Gründer 25.11.2005, 18:41 Uhr

Hilfe nach häuslichen Katastrophen  

VDI nachrichten, Aalen / Villingen-Schwenningen, 25. 11. 05 – Wohl dem, der versichert ist, wenn es brennt oder ein Wasserrohr bricht. Doch selbst mit einer umfassenden Police geht das Unglück an die Nerven. Versicherer und ihre Kunden schätzen es deshalb, wenn Rainbow-International die komplette Schadensbeseitigung übernimmt. Boris Petek hat 2004 in dem Franchise-System gegründet. Das Geschäft läuft. Ihn stört nur das Gebührenmodell.

Nach Jahren auf der Sonnenseite des Lebens hat sich Boris Petek den Schattenseiten zugewendet. Früher war der studierte Elektrotechniker Vertriebsleiter in der Solartechnikbranche. Seit letztem Jahr ist er Gründer im Franchise-System Rainbow-International. Rund um den Firmensitz in Villingen-Schwenningen koordiniert er jetzt die Sanierung rußgeschwärzter Zimmer und Wohnungen. Außerdem rückt er mit seinem Team an, wenn ein Rohrbruch Böden und Inventar unter Wasser setzte.

Den Anstoß in Richtung Selbstständigkeit gab eine Annonce. Rainbow-International suchte Franchise-Nehmer mit baulichem und kaufmännischem Hintergrund. Das Unternehmen wickelt im Auftrag von Versicherungen Unglücksfälle ab. Es nimmt den Schaden auf, schätzt die Kosten, reinigt Möbel und repariert alles bis hin zur Bausubstanz. „Wir arbeiten für alle großen Versicherungsgesellschaften“, sagt Tobias Baumann, Chef der Systemzentrale in Aalen. Das Geschäftsmodell trage, weil Versicherungen bei der externen Schadensabwicklung interne Kosten senken und zugleich die Kundenzufriedenheit steigern könnten.

Rund 20 Rainbow-Betriebe in Baden-Württemberg und Bayern gibt es schon. Bis Ende 2006 sollen es doppelt so viele sein. Dabei ist eine Ausbreitung in den Norden geplant. „Unser Konzept lebt davon, dass wir verfügbar sind und in direkter Nähe zum Versicherten arbeiten“, so Baumann. Der Markt gebe die schnelle Expansion allemal her: Im Jahr summieren sich private Brand- und Wasserschäden auf 3,5 Mrd. €.

Diese Argumente hörte auch Petek, als er sich auf die Annonce meldete. Doch überzeugt haben sie ihn nicht. „Ich war sehr skeptisch“, räumt er ein. Trotzdem traf er sich mit Baumann. Es dauerte sieben Stunden, bis die meisten Zweifel ausgeräumt waren. Partner waren sie danach aber noch nicht. Beide Seiten prüften ein weiteres Vierteljahr, ob sie zueinander passen. „Unser System muss seriös auftreten und Fluktuation bei den Filialen so weit wie möglich vermeiden“, begründet Baumann die genaue Prüfung. Im Gegenzug rechnete Petek die Geschäftsprognosen mit spitzer Feder durch und ließ den vorgelegten Vertrag anwaltlich prüfen. Die 90 000 €, die er als Startkapital benötigte, waren kein Pappenstiel. Außerdem wollte er seinen guten Posten nicht leichtfertig aufgeben.

Nach reiflicher Überlegung ging er zur Bank. „Die Gespräche dort haben mich in meinem Entschluss bestärkt“, berichtet der Gründer. Denn dank Baumanns Begleitung und den Bilanzen anderer Filialen waren die Banker schnell von den Erfolgsaussichten seines Vorhabens überzeugt. Zwar musste er für den Kredit seine Wohnung beleihen, doch das war ihm die Aussicht auf einen eigenen Betrieb wert.

Anfang 2004 brach Petek zur sechswöchigen Eingangsschulung in Aalen auf. Er lernte, wie Ozon-Nebel Brandgeruch beseitigt, wie Wände fachgerecht getrocknet und Marmorflächen wieder zu altem Glanz gebracht werden. Daneben lernte er den Umgang mit den Versicherten. „Davon hängt viel ab“, weiß er heute. Viele Betroffene seien in psychischen Grenzsituationen. Oft lasse ihnen der Alltag keinerlei Zeit, sich mit den Trümmern daheim und dem Verlust wichtiger Dokumente und Erinnerungen zu beschäftigen. In dieser Situation sei kompetenter, einfühlsamer Rat wichtig. Der Gründer erklärt ihnen, wie die Sanierung läuft, was sie von der Versicherung erwarten können und wie lange alles dauern wird. Dabei helfen ihm Broschüren der Systemzentrale.

„Binnen 48 Stunden nach der Kontaktaufnahme hat die Versicherung einen Schadensbericht und eine grobe Kostenschätzung“, so der Gründer. Willigt die Gesellschaft ein, rückt Peteks Team sofort an. Er beschäftigt heute sieben feste Mitarbeiter aus verschiedenen Handwerken und eben so viele Freie, die beim Reinigen der Möbel, Bücher oder CDs helfen. In einer großen Halle befreien sie zeitweise drei bis vier Wohnungseinrichtungen gleichzeitig von Ruß oder Nässe. Der Betrieb brummt. „Ich komme kaum vor 22 Uhr nach Hause“, so der Jungunternehmer. Anfangs war dieser Erfolg nicht abzusehen. Da habe er bei Versicherungsagenturen, Hausverwaltungen und Architekten Klinken geputzt. Nach den ersten Aufträgen hat sich aber herumgesprochen, dass der Rundum-Service die Nerven aller Beteiligten schont. „Wir werden inzwischen regelrecht rumgereicht“, freut sich der Gründer.

Einzig gegen das aufwändige Gebührenmodell hat Petek anfangs rebelliert. Doch auch das ist inzwischen weitgehend geklärt. Die auf den ersten Blick hohe Gebühr von 9 % des Monatsumsatzes zahlt er nämlich nur für franchiserelevante Einnahmen. Sanierungen ohne Versicherungsauftrag darf er auf eigene Kosten abrechnen. „Es ist ein faires, aber auch sehr aufwändiges Modell.“ Die Buchführung verschlinge viel Zeit. Damit dabei die Akquise nicht zu kurz kommt, wird er nun einen Projektleiter einstellen. Die Schulung übernimmt die Zentrale in Aalen. „Sie fordern, aber sie tun was dafür“, resümiert Petek. PETER TRECHOW

Ein Beitrag von:

  • Peter Trechow

    Peter Trechow ist Journalist für Umwelt- und Technikthemen. Er schreibt für überregionale Medien unter anderem über neue Entwicklungen in Forschung und Lehre und Unternehmen in der Technikbranche.

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