Unternehmensfinanzierung 23.05.2008, 19:35 Uhr

Heuschrecke im Haus? Halb so wild!  

Er bleibt Herr im eigenen Haus und kann gleichzeitig vom Know-how der Finanzprofis profitieren. Das jedenfalls ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie.

Familienunternehmen sind für Deutschland von herausragender Bedeutung. Gemäß einer Studie des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) erwirtschaften sie über 40 % der Umsätze aller Firmen und beschäftigen knapp 60 % aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Als „Familienunternehmen“ gelten dabei solche Betriebe, in denen eine Einzelperson oder eine Familie maßgebliche Kontrolle ausübt.

Diese Stützpfeiler der Volkswirtschaft stehen aktuell vor großen Herausforderungen. Dazu zählen beispielsweise Nachfolgeregelungen und Wachstumspläne. Vor dem Hintergrund der schwelenden Kreditkrise sind die Unternehmer gezwungen, nach alternativen Kapitalquellen Ausschau zu halten. Eine Option sind Private-Equity-Gesellschaften. Doch die Vorbehalte gegenüber den einst als „Heuschrecken“ verunglimpften Finanzierern sind groß. Zu unrecht – behauptet eine Studie, die die Stiftung Familienunternehmen bei der TU München, Center for Entrepreneurial and Financial Studies (CEFS), in Auftrag gegeben hat. Befragt wurden 27 Familienunternehmen. Deren Jahresumsatz lag zwischen 50 Mio. € und 500 Mio. €. Außerdem wurden 13 Private-Equity-Gesellschaften und sieben Experten (Anwälte und Berater) in die Erhebung einbezogen.

Die Familienunternehmen teilen sich in zwei Gruppen auf: Gruppe A besteht aus 21 Unternehmen, die sich trotz aller Skepsis eine PE-Gesellschaft an Bord geholt haben. Bei allen hielten die Finanzierer nur Minderheitsbeteiligungen – also weniger als 50 % der Stimmrechte. Solche Deals werden in jüngster Zeit bei PE-Gesellschaften immer beliebter. Hintergrund ist die Kreditkrise: Größere, mit hohem Anteil an Fremdkapital finanzierte Deals sind derzeit nur schwer möglich.

Gruppe B besteht aus sechs Unternehmen, die wegen ihrer Vorbehalte einer Mezzanine-Finanzierung den Vorzug gaben – also ihre Stimmrechte nicht teilten und alleiniger Herr im eigenen Haus bleiben wollten.

Zentrales Ergebnis der Untersuchung ist, dass die Mehrheit der Firmen, die PE aufgenommen hatten, mit ihren Investoren zufrieden oder gar sehr zufrieden waren.

Detailbetrachtungen führten zu folgendem Ergebnis: Die Auswirkungen der PE-Finanzierung auf das Reporting und Controlling wurde auf einer Skala von 1 (=sehr positiv) bis 5 (=sehr negativ) mit durchschnittlich 2,1 bewertet. Zum Vergleich: Die Firmen, die eine Mezzanine-Finanzierung bevorzugt hatten, bewerteten den Einfluss ihrer Kapitalquelle auf Reporting und Controlling immerhin noch mit 2,5.

Auch der Bereich Finanzierung wurde positiv beeinflusst durch den Einstieg einer PE-Gesellschaft. Gemeint ist damit nicht der direkte Kapitalzufluss. Vielmehr konnten die Familienbetriebe vielfach vom Know-how des Investors profitieren – etwa im Rahmen von Bankgesprächen oder bei Überlegungen, inwieweit Derivate genutzt werden sollten, um Zinsrisiken zu senken.

Die linke Grafik (s.o.) gibt den Einfluss eines PE-Investors auf verschiedene Unternehmensbereiche wieder. Zum Vergleich ist der Einfluss einer Mezzanine-Finanzierung abgetragen.

Zusätzlich untersucht wurde, wie sich wichtige Unternehmens-Kennzahlen nach Einstieg einer PE-Gesellschaft entwickelten. Herausgekommen ist u.a., dass die Mehrzahl der Betriebe mit ihren Umsätzen zufrieden waren (Durchschnittswert: 1,5). Gleichzeitig führte dies aber nur eine Minderheit direkt auf den Einfluss des Finanzierers zurück. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Hinblick auf die Mitarbeiterzahl, die Profitabilität, die Finanzierungssituation (Entwicklung der Profitabilität), die Internationalisierung und die Innovationsfähigkeit. Die Entwicklung all dieser Bereiche wurde überwiegend positiv beurteilt (siehe rechte Grafik). Allerdings glauben nur wenige der Befragten, dass sie dies dem Kapitalgeber zu verdanken haben. Wirklich spürbaren Einfluss billigten die Unternehmer der Private Equity Gesellschaft nur bei der Finanzierungssituation zu.

Die Studie schließt mit Empfehlungen an solche Familienunternehmer, die den Einstieg eines Beteiligungskapitalgebers in Erwägung ziehen. Wichtig ist demnach, die langfristigen Ziele des Betriebs auszuformulieren. Anschließend müsse diese Liste verglichen werden mit einer einzufordernden Absichtserklärung des potenziellen Partners. Dabei soll geprüft werden, ob man sich im Hinblick auf die Punkte Zusammenarbeit, Ausstieg, Haltedauer und Renditevorstellung einigen kann.

Bei der Preisverhandlung sollte der Unternehmer beachten, dass er den Erlös zuzüglich einer Verzinsung irgendwann an den Investor zurückzahlen muss – jedenfalls dann, wenn er bald wieder alle Unternehmensanteile in den Händen halten will.

Ganz wichtig: Im Beteiligungsvertrag sollte in jedem Fall festgelegt werden, welche operative Einflussnahme der Private-Equity-Gesellschaft gestattet sein soll. Nur so kann aus Sicht des Unternehmers sichergestellt werden, dass er die Kontrolle über seinen Betrieb auch in schlechten Zeiten behält. S. ASCHE

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