Unternehmensfinanzierung 16.05.2008, 19:35 Uhr

Leasingfirmen wollen höhere Margen  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 16. 5. 08, ps – Leasing ist zur wichtigsten Fremdfinanzierungsform geworden. Auch in Zeiten der Finanzmarktkrise erfreut sich die Branche großen Zuspruchs. Jetzt versuchen die Anbieter, steigende Kosten an ihre Kunden weiterzugeben.

Lange Jahre war Liquiditätsschonung das ausschlaggebende Argument für Leasing. Inzwischen aber ist die Kostentransparenz das wichtigste Anlagemotiv. Das hat die TNS Infratest Finanzforschung herausgefunden: Sie befragte 2007 zum dritten Mal nach 1994 und 2002 Unternehmen nach ihrer Einstellung zu dieser Finanzierungsform.

Als zweitwichtigsten Grund für Leasing geben die knapp 1100 befragten Firmen an, dass die Betriebsausstattung auf dem neuesten Stand bleibt. Das ist ihnen noch wichtiger als die Liquiditätsschonung, die erst danach genannt wird – Zeichen wohl auch für die verbesserte Eigenkapitalausstattung des deutschen Mittelstands. Denn der gehört zu den Hauptnutzern dieser Finanzierungsform.

Die Leasingnehmer schätzten wohl auch deren Verlässlichkeit und Stabilität, glaubt Reinhard Gödel, Vorstandschef der genossenschaftlichen VR Leasing in Eschborn bei Frankfurt: „Gerade jetzt, wo die Finanzmarktkrise ihre Kreise gezogen hat, zeigt sich eindrucksvoll, wie solide und gut aufgestellt die Leasingbranche ist.“

Doch auch für die Leasingunternehmen ist die Refinanzierung schwieriger geworden: „Die Refinanzierungskosten haben aber bei Leasinggesellschaften nicht überall so stark angezogen wie bei den Banken“, sagt Rüdiger von Fölkersamb, Mitglied des Vorstandes der Sparkassentochter Deutsche Leasing in Bad Homburg.

Es sei aber offensichtlich, dass der Kosten- und Margendruck im Markt weiter zunehmen werde, meint Reinhard Gödel: „Dies indes muss keinen unserer Kunden weiter kümmern“, versucht er zu beruhigen.

Das sehen Branchenbeobachter etwas anders. Die Branche versuche, höhere Margen durchzusetzen, meint etwa Leasingfachmann Bernd Rischko, Geschäftsführer der unabhängigen Finanzberatung ProfiPartner GmbH in Bielefeld. Das hat er vor allem bei neuen ausländischen Wettbewerbern beobachtet: So sei die GE Capital, Tochter der amerikanischen General Electric auch über den Erwerb der Disko Leasing in den deutschen Markt stärker eingestiegen: „Die Amerikaner haben ganz andere Renditevorstellungen als wir“, meint Rischko.

Zum Teil versuchen die Gesellschaften offenbar, höhere Margen durch geschickte Vertragsgestaltung durchzusetzen: „Die Intransparenz der Verträge hat in den letzten Jahren stark zugenommen“, hat Rischko beobachtet. Es gebe die unterschiedlichsten Vertragsmodelle, die der Leasingnehmer dann kaum miteinander vergleichen könne, wenn er versuche, das für ihn günstigste Angebot auszuwählen. Eine genaue Lektüre der Finanzierungsverträge sei unabdingbar, um etwaige Fallstricke und Zusatzgebühren rechtzeitig erkennen zu können.

Der Wettbewerb auf dem deutschen Markt hat sich nicht nur wegen der neuen ausländischen Konkurrenten verstärkt. „Eine echte Konsolidierung kann ich nicht erkennen“, meint Rischko. Zunehmend gründeten auch die Hersteller ihre eigenen Leasingtöchter, weil sie ihre Waren besser absetzen können, wenn sie gleichzeitig eine Finanzierung anbieten. Dadurch werden ihre bisherigen Kooperationspartner quasi Opfer des eigenen Erfolgs.

Wegen der zunehmenden Konkurrenz und des steigenden Margendrucks zieht es viele von ihnen immer stärker ins Ausland: „Uneingeschränkt ja“ antwortet VR-Leasing-Chef Gödel auf die Frage, ob die Expansion ins Ausland weitergehe.

Seine Gesellschaft richtet sich dabei vor allem nach Osteuropa aus – mengenmäßig ist hier auch in der Branche das stärkste Wachstum zu beobachten. Im vergangenen Jahr hat VR Leasing im Ausland ein Neugeschäftsvolumen von 2,3 Mrd. € realisiert – ein Rekord.

Auch die Deutsche Leasing treibt ihre Auslandsexpansion weiter voran: Derzeit sind Portugal und Rumänien an der Reihe, sagt Vorstandsmitglied von Fölkersamb, selbst in den USA ist man jetzt präsent. Rund 1 Mrd. € Neugeschäft hat die Sparkassentochter im vergangenen Jahr jenseits der deutschen Grenzen erzielt.

Dabei setzen die mehr als 60 im Ausland tätigen Leasinggesellschaften zunehmend auf Präsenz. Abzulesen ist dies an der zunehmenden Bedeutung des „Domestic Leasing“, dem Vertragsabschluss also mit der Tochtergesellschaft vor Ort, das etwa im ersten Quartal 2008 um 26 % zugelegt hat. Vor Ort ist dabei das Vendoren-Leasing die bevorzugte Form: Die Hersteller bieten dabei im Verkaufsgespräch schon die Leasingfinanzierung an und kooperieren dazu mit Leasinggesellschaften.

Ein Neugeschäftsvolumen von insgesamt 57,4 Mrd. € hat die Branche im vergangenen Jahr verzeichnen können, ein Plus von 9,5 %. Dabei waren es vor allem die Mobilien, die stark nachgefragt wurden: Mit 50,3 Mrd. € lag das Neugeschäft in diesem Bereich um 12 % über dem des Vorjahres.

Das Wachstum bleibt dynamisch: Auch im ersten Quartal lag die Steigerungsrate bei Mobilien noch bei 11 %. Und hier werden vor allem Maschinen und Nutzfahrzeuge geleast. Künftig aber werde sich das Wachstum wohl weg von den Fahrzeugen hin zu Medizin- und Energietechnik verlagern, glauben Experten. B. SCHOLTES

  • Brigitte Scholtes

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