Leasing 19.03.2010, 19:45 Uhr

Leasing: Flexibilität als Einbahnstraße  

Wenn Fahrzeuge, Maschinen und Immobilien finanziert werden, greifen Firmen und Private gerne auf Leasing-Angebote zurück. 2008 wurden so alleine 60 % aller Ausgaben für die Anschaffung eines Autos gestemmt. In der Krise haben solche Verträge aber Haken: Brechen die Umsätze weg, müssen die Leasing-Raten trotzdem weiter gezahlt werden. VDI nachrichten, Düssseldorf, 19. 3. 10, elb

Wenn der Brite von „to lease“ spricht, meint er „mieten oder pachten“. Beim deutschen „Leasing“ handelt es sich dagegen meist um eine Finanzierungsalternative für beispielsweise Fahrzeuge, Produktions- und Büromaschinen, EDV, Nachrichtentechnik, Produktionsgebäude oder Lagerhallen. Teilweise werden diese Güter von der LeasingGesellschaft auch beschafft, in jedem Fall aber finanziert. Dafür zahlt der Leasing-Kunde über einen bestimmten Zeitraum. Die Attraktivität verdankt das Leasing oft steuerlichen Vorteilen und einer niedrigeren monatlichen Belastung als bei einem Kredit. Da die Leasing-Gesellschaften am Ende der Vertragsdauer im Regelfall einen Restwert einkalkulieren, fällt die zu finanzierende Leasing-Summe kleiner aus als bei einem kreditfinanzierten Kauf.

Wegen dieser finanziellen Vorteile werben Leasing-Gesellschaften gerne mit der vermeintlich größeren Flexibilität des Leasings – vor allem beim Mittelstand. Doch diese Flexibilität, vergleichsweise mehr Güter nutzen zu können, als dies mit den eigenen Mitteln oder einem Bankkredit möglich wäre, gilt nur im Expansionsfall. Werden die geleasten Güter in Krisenzeiten wegen Auftragsrückgängen nicht ausreichend ausgelastet, um auch die Leasing-Raten zu erwirtschaften, ist ein Ausstieg aus den Verträgen oft unmöglich, in jedem Fall aber teuer.

Anne Koark, die 2003 mit ihrer Firma „Trust in Business“ in die Insolvenz ging und heute insolvenzbedrohte Firmen und Haushalte berät, weiß, dass die Leasing-Raten bei Umsatzeinbrüchen allzu oft zu einem existenzbedrohenden Faktor werden. Beim Abschluss der Verträge werde gerne nur auf den Steuervorteil geschaut und weniger darauf, ob sich die Monatsraten auch noch finanzieren lassen, wenn die Einnahmen zurückgehen. Koark: „Ist der finanzielle Engpass da, drücken hohe Fixkosten. Die mit der Leasing-Gesellschaft vereinbarten Rückkaufswerte sind im Regelfall viel höher als die wirklichen Marktpreise. Wer dann aus dem Vertrag aussteigen will, muss Geld mitbringen – das er aber in dieser Situation nicht hat.“

Bei nahezu jeder Insolvenz ist nach Erfahrung von Michael Bretz von der Wirtschaftsauskunftsdatei Creditreform im gesamten Finanzierungskonzept etwas schief gelaufen. Leasing-Verträge seien bei mittelständischen Unternehmen inzwischen eine der drei wichtigsten Fremdfinanzierungsmöglichkeiten neben Bank- und Lieferantenkrediten.

„Egal, wie der Kunde seine Investition finanziert hat – bar, über einen Kredit oder per Leasing – die Investitionsentscheidung hat er selbst getroffen. Wenn sich diese Investition nicht rechnet, kann das Leasing-Unternehmen ja nicht das unternehmerische Risiko übernehmen. Das trägt der Kunde selber“, sagt Klaus Ressel, Leiter Machinery bei der VR-Leasing AG.

Bei Finanzierungsengpässen empfehlen die Experten unisono den Leasing-Kunden, schnell das Gespräch mit der Leasing-Gesellschaft zu suchen. Handelt es sich um einen vorüber gehenden Engpass, lassen sich die Raten nämlich stunden oder die Vertragslaufzeit um ein bis zwei Jahre verlängern, was zumindest die monatliche Belastung senkt. Rechnet sich das Leasinggut auch längerfristig nicht, lässt sich der Vertrag unter Umständen in gegenseitigem Einvernehmen aufheben. Vergleichsweise problemlos wäre das möglich, wenn die von den Leasing-Gesellschaften kalkulierten Restwerte bei der Vertragskündigung den Marktwerten entsprächen – doch hier liegt das Problem.

„Die Restwerte sind wegen der Konjunktur derzeit alle im Keller“, sagt Holger Rost, Geschäftsführer der Comco Autoleasing und Vorsitzender des Öffentlichkeitsarbeitsausschusses beim Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL). Zudem hätten viele Leasing-Gesellschaften in der Vergangenheit mit zu hohen Restwerten kalkuliert. Dies machte den vorzeitigen Vertragsausstieg schon in konjunkturell guten Zeiten teuer. Muss die Leasing-Gesellschaft das Gut vorzeitig verkaufen und erzielt nicht den kalkulierten Restwert, geht das zu Lasten des Kunden. Nun aber leidet der Markt für gebrauchte Leasing-Fahrzeuge im Gefolge der Abwrackprämie und Insolvenzen von Autohändlern ganz besonders.

Dabei stehen die Leasing-Gesellschaften konjunkturbedingt selbst unter hohem Druck. Ihr Neugeschäft sank 2009 um mehr als ein Fünftel auf rund 42,1 Mrd. €, vereinzelt wurden bereits Verluste gemeldet. Ursächlich waren neben der Wirtschaftsflaute Refinanzierungsengpässe. Zu den großen Refinanzieren gehörten bisher die Landesbanken. Doch viele von ihnen stecken jetzt selbst in Finanznöten, so dass sie weniger Refinanzierungsmittel zur Verfügung stellen – oder sich wie die HSH Nordbank ganz aus dem Neugeschäft zurückgezogen haben. Die Folgen: Einige Leasing-Gesellschaften stellten ebenfalls ihr Neugeschäft ein. Das lag bei sehr kleinen Gesellschaften allerdings auch daran, dass sie neuerdings der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterstehen und sich für sie die zusätzlichen Anforderungen der Aufsicht nicht gerechnet haben. Eine Konsequenz ist, dass die Leasing-Gesellschaften die strengeren Bonitätsvorgaben, die der Kapitalmarkt an sie stellt, an ihre Kundschaft weitergeben.

„Die Bonität unserer Kunden haben wir immer schon geprüft, aber aktuell fallen diese Prüfungen in der gesamten Branche intensiver und kritischer aus. Das heißt dann auch, dass vom Leasing-Nehmer eher eine Sonderzahlung verlangt wird als früher“, erklärt Ressel von der VR-Leasing AG. MONIKA LIER

Von Monika Lier
Von Monika Lier

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