Gründer 03.12.2004, 18:35 Uhr

Kasse oder teure, erste Klasse?

VDI nachrichten – Auch wer sich selbstständig macht, ist mit einer gesetzlichen Krankenkasse oft besser beraten. Die Kosten passen sich der aktuellen Finanzsituation an.

Wenn es um die Vorteile einer privaten Krankenversicherung geht, erzählt Rainer Schinke nicht viel. Geht es aber um die Nachteile, umso mehr. „Es gibt fast keine Arztrechnung, die ohne Kürzung wieder zurück kommt“, klagt der Ingenieur aus Hameln, der inzwischen mehrfach auf dem Klageweg gegen seinen privaten Krankenversicherer vorgeht. Er wehrt sich dagegen, dass der Versicherer die Zahlungen für dringend nötige manuelle Behandlungen einer schwerwiegenden Skeletterkrankung eingestellt hat und nur noch Schmerztabletten zahlen will. Jetzt versucht der Versicherer auch noch, sich vor der vollständigen Kostenübernahme für Zahnersatz zu drücken.

Rainer Schinke bereut heute, dass er sich bei seiner Existenzgründung in den 70er-Jahren für eine private Krankenversicherung entschieden hat. Doch „einmal privat – immer privat“. Wer sich einmal auf eine private Krankenversicherung eingelassen hat, tut sich später schwer, wieder zurück zur gesetzlichen Kasse zu wechseln. Für Ältere ist dies komplett unmöglich.

Existenzgründer lassen sich vor dem Hintergrund von Praxisgebühr und immer neuen Zuzahlungen bei den gesetzlichen Kassen schnell zu einer privaten Krankenversicherung überreden. Damit lassen sich in jungen Jahren tatsächlich 250 € im Monat und mehr sparen. Doch von dieser Ersparnis profitieren Selbstständige nur, solange sie nicht nur jung, sondern auch gesund und Singles sind. Anders als bei den gesetzlichen Kassen wird die Prämie einer privaten Krankenversicherung nicht in Prozent vom Bruttoeinkommen berechnet, sondern nach Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand.
Während Familienangehörige mit keinem oder nur geringem Verdienst in der gesetzlichen Krankenkasse automatisch ohne Aufpreis mitversichert sind, kostet bei den Privatversicherern jede Person extra. Für Familien ist die Privatpolice daher zu teuer.

Hinzu kommt: Privatpatienten genießen zwar meist den Luxus des Ein- beziehungsweise Zweibettzimmers, der Chefarztbehandlung und der freien Arzt- sowie Klinikwahl. „Es gibt aber bis heute kaum einen privaten Krankenversicherer, der das umfangreiche Leistungsspektrum der gesetzlichen Kassen bietet“, so Rüdiger Falken, Versicherungsberater aus Hamburg. So offerieren etliche Anbieter deutlich schlechtere Leistungen, wenn es um eine Psychotherapie geht. Sie erstatten die Kosten nur dann, wenn der Kunde sich vom Arzt überweisen ließ. Kassenpatienten dagegen können gleich zu einem Diplompsychologen gehen. Bezahlt werden oft auch nur höchstens 30 Sitzungen, während die Kassen auch für 50 oder 100 Sitzungen aufkommen.

Eine böse Überraschung erlebt, wer eine Kur braucht. Private Versicherungen kommen nicht für Sanatoriumbehandlungen, Rehamaßnahmen oder ambulante Heilbehandlungen in einem Heilbad auf. Der Kunde hat allenfalls die Möglichkeit, ein Kurtagegeld gegen Extraprämie abzuschließen. Die Kassen haben diese Leistungen dagegen zumindest in Form von Zuschüssen in ihrem Katalog. Unangenehm wird es für Privatversicherte regelmäßig, wenn die Versicherung eine Arzt-, Zahnarzt- oder Klinikrechnung kräftig kürzt. Die in den Versicherungsbedingungen verankerte Begründung: Erstattet wird nur das medizinisch Notwendige. Wer weiß schon, dass dies nicht nur für Kassenmitglieder, sondern auch für privat Versicherte gilt.

Versicherungsberater Falken warnt Existenzgründer auch aus einem anderen Grund davor, sich unüberlegt an eine Privatversicherung zu binden. Die Prämie steige im Alter unaufhaltsam, egal ob Arbeitslosigkeit, eine schlechte Wirtschaftsphase oder Berufsunfähigkeit vorliege. Falken: „Bei der gesetzlichen Kasse sinken dagegen auch meine Beiträge, wenn ich weniger verdiene oder von einer schmalen Berufsunfähigkeitsrente leben muss.“

Um im Krankenhaus den Chefarzt und ein Ein- oder Zweibettzimmer in Anspruch nehmen zu können, bietet sich der Abschluss einer privaten Zusatzversicherung für das Krankenhaus an. Diese so genannten Wahlleistungstarife für Kassenmitglieder schützen davor, im Ernstfall im Mehrbettzimmer liegen zu müssen und vom Dienst habenden Chirurgen anstatt vom Professor operiert zu werden. Wer eine solche Erfahrung bereits machen musste, wird die Annehmlichkeiten der Privatpolice zu schätzen wissen. Die Kosten dafür halten sich in Grenzen: ein 30-jähriger Mann zahlt rund 20 € im Monat, die gleichaltrige Frau 8 € bis 10 € mehr. Versicherungsschutz für eine vierköpfige Familie mit zwei kleinen Kindern schlägt mit etwa 60 € zu Buche.

Unabhängige Tipps

Wer sich unsicher ist, welche Krankenversicherung für ihn die richtige ist, sollte auf fachkundigen Rat nicht verzichten. Eine unabhängige Beratung frei von Provisionsinteressen bieten Versicherungsberater, die gegen Honorar beraten und keine Produkte verkaufen. Adressen gibt es im Internet.

Ein Beitrag von:

  • Elke Dolle-Helms

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