Gründer 26.09.2003, 18:26 Uhr

Kein Businessplan per Mausklick

Programme sind nicht in der Lage, Marktuntersuchungen durchzuführen oder individuelle Vertriebskonzepte auszuarbeiten. Helfen können die Angebote aber bei der Finanzplanung – vorausgesetzt der Gründer behält den Überblick.

Unsere Software erstellt Ihren Businessplan automatisch“, wirbt die MPC Managementplan AG aus dem schweizerischen Zug auf ihren Webseiten. Schon mit minimalen kaufmännischen Kenntnissen und wenigen Angaben lasse sich ein hochwertiger Businessplan erstellen. Gründer sollen dafür 198 “ berappen.
Über solche Angebote schüttelt Ben Kühl vom Businessplan Wettbewerb Berlin Brandenburg nur den Kopf. „Wer seinen Plan nicht selbst durchdacht hat, scheitert spätestens, wenn Geldgeber detaillierte Fragen stellen.“ Tatsächlich brauchen unerfahrene Gründer meist Monate, um ihren Businessplan auszuarbeiten. Gut investierte Zeit, denn oft konfrontieren sie ihre Idee dabei zum ersten Mal mit Zahlen manche erkennen bei der detaillierten Finanzplanung, dass ihr Vorhaben kaum Gewinn abwerfen kann, andere entdecken bei der Marktanalyse unerwartete Konkurrenz.
Angesichts dieser Anforderungen erheben seriöse Programme erst gar nicht den Anspruch, dass man mit ihnen komplette Businesspläne erstellen kann. Vielmehr verstehen sie sich als Leitfäden mit Extratools für die Finanzplanung. Doch viele Experten lehnen auch diese eingeschränkten Angebote ab. So Jörg Dannenberg, Teamleiter beim Gründerwettbewerb Start2Grow: „Es mag zwar komfortabel sein, sich durch die Finanzplanung führen zu lassen, doch wer nur Zahlen eingibt, versteht die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge nicht.“ Start2Grow stattet Gründer deshalb mit losen Excel-Vorlagen aus. Wer dabei den Überblick behalte, habe das Rüstzeug, um die Geschäfte eines Unternehmens zu führen, so Dannenberg. Excel hat laut Wilhelm Schilling vom Deutschen Existenzgründerverband einen weiteren Vorteil: „Berater und Gründer können problemlos Daten austauschen.“
Positiver bewertet Bernward M. Vierheilig den Nutzen von Gründersoftware. Als Prokurist im Vertriebsmanagement der DZ-Bank ist er dafür verantwortlich, dass die Filialen der Volks- und Raiffeisenbanken eine entsprechende Software vertreiben. Nachdem wiederholt hanebüchene Businesspläne (von der Bleistiftskizze bis zum 300 Seiten Epos) auf den Schreibtischen der Prüfer landeten, entschloss sich das Institut, Gründern Hilfe an die Hand zu geben. Die Wahl fiel auf ein Produkt der Ulmer Unternehmens-Gründungs-Simulation (UGS). Seit es eingesetzt werde, habe sich die Qualität der eingereichten Pläne stark verbessert. Gleichzeitig konnte, so Vierheilig, der Prüfaufwand gesenkt werden. Vor allem nutze die Software den Gründern: „Sie erreichen damit finanzielle Vorhersagen, die den Anforderungen unser Kreditprüfer voll und ganz genügen.“ Natürlich nehme das Programm ihnen nicht die Arbeit einer Marktanalyse ab, doch könnten sie damit ermitteln, ob ihr Vorhaben trägt. Jedenfalls ließen sich die Umsatz- und Liquiditätsentwicklung planen. Auch das Controlling in der Gründungsphase lasse sich damit betreiben.
Entwickelt wurde das Programm von Ulmer Studenten unter Regie von Prof. Volkmar Liebig, Leiter des Zentrums für Unternehmertum und Existenzgründung an der WHU Vallendar. Er steht der UGS, einem Spin-off der FH Ulm, heute als Business Angel zur Seite. Liebig lässt keinen Zweifel daran, dass man mit der Software reale, sehr gute Businesspläne erstellen kann. Jüngst gewann er mit Studenten der WHU den renommierten Wettbewerb „European Businessplan of the Year“ in Fontainebleau – mit Hilfe der UGS Software.
Den großen Vorteil gegenüber anderen Produkten sieht Liebig darin, dass Gründer mit dem Programm optimistische und pessimistische Umsatzentwicklungen für die ersten fünf bis zehn Jahre ihres Unternehmens simulieren können. „Im Ernstfall können sie dann schnell auf Krisen reagieren und einen Plan B aus der Schublade ziehen.“ Wer die Stärken und Schwächen seines Unternehmens schon so weit durchgespielt habe, brauche Nachfragen von Investoren kaum zu fürchten.
Nützlich für Gründer sind laut Prof. Helmut Wittenzellner, Inhaber des Lehrstuhls für Existenzgründung an der Stuttgarter FH der Medien, auch Start-up-Simulationen. „Bei guter Software ist der Schwierigkeitsgrad so skalierbar, dass vom unerfahrenen Gründer bis zum qualifizierten Berater jeder daran lernen kann.“   P. TRECHOW

Software-Angebote
Von kostenlos
bis über 300 „
Kostenlos sind die Angebote des Bundeswirtschaftsministeriums und des Company Consulting Teams, einer studentischen Unternehmensberatung an der Technischen Universität Berlin. Für immerhin noch unter 50 “ gibt es die Software der Deutschen Venture Capital (DVC) sowie – in den Filialen der Volks- und Raiffeisenbanken – ein Angebot der DZ Bank. 165 “ muss investieren, wer das weiter entwickelte Programm UGS SIM Gründerversion nutzen möchte. Rund doppelt so teuer ist die von StartUp und den Sparkassen empfohlene Lösung von Ecomplan.   pt

  • Peter Trechow

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