Start-up-Portrait 18.12.2009, 19:44 Uhr

Kälte aus Sonne und Abwärme  

Die Berliner Invensor GmbH baut Kältemaschinen auf Basis von Adsorptionstechnik. Das wäre nicht außergewöhnlich, würden die Geräte nicht schon bei 65 °C Antriebstemperatur mit voller Leistung arbeiten – ein bisher nicht erreichter Wert. Damit sind sie für solare Kälteerzeugung oder zur Nutzung von Abwärme etwa in Wärmenetzen prädestiniert. Die Technik der VC-finanzierten Gründer ist bereits international gefragt. VDI nachrichten, Berlin, 18. 12. 09, sta

„In unseren Klimageräten bringen wir reines Wasser bei 6 °C zum kochen“, erklärt Uwe Eckstein. Er gehört neben Sören Paulußen, Niels Braunschweig und Tobias Krier zum Gründerteam des Berliner Start-ups Invensor, das seit 2006 Kältemaschinen entwickelt und fertigt. Das sprudelnd kochende kalte Wasser ist der Schlüssel, um Kälte aus Sonne und Abwärme zu erzeugen.

Dafür setzen die Gründer auf Vakuumtechnik und Zeolithe als Adsorptionsmittel. Die Mineralien können fast die Hälfte ihres Eigengewichts an Wasser speichern und es unter Wärmezufuhr wieder abgeben. Während der Siedepunkt des Wassers im Unterdruck sinkt, ziehen die Zeolithe den entstehenden Dampf an. Das Start-up hat diesen Prozess in ein Vier-Kammer-System integriert. In der ersten Kammer wird das Wasser verdampft. Die Energie dazu liefert ein Wärmetauscher, der an einen externen Kühlkreislauf angeschlossen ist. Die Verdampfung entzieht dessen Kühlmedium Energie, kühlt es also. Der Wasserdampf wandert derweil in zwei Kammern mit dem Adsorptionsmittel. Jeweils eine davon adsorbiert. Die andere regeneriert, indem das Wasser mit Hilfe zugeführter Wärme von den Zeolithen gelöst wird. Als Dampf steigt es in eine vierte Kammer auf. Dort kondensiert es und fließt zurück in den Verdampfer.

Warmwasser aus Solarkollektoren kann nun zur Klimatisierung von Eigenheimen dienen.

Das Wasser zirkuliert also in einem geschlossenen Kreislauf, der ohne Pumpen auskommt. „Die Desorption ist der entscheidende Part“, sagt Eckstein. Hier entscheide sich, mit welchen Antriebs- und Rückkühltemperaturen ein Gerät auskomme. Die Gründer haben sich intensiv mit der Thermodynamik der Adsorption befasst und auf dieser Basis die Regelungstechnik für den Einsatz der verwendeten Zeolithe optimiert.

Das Know-how, das sie dabei erwarben, sucht weltweit seinesgleichen. Die Invensor-Geräte erreichen schon bei 65 °C volle Leistung. „Konkurrierende Produkte fangen da bestenfalls an, nennenswert zu kühlen“, berichtet Eckstein. Die niedrige Eingangstemperatur macht neue Anwendungen möglich. Warmwasser aus Solarkollektoren, Blockheizkraftwerken oder die sonst ungenutzte Rücklaufwärme von Fernwärmenetzen kann nun zur Klimatisierung von Eigenheimen, Büros, Server- oder anderen Betriebsräumen genutzt werden. „Wo Abwärme bereit steht, lassen sich Stromkosten mit unseren thermischen Kühlsystemen beträchtlich senken“, werben die Jungunternehmer. Allerdings setze solare Klimatisierung ausreichende Kollektorfläche, wie sie heizungsunterstützende Anlagen bieten, voraus. „Interessenten mit Anlagen zur reinen Warmwasserbereitung raten wir ab“, stellen sie klar. Auch Abwärme in Industrie und Gewerbe sollte als 60 °C heißes Wasser bereitstehen, damit es sich lohnt.

Die Berliner sind auf kleine Klimageräte spezialisiert. „Wir konzentrieren uns auf Anwender mit maximal 50 kW Kühlbedarf, weil in diesem Leistungsbereich Lösungen fehlten“, erklären die Gründer. Die Resonanz gibt ihnen recht. Inzwischen gehen Anfragen aus aller Welt ein. „Es hat sich herumgesprochen, dass wir in eine neue Temperaturklasse vorgestoßen sind“, sagt Eckstein.

Noch planen, entwickeln und bauen die Gründer ihre Geräte im Alleingang.

Als zweites Standbein entwickeln die Berliner Hochtemperatur-Geräte für heiße Regionen. Auch sie basieren auf Vakuum und Zeolithen, arbeiten aber auf höherem Temperaturniveau. „Das erlaubt uns deutlich höhere Rückkühltemperaturen als bisher möglich“, sagt Braunschweig. Hintergrund: Wie jeder Kühlschrank erzeugen die Geräte beim Kühlen Abwärme. Bei hohen Außentemperaturen wird die Wärmeabfuhr schwierig. Die Leistung und Effizienz von Kühlgeräten sinkt. Das trifft auch für die Invensor-Technik zu. Doch anders als bei anderen thermischen Kühlgeräten würde sie bei Hitze nicht in kritische Betriebszustände kommen. Höchstens schalten sie ab, wenn die Kühlleistung den Betriebsaufwand nicht mehr rechtfertigt – und legen anschließend automatisch wieder los.

Noch planen und bauen die Gründer ihre Geräte im Alleingang. Zwar bekamen sie in der Gründungsphase wiederholt den Rat, sich als Technologieentwickler und Zulieferer zu positionieren. Doch damit hätten sie wichtige Lernprozesse aus der Hand gegeben. „Wir nehmen aus jedem Projekt etwas für die folgenden Anlagen mit“, berichtet das Quartett. Sie wollen ihr Geschäftsmodell beibehalten, solange es die Stückzahlen erlauben. Später sei es denkbar, die Produktion auszulagern und sich auf Kernkompetenzen zu konzentrieren.

Diese Strategie tragen auch die Investoren mit. Schon in der Frühphase fanden die Gründer Geldgeber aus der Solarbranche, die selbst schon diverse Firmen gegründet haben. Inzwischen hat auch eine VC-Gesellschaft investiert. „Es hat gedauert, einen Investor zu finden“, berichtet Eckstein. So manche Verhandlung sei geplatzt, weil keine Einigung über die Konditionen zu erzielen war. In dieser Phase hätten sie einmal mehr von der Erfahrung ihrer ersten Geldgeber und dem Business-Angel Egon Wiethoff profitiert. Wegen der positiven Erfahrung hat die GmbH nun freiwillig einen Aufsichtsrat. Mit dessen Erfahrung und einer Wachstumsfinanzierung im Rücken ist Invensor schon auf zwölf Mitarbeiter gewachsen. Das soll laut Eckstein erst der Anfang sein. P. TRECHOW

www.invensor.com

Von P. Trechow
Von P. Trechow

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