Gründer 19.10.2012, 19:55 Uhr

Internetmilliarden für abgehobene Projekte

Die Gründer von Unternehmen wie Amazon, Google oder AOL haben enorme Vermögen angehäuft. Doch anderes als Dagobert Duck sitzen sie nicht auf ihrem Geld, sondern investieren es in Forschung, Start-ups, Umweltprojekte oder Armutsbekämpfung. So manches Projekt der Internet-Milliardäre wirkt ziemlich „abgehoben“.

Mit Fleisch und Leder aus 3-D-Biodruckern will das US-Start-up Modern Meadow dazu beitragen, die Massentierhaltung abzuschaffen. Kunstfleisch soll die Proteinversorgung der rasant wachsenden Weltbevölkerung sicherstellen, Ressourcen schonen, Flächenfraß in Regenwäldern beenden und nicht zuletzt auch dem überbordenden Antibiotikaeinsatz der Tiermäster ein Ende setzen.

Die Entwicklung der Drucker und der geeigneten Stammzelltinte finanziert Peter Thiel. Der Seriengründer verdiente sein Grundvermögen mit dem Internet-Bezahldienst PayPal, investierte fortan in verschiedene Start-ups und sicherte sich 2004 als erster Investor von Facebook für 500 000 $ ein Zehntel der Unternehmensanteile. Längst ist er Milliardär – und denkt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Thiel investiert weiter. Seine Stiftung hat sich mit den „Breakout Labs“ darauf spezialisiert, visionäre Technologie-Start-ups wie Modern Meadow, die noch eine gute Wegstrecke bis zum Markteintritt vor sich haben, zu finanzieren. Daneben unterstützt sie Menschenrechtsorganisationen oder Projekte, die neue Formen des Zusammenlebens erforschen. Außerdem gewährt die Stiftung jährlich 20 unter 20-Jährigen Stipendien in Höhe von 100 000 $, damit sie das College verlassen und sich voll und ganz ihren visionären Ideen und Projekten widmen können.

Wie Thiel investiert eine ganze Reihe von Internet-Milliardären in visionäre, teils auch „abgehobene“ Projekte und Start-ups. Oder sie gründen sie gleich selbst. So auch Elon Musk. Mitte der 90er-Jahre gründete er mit 2000 $ Startkapital sein erstes Unternehmen Zip2, das Compaq nach vier Jahren für über 300 Mio. $ kaufte. Mit seinem Anteil am Erlös schuf er einen Online-Bezahldienst, bekam über Zusammenschlüsse und Fusionen 11 % Anteil an PayPal, das dann 2002 für 1,5 Mrd. $ an Ebay ging. Musk hat noch im gleichen Jahr seine eigene Raumfahrtfirma SpaceX gegründet. Sie schaffte es 2008 nicht nur als erstes komplett privat finanziertes Unternehmen in den Orbit, sondern versorgt mittlerweile mit ihren Raketen die Internationale Raumstation ISS. Der Gründer hat es mit seiner Firma geschafft, die Kosten solcher Missionen um fast zwei Drittel zu senken. Seine nächsten Projekte: bemannte Missionen, Raumfahrt für Touristen in komplett wiederverwendbaren Raketen und als Fernziel die Besiedlung anderer Planeten. Nebenbei hat Musk übrigens als CEO das Elektromobilitäts-Start-up Tesla Motors aufgebaut, das unlängst sein zweites Modell mit bis zu 85 kWh Batteriekapazität auf den Markt gebracht hat. Reichweite: bis zu 480 km.

Musks Begeisterung für die Raumfahrt teilt der schwerreiche Amazon-Chef Jeff Bezos. Auch er hat mit Blue Origin ein eigenes Raumfahrtunternehmen gegründet, um Touristen wahlweise in den Orbit oder in suborbitale Zonen zu transportieren. Für Letzteres hat das Unternehmen, das momentan reihenweise Luft- und Raumfahrt-Ingenieure sucht, bereits einen Prototypen am Start. „New Shepard“ hat eine Kapsel für eine zunächst dreiköpfige Crew und soll binnen 2,5 min in den Suborbit steigen. Das Antriebsmodul wird danach abgesprengt und soll kurz vor dem Aufprall auf die Erde per Raketenantrieb so stabilisiert werden, dass es sanft vertikal landet. Die bemannte Kapsel wird von Fallschirmen gebremst zur Erde zurückkehren. Unbemannte Tests endeten im Herbst letzten Jahres allerdings im Desaster – der „New Shepard“ erlitt einen Totalschaden. Bezos lässt sich davon nicht beirren. Sein Start-up entwickelt derzeit in Zusammenarbeit mit der NASA ein bionisches Raumschiff für Orbital-Missionen.

Missionen ins All haben es auch den Google-Machern Larry Page und Eric Schmidt sowie dem früheren Chef-Softwarearchitekten von Microsoft, Charles Simonyi, angetan. Sie gehören zum Investorenkreis des Space-Mining-Start-ups „Planetary Resources“, das antritt, um Edelmetalle und seltene Erden auf Asteroiden abzubauen und dann zur Erde zu transportieren. Zudem wollen sie dort Wasser zur Versorgung bemannter Raummissionen suchen.

Paul Allen, der einst mit Bill Gates Microsoft gründete, und laut Forbes-Ranking zu den 50 reichsten Menschen der Welt zählt, gehört ebenfalls zu den Investoren, die ihre Computer- und Internet-Milliarden ins All pumpen. Er finanzierte schon 2004 die private Suborbital-Mission des SpaceShipOne. Ende 2011 gründete er Stratolaunch Systems. Das Start-up will voraussichtlich 2016 Testflüge eines selbst entwickelten Flugzeugs starten. An sich nichts Besonderes, doch mit 117 m wird es über ein Drittel mehr Spannweite haben, als der Riesen-Airbus A380. Und statt Passagieren soll das größte je gebaute Flugzeug die neueste Generation der SpaceX-Rakete Falcon 9 in die Lüfte heben. Die Rakete soll dann auf 10 000 m Flughöhe von ihrem Platz unter der Tragfläche – mittig zwischen zwei Rümpfen – in den Orbit starten. Allens finanzieller Beitrag zum Projekt: mindestens 200 Mio. €.

Wie viele andere Gründermilliardäre ist Allen allerdings nicht gänzlich ins All entrückt – seine Paul G. Allen Family Foundation finanziert Kultur-, Umwelt-, Bildungs- und Forschungsprojekte in aller Welt. Gerade erst schaufelte er rund 300 Mio. $ in sein selbst gegründetes „Allen Institute for Brain Science“ in Seattle.

Hirnforschung – oder besser, dem Kampf gegen Hirntumore, hat sich auch der einstige AOL-Gründer Steve Case verschrieben. Wie viele seiner schwerreichen Kollegen verfolgt er auch hier einen unternehmerischen Ansatz. Zusammen mit seinem Bruder Dan, bei dem 2001 ein bösartiger Hirntumor diagnostiziert wurde, gründete er „Accelerate Brain Cancer Cure“ (ABC²) – eine Non-Profit-Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Wissenschaftler und Forscher zu finanzieren, die vielversprechende Ansätze gegen diese Krankheit verfolgen. Für Dan Case kam diese Initiative zu spät. Er starb 2002 mit 44 Jahren an der Krankheit. Seine Familie führt ABC² weiter, hat allein bisher 18 Mio. $ in Forschungsprojekte und Start-ups investiert und obendrein weitere Geldgeber für die beschleunigte Hirntumor-Forschung gewonnen.  P. TRECHOW

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