Gründer 14.12.2001, 17:32 Uhr

Langer Weg zum Blitz-Start

zu sehr Old Economy.

Als der Diplom-Ingenieur Wolfgang Dreipelcher im Boom-Jahr 1999, mit einer guten Idee im Kopf und langjähriger Marktkenntnis im Rücken, erstmals bei Banken über seine Geschäftsidee und eine mögliche Kreditvergabe sprach, wurde er ausgelacht. „Niemand konnte verstehen, warum ich nicht ein Unternehmen im IT-Bereich aufbauen will“, erinnert sich Dreipelcher. Für ein solches Vorhaben hätte er zu diesem Zeitpunkt problemlos Venture Capital erhalten. Dreipelchers Idee klang hingegen in den Banker-Ohren sehr nach konventioneller Produktion, nach „Old Economy“ und war damit unattraktiv. Warum wollte der Mann im E-Business-Zeitalter mit Fotozubehör Geld verdienen?

Der Weg zur finanziellen Unterstützung war deshalb eine Ausnahme in der Gründer-Zeit anno 99: Fast ein ganzes Jahr verging, mehrfach musste sich der frühere Siemens-Vertriebsprofi von Freunden Geld leihen, um überhaupt existieren zu können. Der Tag, an dem sich das Blatt wendete, wird Dreipelcher nicht vergessen: Am 4. Juli 2000, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag und nach exakt dreißig erfolglosen Gründermessen und Bank-Terminen, ließ sich endlich ein Geldgeber erweichen. Statt der erhofften 2,5 Mio. DM war das Kreditinstitut allerdings nur bereit, 1,5 Mio. DM zu verleihen.

Obwohl der ursprüngliche Businessplan mit dem geschmälerten Geldfluss Makulatur war, gingen Dreipelcher und sein Kompagnon Franz-Josef Günther mit Elan an den Start. Unter Hochdruck musste Dreipelcher ein Vorserienexemplar seines „Pro Shot“-Blitzgerätes entwickeln, denn knapp drei Monate später eröffnete in Köln die weltweit wichtigste Fotofachmesse „Photokina“. „Ohne ein fertiges Gerät auf der Messe hätten wir unsere Firma gleich wieder schließen können“, ist Dreipelcher überzeugt. Doch der Kraftakt gelang, das Kernprodukt des jungen Unternehmens war pünktlich vorführbereit.

Was in Köln zu sehen war, mag in den Ohren von Hobby-Knipsern (oder Bankern) wenig aufregend klingen, für professionelle Fotografen war es eine kleine Sensation: Ein Blitzgerät mit maximal 3 %-iger Abweichung bei der Farbtemperatur, ausgestattet mit revolvierenden Blitzkondensatoren und einer integrierten Funksteuerung. Die kleine Produktfamilie unter dem Namen „Pro Shot“ erntete auf Anhieb Lob. Profifotografen bringt das Gerät deutliche Zeitersparnis, denn erstmals kann ein Blitz, der meist in fünf Metern Höhe unter der Studiodecke hängt, ohne ständige Kletterpartie konfiguriert werden.

Führende Blitzgerätehersteller wollten mit dem Start-up prompt kooperieren. Denn trotz längerer Entwicklungszeiten ist es noch keinem Gegenspieler gelungen, eine zuverlässige Funkfernbedienung für diesen Bereich zu entwickeln. „Obendrein macht unser Gerät doppelt soviel Licht wie Produkte der Mitbewerber“ freut sich Dreipelcher. Kein Wunder, dass die Konkurrenz bereits angeklopft hat.

Nach dem „Blitz-Start“ ist es Dreipelcher gelungen, sein Unternehmen mit drei festen und mehreren externen Consultants auf Kurs zu bringen: In Deutschland können die ILF-Geräte bereits per Internetshop oder über den Fachhandel bezogen werden, auch in Holland ist ein Vertriebspartner gefunden. In den USA steht das Unternehmen mit Sitz in Haan bei Düsseldorf kurz vor dem Vertragsabschluss. Mit einem Sales-Partner in Südostasien werden Verhandlungen geführt.

Aus den ursprünglichen Plänen, die Blitzapparate komplett selbst zu fertigen, ist allerdings nichts geworden. „Dafür war das Kapital zu knapp“, erläutert Dreipelcher. Neben Anfangsinvestitionen in Höhe von 1,5 Mio. DM wären auf das Unternehmen jährliche Aufwendungen für eine Fabrikationshalle, Personal und Maschinen in Höhe von 2 Mio. DM zugekommen.

Statt dessen begab sich Dreipelcher auf die Suche nach externen Herstellern in Deutschland. Nach der Odyssee bei den Banken erlebte der Diplom-Ingenieur nun seine zweite Enttäuschung: „Es war extrem schwierig herauszufinden, welches Unternehmen die von uns gewünschten Produkte liefern kann“, erläutert Dreipelcher. Die Düsseldorfer IHK zeigte sich zwar willig, konnte letztendlich aber nicht helfen. Die Handwerkskammer verfügte über Angaben zu den angeschlossenen Mitgliedsbetrieben, eine detaillierte Datenbank über weitere Dienstleistungen – wie von ILF benötigt – befindet sich aber erst im Aufbau. „Bei anderen Institutionen hatte ich mit meinem Anliegen überhaupt keinen Erfolg“, ärgert sich der Firmengründer. „Selbst eine schriftliche Anfrage beim NRW-Ministerpräsidenten Clement blieb ohne Antwort.“

Schließlich fanden Dreipelcher und sein Team doch noch Kooperationspartner, wie die Lüdinghauser Vector Modelltechnik oder einen kleinen Fachbetrieb für Fräs- und Schweißarbeiten im benachbarten Velbert.

Enttäuscht von öffentlichen Institutionen, Wirtschaftsförderern und Bankern ist Dreipelcher trotz allem zuversichtlich, dass ILF im kommenden Jahr einen Umsatz von knapp 3 Mio. DM erwirtschaften wird. In Zukunft will er seine Blitz-Technologie auch in anderen Bereichen etablieren, beispielsweise bei der Spanplattenfertigung, in der Chirurgie oder bei der Waver-Trocknung. Gelingt ihm letzteres, hätte er doch noch ein Standbein in der IT-Branche gefunden.

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