Gründer 10.06.2005, 18:39 Uhr

Jeder bekommt seinen eigenen Chauffeur  

Der 43-jährige Reutlinger will eine Flatrate für Taxis einführen. Zunächst in Deutschland, später weltweit. Kunden sollen für 48 € pro Monat befördert werden – so oft sie wollen und ohne jegliche Zusatzkosten. „Ganz so, als hätte jeder einen eigenen Chauffeur!“ Bei der Umsetzung soll Hightech zum Einsatz kommen.

Was sich zunächst nach einer Spinnerei anhört, ist das Ergebnis jahrelanger Recherchen und Berechnungen. Bert Neckermann kennt die Taxi- und Tourismus-Branche. Mit 24 gründete er einen Funkmietwagen-Betrieb, wenig später ein Reisebüro. Seine Erfahrungen gab er als Berater im Auftrag der IHK an andere Personenbeförderer weiter. Was ihn an dem Geschäft stets störte, war das Missverhältnis von Standzeit zu Fahrzeit. „Viele Fahrer langweilen sich oft stundenlang in der Schlange am Flughafen. Und wenn sie Pech haben, möchte ihr Gast am Ende nur bis zum nächsten Hotel gefahren werden.“ Damit sich das rechne, seien die Tarife in den letzten Jahren immer weiter angehoben worden. Neckermanns Ausweg aus der Preisspirale: Entgelt und Leistung entkoppeln und dadurch mehr Kunden gewinnen. „Die Flatrate im Internet hat gezeigt, dass das funktioniert. Seit Einführung hat sich die Zahl der Surfer drastisch erhöht. Dadurch konnte das Preisniveau insgesamt gesenkt werden.“

Technisch ist das Vorhaben sehr anspruchsvoll. Verschiedene Hightech-Systeme müssen aufeinander abgestimmt werden. Neckermann verdeutlicht es an einem Beispiel: „Max Muster ruft unser Kundenkontakt-Center an und erklärt, dass er vom Bahnhof zum Kunstmuseum gefahren werden möchte. Eine freundliche Mitarbeiterin gibt diese Daten in das System ein. Der Rechner ermittelt blitzschnell die optimale Strecke. Gleichzeitig werden via Telematik alle Taxis im Umfeld des Startpunktes ermittelt, die ein ähnliches Fahrtziel haben. Als Antwort auf seine Anfrage erhält Max Muster im Handumdrehen einige Beförderungsalternativen. So kann er beispielsweise in vier, zwölf oder 20 Minuten starten. Ist eine Entscheidung gefallen, klickt die Telefonistin das entsprechende Fahrzeug auf der elektronischen Karte an.“ Der Fahrer wird dann via Datenfunk über den neuen Auftrag informiert. „Sein Navigationssystem berechnet die günstigste Route neu und zeigt sie umgehend an. Der Punkt, von dem Max Muster abgeholt werden möchte, ist natürlich markiert.“

Bevor der Gast einsteigt, werde überprüft, ob er überhaupt berechtigt ist, die Flatrate zu nutzen. „Als Ausweis dient ihm eine Chipkarte, auf der biometrische Daten abgelegt sind. Außerdem enthalten ist ein Transponder. Durch ihn erkennt das Fahrzeug, wie viele Personen insgesamt an Bord sind.“ Die Belegungskontrolle werde ergänzt durch optische Sensoren. „Schließlich kann es ja sein, dass sperriges Gepäck einen Platz in Anspruch nimmt.“

Alle Daten des Autos werden permanent an die Zentrale gefunkt – zunächst per GPRS, später per UMTS. „Sollte diese Technologie vor dem gewaltigen Datenvolumen kapitulieren, erwägen wir bei entsprechend positiver Geschäftsentwicklung den Aufbau eines eigenen Funknetzes.“ Auch eine Satellitenlösung sei denkbar.

Bei der Entwicklung ist das derzeit zehnköpfige Taxmobil-Team nicht auf sich allein gestellt. „Zu unseren festen Technologiepartnern zählen führende Großunternehmen aus dem IT- und Mobilfunkbereich. Diese Firmen bieten ihre Dienste zu günstigen Konditionen an. Im Gegenzug hoffen sie auf umfangreiche Folgeaufträge.“ Verschiedene Teilsysteme seien bereits fertig entwickelt. „Jetzt muss nur noch alles zusammengefügt werden. Starten soll das System spätestens Mitte 2006 in der Pilotregion Böblingen.“ Viele Taxiunternehmer warten laut Neckermann schon darauf. „Schließlich gehen sie kein Risiko ein. Die gesamte Bordelektronik für etwa 1000 € pro Fahrzeug übernehmen wir. Gleichzeitig steigt ihr Umsatz. Wir versprechen 20 € pro Stunde. Aktuell nimmt jeder Fahrer in Deutschland durchschnittlich nur die Hälfte ein. Die Mehraufwendungen für Sprit und Abnutzung werden so deutlich überkompensiert.“

Damit die Flatrate keine Insellösung in Städten Baden Württembergs bleibt, möchte Neckermann ein Franchise-Konzept entwickeln. „Fernziel ist es, dass Taxmobil-Kunden weltweit reisen können.“ Der ÖPNV solle dazu mit in das System eingeschlossen werden.

Finanziert wurde die bisherige Entwicklung ausschließlich durch private Kapitalgeber. „Über den eigens gegründeten Finanzvertrieb geben wir u.a. atypisch stille Beteiligungen aus. Ein siebenstelliger Betrag ist schon eingeworben – Tendenz steigend. Viel Werbung brauchen wir schon nicht mehr zu machen. Unser Konzept ist einleuchtend. Anlegern ist es symphatisch – nicht zuletzt auch wegen der Umweltverträglichkeit: Wir erhöhen die Mobilität des Einzelnen und senken durch den Sammelverkehr die Emissionen.“

Gewinne will Taxmobil über den Kartenverkauf generieren. Neben der Classic-Karte für 48 € sind weitere geplant. „Eine Business-Karte für 200 € schließt beispielsweise den Transport in Limousinen mit Internetanschluss ein.“ Auch eine Prepaid-Karte sei denkbar. „Sie könnte 10 € kosten und nur für zehn Fahrten gültig sein.“ Neckermanns Fantasien sind keine Grenzen gesetzt.

Ein Beitrag von:

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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