Tipps für die Selbstständigkeit 14.12.2001, 01:00 Uhr

Ist die Selbstständigkeit eine Alternative?

Viele Absolventen der Hochschulen sehen ihren Weg künftig in der Selbstständigkeit. Wichtig dafür ist vor allem die Bereitschaft, sich den Risiken und Chancen gut vorbereitet zu stellen. Zur Realität gehören in den ersten Jahren sehr viel Arbeit und oft auch finanzielle Einbußen. Fachkundige Beratung sollte als Teil der Investitionsentscheidung fest eingeplant sein. Dabei helfen Förderprogramme der unterschiedlichsten Arten bei der Finanzierung weiter.

Für die Selbstständigkeit braucht es mehr als ein Projekt.

Für die Selbstständigkeit braucht es mehr als ein Projekt.

Foto: panthermedia.net/Boarding_Now

Träumen Sie gelegentlich von einer Karriere im eigenen Büro? Viele Absolventen der Hochschulen sehen ihren Weg künftig in der Selbstständigkeit und planen, eigene Ingenieur-Planungsbüros zu gründen. In Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen und einem harten Wettbewerb im Bauwesen ist der Schritt in die Selbstständigkeit mutig, aber nicht aussichtslos. Was müssen junge Ingenieurinnen und Ingenieure also mitbringen, um im umkämpften Planungsmarkt bestehen zu können?

Diese Frage ist nicht leicht zu beantworten, ein paar Schlaglichter können aber bei der Annäherung an das Thema Selbstständigkeit helfen. Wichtig ist vor allem die Bereitschaft, sich den Risiken und Chancen der Selbstständigkeit gut vorbereitet zu stellen. Zur Realität gehören in den ersten Jahren sehr viel Arbeit und oft auch finanzielle Einbußen. Es hilft niemandem, die Augen vor der Realität zu verschließen. Gründer müssen die Bereitschaft haben, sich fachkompetent beraten zu lassen. Ein Anlesen der wichtigsten Grundlagen für eine Selbstständigkeit kann nur ein erster Schritt sein. Fachkundige Beratung sollte als Teil der Investitionsentscheidung fest eingeplant sein. Dabei helfen Förderprogramme der unterschiedlichsten Arten bei der Finanzierung weiter.

Ein Projekt reicht nicht, um in der Selbstständigkeit zu bestehen

Viele Ingenieure gründen ihr eigenes Planungsbüro, indem sie ein erstes Projekt oder einen Auftraggeber aus dem Büro, in dem sie angestellt waren, „mitnehmen“. Die Existenz eines solchen Projektes überdeckt oft die dringende Notwendigkeit einer Planung der eigenen Selbstständigkeit und des künftigen Wirtschaftsbetriebes. Nach einer ersten, oft enthusiastischen Anfangsphase versiegen die Aufträge mangels Akquisition plötzlich. Meist folgt ein wirtschaftliches Fiasko, von dem dann auch Mitarbeiter betroffen sind.

Fachleute empfehlen daher, die Gründung eines eigenen Büros exakt zu planen, Erfolg und Misserfolg zu überwachen sowie ggf. rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Zu jeder Selbstständigkeit gehören ein Businessplan und eine Gründungsberatung. Fragen, die jeder Gründer beantworten muss, sind: Welche Geschäftsidee habe ich? Welche Leistungen biete ich konkret an? Welche Zielgruppen will ich bedienen? Wie organisiere ich mein Büro? Wie finanziere ich mein Büro? Marketing und Vertriebswege zu planen, ist ebenso entscheidend, wie eine exakte Kosten- und Umsatzplanung zu erstellen.

Selbstständigkeit: Ohne fachliche Qualifikation geht nichts

Bei all diesen betriebswirtschaftlich relevanten Fragen ist eines bei der Planung der Selbstständigkeit nicht zu vernachlässigen: Habe ich ausreichend fachliche Qualifikationen, um auf dem Markt bestehen und mich durchsetzen zu können? Nach Erfahrungen des VBI hat sich eine verlässliche Fachkompetenz nach drei bis fünf Jahren herausgebildet. Denn Erfahrung ist nicht nur für das qualitätsvolle Abarbeiten der Projekte Voraussetzung, sondern auch für das Marketing unverzichtbar.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Erfahrungstransfer. Im eigenen Büro fehlt oft der erfahrene Chef oder Abteilungsleiter, den man in kniffligen Situationen befragen kann. Selbstsicherheit und ein funktionierendes Netzwerk von kompetenten Ratgebern sind für die Selbstständigkeit unerlässlich. Eine Alternative zur Neugründung ist die Übernahme eines bestehenden Planungsbüros. Der VBI geht von etwa 10.000 Unternehmen aus, bei denen in den nächsten Jahren der Generationswechsel ansteht. Viele davon „sterben“ einfach, weil kein geeigneter Nachwuchs parat steht.

Selbstständigkeit: Die Übernahme als Alternative

Hier ergeben sich für Gründer hervorragende Chancen. Die Übernahme entbindet selbstverständlich den angehenden Unternehmer nicht davon, die Hausaufgaben hinsichtlich der Selbstständigkeit zu machen. Sein Vorteil: Es bestehen Kontakte, Märkte, Mitarbeiter und vor allem ein großer Erfahrungsschatz des Bürogründers, der oft auch nach der Übernahme noch zur Verfügung steht. Der Weg in ein bestehendes Büro führt in der Regel über den Einstieg als Angestellter. Dort „positioniert“ sich der potenzielle Nachfolger im Laufe der Jahre.

Aber es gibt auch die Möglichkeit, über „Kontaktanzeigen“ mit potenziellen Übergebern in Verbindung zu treten. Die Verbände – so auch der VBI – helfen dabei mit konkreten Informationen weiter. Ob Neugründung oder Übernahme, in beiden Fällen gilt: Wer mutig aber mit Bedacht und Planung an die Selbstständigkeit herangeht, kann seinen Traum vom eigenen Büro auch heute verwirklichen.

Ein Beitrag von:

  • Dipl. -Ing. Volker Zappe

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