Business Angels Panel III/2012 09.11.2012, 19:55 Uhr

Kapital am ehesten für die Medizintechnik

Die privaten Gründungsfinanzierer in Deutschland haben im 3. Quartal 2012 kaum etwas verdient. Am attraktivsten bewerten sie derzeit die Medizintechnikbranche. Viel investiert haben sie aber auch hier nicht. Aktuelle Steuerpläne könnten ihnen die Geberlaune zusätzlich vermiesen.

Medizintechnikbranche: Als am attraktivsten bewertet.

Medizintechnikbranche: Als am attraktivsten bewertet.

Foto: Carl Zeiss

Business Angels tun Gutes. Sie stehen Gründern mit Rat, Tat und Kapital zur Seite. Ganz selbstlos ist dieses Engagement nicht. Irgendwann wollen die himmlischen Geldboten für ihren Einsatz belohnt werden. Das aber hat im 3. Quartal 2012 kaum geklappt. Die Unternehmensanteile, die sie für ihre Dienste von den Gründern zugeteilt bekamen, ließen sich nur selten in Bares ummünzen. Insgesamt meldeten die 21 Teilnehmer des jüngsten Business Angels Panels nur fünf sogenannte Exits: Einmal kauften die Gründer die Anteile zurück, einmal griff ein strategischer Investor ins Portemonnaie. Die anderen drei Deals endeten auf dem Friedhof – das Start-up musste also liquidiert werden. Der oft jahrelange Einsatz des Engels blieb unbelohnt.

Erstaunlicherweise konnte das die Laune der Befragten nicht trüben. Im Gegenteil: Sie bewerteten ihre Geschäftslage mit durchschnittlich 5,43 Punkten. Die Skala reichte dabei von 1 (=sehr schlecht) bis 7 (=sehr gut). Bei den Geschäftsaussichten reichte es für 5,38 Punkte. Beide Werte sind – im Vergleich zum Vorquartal – um knapp 5 % gestiegen.

Woran liegt“s? Vielleicht daran, dass die vom Bundesrat via Jahressteuergesetz geplante Besteuerung von Veräußerungsgewinnen vom Tisch ist, weil der Bundestag sie nicht aufgegriffen hat?

Solche Freude wäre verfrüht! Denn die von SPD und Grünen regierten Bundesländer wollen über ihre Blockademöglichkeit im Bundesrat weiter verhindern, dass Veräußerungsgewinne steuerfrei bleiben. Ein entsprechender Gesetzentwurf des Bundesfinanzministers, der demnächst in den Bundestag eingebracht wird, müsste dann in den Vermittlungsausschuss – Ausgang offen.

Käme die Besteuerung, würden vor allem Gründer darunter leiden. Ihre ohnehin schwierige Lage verschärfte sich weiter. Dabei mangelt es ihnen nicht an Ideen – jedenfalls haben sie zuletzt fleißig Geschäftspläne an Business Angels geschickt: Durchschnittlich erhielt jeder Umfrageteilnehmer gut 21 Exemplare. Das langjährige Mittel (seit 2002) liegt bei weniger als 15.

Und noch haben die umworbenen Geldgeber auch durchaus Interesse an neuen Deals: Fast jeder Dritte (29 %) hat seine Unterschrift unter einen neuen Beteiligungsvertrag gesetzt. Im Vorquartal war es nur jeder Fünfte. Wie sich diese Zahlen künftig entwickeln, liegt nun nicht zuletzt in der Verantwortung des Gesetzgebers.

Beste Chancen auf die Unterstützung durch Business Angels hatten zuletzt die Anbieter von Medizintechnik. Auf den Plätzen folgen Firmen aus den Branchen Umwelttechnik, Web-Services/E-Business, Life Sciences und Energie.

Das ganz große Geld gab es aber auch für diese Unternehmen nicht. Jeder Umfrageteilnehmer machte im 3. Quartal durchschnittlich nur gut 29 000 € locker. Im Vorquartal waren es noch knapp 40 000 €.

Noch eine schlechte Nachricht für Start-ups: Die befragten Finanzierer gaben an, durchschnittlich nur noch 38 % ihres für Angel-Investments vorgesehenen Kapitals zur freien Verfügung zu haben. Noch niedriger war dieser Anteil zuletzt vor anderthalb Jahren.

Die erwähnte Besteuerung von Veräußerungsgewinnen soll sich auf Minderheitsbeteiligungen von unter 10 % beziehen. Im Fokus stehen sollen dabei Business Angels GmbHs.

Welche Auswirkungen das haben kann, unterstreichen diese Zahlen: Zuletzt umfassten 63 % aller Beteiligungen weniger als ein Zehntel des Unternehmenswertes. Und 76 % der Umfrageteilnehmer investieren als GmbH-Chefs in Jungunternehmen. 

Von Stefan Asche
Von Stefan Asche

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