Gründungsfinanzierung 17.09.2004, 18:33 Uhr

Letzte Hoffnung Luxemburg

VDI nachrichten, Düsseldorf, 17. 9. 04 -Für junge Technologiefirmen ist Kapital noch immer knapp. Investoren halten sich mit Zusagen zurück, weil ihnen das Geld ausgeht. Mit einem Dachfonds von 500 Mio.  €, der vom Europäischen Investitionsfonds (EIF) in Luxemburg verwaltet wird, wollte die Bundesregierung deshalb den Markt beleben. Doch noch ist kein Euro ausgezahlt worden.

Unsere Entwicklungskosten haben wir bisher über Kundenaufträge finanziert. Wenn wir einen Investor an Bord hätten, könnten wir deutlich schneller wachsen und hätten mehr Planungssicherheit“, beschreibt Peter Rosenbeck die Situation seiner Ident Technology GmbH. Die vor zwei Jahren gegründete, mehrfach ausgezeichnete Firma macht sich die Leitfähigkeit der menschlichen Haut zunutze: Codierte Signale werden über die Haut gesendet und von Sensoren aufgenommen. So können etwa Kameras, Heckenscheren oder Autotüren vor Missbrauch geschützt werden. Automobilhersteller und -zulieferer reißen sich um die Technologie aus Bayern. Investoren zeigen zwar Interesse, aber Rosenbeck spürt auch Vorsicht. „Viele warten ab, weil sie sich im New Economy Boom die Finger verbrannt haben.“ Mit frischem Kapital rechnet der frühere Nixdorf-Manager nicht vor Frühjahr kommenden Jahres – wenn überhaupt.
Wie Rosenbeck geht es derzeit vielen Technologiegründern in Deutschland. Im laufenden Jahr haben die 40 führenden deutschen VC-Gesellschaften nur zehn Unternehmen erstmals mit Venture Capital versorgt – eine beschämende Bilanz für Europas größte Volkswirtschaft.
Um mehr Kapital an junge Hightechs auszugeben, müssten auch bei den Wagnisfinanzierern die Kapitalquellen wieder kräftig sprudeln. Doch beim Fundraising, dem Einwerben frischer Mittel, tun sich deutsche Venture-Firmen extrem schwer. 2004 hat nur ein einziges Unternehmen, Triangle Venture, die erste Phase des Fundraising bei 15 Mio. € abgeschlossen.
Bei VC-Firmen und Gründern keimte Hoffnung auf, als die Bundesregierung im vergangenen Jahr ankündigte, über den halb-öffentlichen Europäischen Investitionsfonds (EIF) in Luxemburg 500 Mio. € in Venture-Fonds zu investieren. Die Hälfte der Summe sollte aus dem ERP-Sondervermögen (Marshallplan-Gelder) kommen, den Rest der EIF selbst beisteuern. „Wir sind mit vier, fünf Teams im Gespräch über ein Investment. Schon Anfang 2004 wird es wohl die ersten Zusagen geben“, gab sich Matthias Ummenhofer, der Verantwortliche für den Dachfonds, im Oktober vergangenen Jahres optimistisch.
Tatsächlich gibt es bislang erst eine Investitionszusage (Wellington III). Eine weitere ist in Vorbereitung. Noch aber ist – neun Monate nach dem inoffiziellen Start des Programms – kein Cent von Luxemburg nach Deutschland geflossen. Anfang August kritisierte deshalb Holger Frommann, Geschäftsführer des Verbands deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK), offen die Arbeit des EIF-Fonds.
Wer sich in diesen Tagen mit deutschen Wagnisfinanzierern unterhält, stößt in der Tat auf manch bissigen Kommentar zur Arbeit der Luxemburger Fondsmanager: Anrufe, die wochenlang nicht beantwortet, Zusagen, die nicht eingehalten werden, undurchsichtige Investitionskriterien, inkompetente Manager. Einige argwöhnen sogar, dass Berlin die Fondsmittel für das laufende Jahr gesperrt haben könnte. Doch zitiert werden möchte man mit solchen Aussagen lieber nicht – vielleicht ist man auf die Hilfe des Dachfonds noch einmal angewiesen.
Denn klar ist: Für jeden kapitalsuchenden Wagnisfinanzierer ist der Sitz des EIF, die Avenue J. F. Kennedy 43 in Luxemburg, im wahrsten Sinne des Wortes die erste Adresse. Als „Cornerstone“ im Finanzierungskonzept ist der Dachfonds beinahe unverzichtbar. Uwe Fleischhauer von der Münchener VC-Beratung Mackewicz & Partner sieht schwarz für die deutsche Hightech-Gründerszene, wenn es nicht bald gelingt, Kapital einzuwerben. „Jeder zweite Wagnisfinanzierer muss in den nächsten zwölf bis 18 Monaten ins Fundraising. Der Wettbewerb um Investoren wird knüppelhart, wenn alle gleichzeitig an den Markt gehen.“
Auch Kurt Müller, erfolgreicher Hightech-Unternehmer und heute Partner der Münchner Target Partners spricht davon, dass sich manche VCs in einer „akuten Notsituation“ befinden. Das eigene Unternehmen, das in der europäischen Venture-Branche eine guten Ruf genießt, nimmt Müller von dieser Einschätzung aus. Das sechsköpfige Team traut sich zu, auch ohne den Dachfonds im kommenden Jahr Investoren für einen zweiten Fonds zu begeistern.
Unternehmen, wie etwa Proventis, haben nach dem „Nein“ aus Luxemburg hingegen ihr Fundraising eingestellt. Proventis-Gründer Jan Pörschmann hält die Idee des Dachfonds aber weiterhin für richtig. Auch Enno Spillner vom BioM Venture Capital Fonds lobt das Konzept. „Allerdings“, so Spillner, „sollte der Fonds eigentlich frischen Wind in den Markt bringen und auch Newcomern eine Chance geben. Das hat er bisher nicht geschafft.“
Solche Kritik weist Matthias Ummenhofer vom EIF/ERP-Dachfonds zurück. Die 2003 geplanten Zusagen hätten sich auf Folgefonds schon existierender Managementgesellschaften bezogen. Bei First Time Funds benötige man erfahrungsgemäß anderthalb Jahre Vorlaufzeit. „Wir haben allerdings Ende 2003 nicht erwartet, dass der deutsche Markt so lange schwächeln würde“, räumt Ummenhofer ein. Will sagen: Deutsche Institutionelle (Banken, Versicherungen, Pensionsfonds) aber auch vermögende Privatleute, die noch vor fünf Jahren mehrere hundert Millionen in VC-Fonds pumpten, zeigen kaum Interesse an der Anlageklasse Wagniskapital.
Die Mutlosigkeit der Investoren ist für Rolf Christof Dienst, Gründer von Wellington Partners, schwer nachzuvollziehen. „Wer jetzt nicht investiert, verpasst etwas. Schließlich ist die Bewertung von Hightech-Firmen günstig wie selten zuvor.“ Obwohl Wellington einen guten Ruf hat, gelang es auch Dienst nicht, eine deutsche Bank oder Versicherung für seinen neuen Fonds zu gewinnen.
Für Ummenhofer, der zuvor lange Jahre für andere EIF-Fonds Deals in ganz Europa gemacht hatte, ist die Investitionsscheu eine schwere Hypothek. Denn sein 500-Millionen-Fonds soll zwar Geld in deutsche VCs stecken – aber keinesfalls alleine. Ohne privates Kapital, kein Deal. Im Durchschnitt sollen nur rund 30 % der Mittel aus dem Dachfonds stammen, so die Vorgabe aus dem Wirtschaftsministerium.
Rund 100 Mio. € wollte Ummenhofer bis Ende 2004 investieren. Obwohl noch kein Vertrag unterschrieben ist, bleibt der Fondsmanager optimistisch, dass dies auch gelingt. Mindestens zwei, maximal vier Fonds, sollen noch in diesem Jahr geschlossen werden. Noch im Oktober dürften unter dem neuen Wellington-Fonds die Unterschriften stehen.
Auch die Fonds, die als nächstes finanziert werden, dürften illustre Namen tragen. Junge Teams hingegen gehen bis auf weiteres leer aus. Immerhin: Mit fünf neuen Fondsinitiatoren arbeiten die Luxemburger, wie es heißt, „intensiv zusammen“. Mindestens eines der Teams habe Aussicht, Geld zu bekommen.
Überhaupt schaut der 40-jährige Schwabe zuversichtlich ins kommende Jahr. Das bislang dreiköpfige Team wird bald um drei Mitarbeiter, darunter ein Jurist, erweitert. „Dann können wir noch schneller agieren als bisher.“ Außerdem hofft Ummenhofer, 2005 die Früchte der diesjährigen Arbeit zu ernten. „Vieles, was wir angestoßen haben, wird erst im kommenden Jahr in Verträgen münden. Wir geben schließlich nicht nur Geld, sondern helfen den Fonds auch, sich sauber aufzustellen, die richtigen Leute an Bord zu holen und ihr Fundraising effizient zu gestalten.“
Die Kritik an seiner Arbeit hält Ummenhofer für überzogen. „Alle warten natürlich auf den ersten Deal. Venture Capital ist jedoch „geduldiges Geld“ und die erwarteten Renditen und Effekte auf die deutsche VC-Infrastruktur können nur mit einer langfristigen Strategie erreicht werden.“
Macht die Politik keinen Druck, schließlich hat die Regierung 2004 zum Jahr der Innovation ausgerufen? Natürlich und zu Recht gebe es Nachfragen aus Berlin, sagt Ummenhofer. Von Pressionen können jedoch keine Rede sein. „Die Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium klappt vorzüglich. In Bezug auf die Strategie des Dachfonds sind wir uns absolut einig.“
Auch Johannes Velling, im Bundeswirtschaftsministerium für die Innovationsfinanzierung zuständig, hält nichts davon, den hungrigen deutschen Markt mit schnellem Geld aus dem Dachfonds zu füttern. „Natürlich wünschen wir uns, dass bald auch junge Teams zum Zuge kommen. Wir brauchen neue Player, aber die nutzen uns nichts, wenn die Qualität nicht stimmt.“ PETER SCHWARZ

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