Beratung 20.10.2006, 19:24 Uhr

Kopf und Koffer sind bei Beratern stets in Bewegung  

VDI nachrichten, Wiesbaden, 20. 10. 06, Fr – Wenn es um Consulting geht, denken die meisten an die Großen der Branche. Attraktiv aber sind auch kleinere Beratungsunternehmen wie MBtech Consulting, Steria Mummert oder Herrmann Beratende Ingenieure. Drei Ingenieure erzählen, warum sie gerne viel arbeiten, mit ständigen Veränderungen leben und ihr Privatleben stark zurückfahren.

Missmanagement, Kapitalmangel und eine grobe Fehleinschätzung des Marktes sind die häufigsten Ursachen dafür, dass Unternehmen ins Trudeln geraten. Spätestens dann wird nach dem Unternehmensberater telefoniert. Der soll dann wieder für Ordnung sorgen. Schafft er das, darf er fortan auch in Schönwetterzeiten beraten. Gelingt es ihm nicht, schickt er die Abschlussrechnung und zieht beim nächsten Kunden ein.

Was der Consultant auch tut, er steht immer auf der Gewinnerseite und hat beste Chancen auf den Jackpot: Viele Berater wechseln nach ein paar Jahren in die obere Führungsebene eines Kunden. Das klingt nicht nur attraktiv, sondern ist es tatsächlich – wenn man bereit ist, zumindest in den ersten Jahren enorm zu ackern, mit ständigen Veränderungen zu leben und sein Privatleben ziemlich zurückzufahren. Und dazu sind dem Anschein nach immer mehr Ingenieure bereit. Denn nach den Diplom-Kaufleuten stellen sie mittlerweile das größte Rekrutierungspotenzial der Beratungsgesellschaften.

Beste Beispiele hierfür sind Marc Goldschmidt (28), Georg Schlautmann (40) und Alexander Bär (33). Alle drei sind gelernte Ingenieure, alle drei sind Unternehmensberater, alle drei haben an fortwährender Projektarbeit Honig geleckt. „Die Veränderung ist für mich das Leben“, versichert Alexander Bär, seit anderthalb Jahren Senior Consultant bei Steria Mummert. „Man kommt zum Kunden und weiß nie, was einen erwartet. Was man erlebt, ist ungewiss.

Den gefürchteten Druck machen sich viele Menschen selbst: Unsicherheit darüber, ob der Kunde zufrieden ist oder Zeitdruck, weil jemand ein Perfektionist ist.“ Im Augenblick arbeitet der in Brasilien geborene Wirtschaftsingenieur aus Berlin parallel an zwei Kundenprojekten und an einem internen Themenforschungsprojekt. Die Wochenendbeziehung darf darunter nicht leiden, doch das Motorrad bleibt oft in der Garage, auch fürs Klettern und Gitarrespielen bleibt wenig Zeit. Koffer und Kopf sind bei Beratern ständig in Bewegung: Heute Projektarbeit im Rahmen einer IAS-Softwareimplementierung, morgen Performance Optimierung bei einer Bank, nächste Woche Workshop für die Themenforschung.

Das muss man nicht nur mögen, sondern auch können. Wirtschaftsingenieure bringen nach Ansicht von Bär dafür beste Voraussetzungen mit, denn: „Sie haben gelernt, mit Ökonomen und Technikern gleichermaßen zu kommunizieren. Sie bringen so Anforderungen mit Umsetzungsempfehlungen schnell zusammen.“

Übergreifend arbeiten will auch Marc Goldschmidt, ebenfalls Wirtschaftsingenieur. Der 28-Jährige hat bis vor einem Jahr an der Hochschule Pforzheim Logistik und Produktionstechnik studiert und nebenbei drei Praktika in der Automobilindustrie absolviert. Sein Ziel als angehender Berater bei der MBtech Consulting GmbH in Sindelfingen ist es, Lean-Methoden entlang des Produktentstehungsprozesses einzuführen und anzuwenden. „Ich habe hier direkt nach meinem Examen angefangen“, sagt Goldschmidt. „Im ersten Jahr habe ich an Projekten für unseren Stammkunden DaimlerChrysler mitgearbeitet, um das Unternehmen besser kennen zu lernen, doch schon bald werde ich wohl auch bei anderen Kunden als Berater eingesetzt.“

Für ihn besonders reizvoll: Langeweile gibt es in diesem Beruf nicht. „Man hat immer wieder mit neuen Leuten zu tun, man ist immer unterwegs und man baut sich so mit der Zeit ein interessantes Netzwerk auf“, sagt der Nachwuchs-Consultant. Am Wochenende, wenn sich die Kollegen über ein paar Stunden Freizeit freuen, studiert er mit wohlwollender Unterstützung seines Arbeitgebers weiter. „Ich mache an der Hochschule Ludwigshafen den MBA-ILMC“, erklärt Goldschmidt, „das steht für International Lean Manufacturing Consulting und bereitet auf interessante Aufgaben im internationalen Umfeld vor.“

MBtech Consulting gehört zu den mittelgroßen, technisch orientierten Beratungsgesellschaften in Deutschland, ist aber durch die Zugehörigkeit zum Engineering-Dienstleister MBtech Group weltweit tätig. Irgendwo dort draußen sieht sich eines Tages auch Marc Goldschmidt, dafür verbessert er permanent sein Methodenwissen und festigt seine Überzeugungskraft: „Als Berater muss man Menschen mit unterschiedlichen Zielen ins Boot holen. Dafür braucht man Know-how und ein gutes Standing.“ Und am besten den Abschluss Wirtschaftsingenieur, oder nicht? „Nicht unbedingt“, widerspricht der Junior Associate, „jedes klassische Ingenieurstudium bietet eine gute Grundlage.“

Das würde Georg Schlautmann sofort unterschreiben. Obwohl der Ingenieur für Holztechnik von der FH Rosenheim über Umwege zur Beratung kam – „angefangen habe ich in der Arbeitsvorbereitung und EDV, danach war ich Leiter der Konstruktion in einer Möbelfertigung“ – , sieht er darin keine verschenkten Jahre. Im Gegenteil: „Mit ein paar Jahren Praxis genieße ich eine ganz andere Akzeptanz beim Kunden“, weiß der 40-Jährige. Außerdem: „Ich kenne die Abläufe in den Betrieben, habe das Hierarchiedenken erlebt. Das erhöht die eigene Sicherheit und die Überzeugungskraft bei der Beratung.“

Schlautmann ist seit knapp acht Jahren als Projektingenieur bei der Herrmann Beratende Ingenieure GmbH in Bad Oeynhausen als technischer und organisatorischer Berater für die Möbel- und Fertighausindustrie tätig. Auch ihm macht seine Arbeit viel Freude, zumal er vieles aus seinem Studium anwenden kann. Sein Rat für angehende Berufskollegen: „Schon das Studium so breit wie möglich aufsetzen und danach nicht aufhören, breit zu denken.“ Für Generalisten aus Passion also ist die Beratungsbranche wie geschaffen.

Ein Beitrag von:

  • Christine Demmer

    Christine Demmer hat als Wirtschaftsjournalistin für überregionale Tageszeitungen und Magazine gearbeitet. Sie ist Managementcoach und Kommunikationsberaterin sowie Autorin von Sachbüchern zum Thema Karriere.

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