolizei (m/w/d) verschiedene Einsatzorte
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Diplomingenieure (m/w/d) zur Verwendung als Sachbearbeiter im polizeitechnischen Bereich bundesweit
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Duales Studium – Bachelor of Engineering / Bachelor of Science im gehobenen Technischen Dienst – Fachrichtung Wehrtechnik (m/w/d) Mannheim
Bundeswehr-Firmenlogo
Bundeswehr Duales Studium – Sicherheitstechnik im gehobenen Feuerwehrtechnischen Dienst Wuppertal
Deutsche Rentenversicherung Bund-Firmenlogo
Deutsche Rentenversicherung Bund Diplom-Ingenieur*in (FH)/Bachelor (m/w/div) in den Fachrichtungen Architektur, Bauingenieurwesen oder gleichartige Abschlüsse Berlin
Regierungspräsidium Freiburg-Firmenlogo
Regierungspräsidium Freiburg Diplom-Ingenieur/-in (FH) B.A. / B.Sc. / B.Eng. (w/m/d) Schwerpunkt Energiewissenschaft, Energiewirtschaft Freiburg im Breisgau

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Gründung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.