Kapitalmarktpanel 30.11.2012, 19:56 Uhr

Harte Zeiten für Private Equity

Private Equity Gesellschaften tun sich seit Beginn der Finanzkrise schwer. Als Finanzierungspartner fallen Banken weitgehend aus. Daran wird sich auch künftig wenig ändern. Zu dieser Einschätzung kommt das aktuelle Kapitalmarktpanel, das die VDI nachrichten und die Beratungsfirma Cometis erstellen.

Private Equity Gesellschaften leiden unter der Finanzkrise.

Private Equity Gesellschaften leiden unter der Finanzkrise.

Foto: pixabay.com/geralt

Rund 1,8 Mrd. € hat sich der schwedische Finanzinvestor EQT Mitte Juni die Übernahme von BSN medical kosten lassen. Die ehemalige Beiersdorf-Tochter, die zuletzt der britischen Beteiligungsgesellschaft Montagu gehörte, kommt mit weltweit rund 4000 Mitarbeitern auf einen Jahresumsatz von etwa 700 Mio. €. Die Übernahme des Hamburger Leukoplastherstellers gehört zu wenigen spektakulären Deals, die es in diesem Jahr auf dem deutschen Markt für Kapitalbeteiligungen gegeben hat.

Noch immer leiden Private Equity Gesellschaften unter den Folgen der Finanzkrise. In den ersten neun Monaten des Jahres haben laut Branchenverband BVK rund 300 deutsche Unternehmen eine Beteiligungsfinanzierung (ohne Venture Capital) erhalten – rund 80 mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, aber deutlich weniger als zur Blütezeit der oft als „Heuschrecken“ verspotteten Investoren.

Private Equity leidet unter den Folgen der Finanzkrise

„Was die Kritiker von Private Equity beruhigen mag, ist für die Branche ein Hemmschuh. Banken vergeben kaum noch Kredite, mit denen Unternehmensübernahmen finanziert werden können“, erläutert Ulrich Wiehle, Leiter des Kapitalmarktpanels und Vorstand der Wiesbadener Cometis AG.

Strengere Eigenkapitalvorschriften zwingen die Banken zu vorsichtigerer Kreditvergabe. Das umstrittene „Leveraging“ wird so erschwert. Für Investoren ist es also kaum noch möglich, auf Pump zu kaufen und die Schulden dem übernommenen Unternehmen aufzubürden.

Entsprechend zurückhaltend schätzen die befragten Banker und Private-Equity-Manager (siehe Kasten) die weitere Marktentwicklung ein. Eine klare Mehrheit erwartet eine Stagnation auf dem aktuellen Niveau. Der Blick in die Zukunft ist wenig rosig: „Die klassische Akquisitionsfinanzierung wird für Investoren durch die regulatorischen Veränderungen bei den Banken nicht gerade befördert“, urteilt ein Private–Equity-Manager. Aufgrund der trüben Konjunkturaussichten versuchen die Banken mehr denn je, ihre bilanziellen Risiken zu minimieren.

2013 kaum Besserung für Private Equity-Gesellschaften in Sicht

Im kommenden Jahr dürften sich deshalb die Finanzierungsbedingungen für Beteiligungskapital kaum verbessern. Rund 40 % der Befragten rechnen im Gegenteil mit einer weiteren Verschlechterung. Nur etwa jeder siebte Panelteilnehmer sieht für 2013 einen Silberstreif am Finanzierungshorizont.

Potenzielle Zielunternehmen von Private Equity sieht das Panel vor allem im klassischen, industriellen Mittelstand. Die überwiegende Mehrheit der befragten Experten erwartet in diesem Sektor die meisten Transaktionen.

Als attraktiv werden außerdem die Softwareindustrie und die Pharmabranche eingestuft. Was spricht aus Sicht der Kapitalmarktexperten grundsätzlich für Private Equity? Was spricht dagegen? Auch danach haben wir in der aktuellen Panelrunde gefragt.

„Die Experten sind sich einig, dass der Einstieg einer Beteiligungsgesellschaft die Kapitalmarktreife des Unternehmens fördert“, fasst Panel-Leiter Wiehle das Ergebnis zusammen. Die regelmäßige Berichterstattung über Unternehmenskennzahlen, die Private Equity Gesellschaften erwarten, professionalisiere die Finanzabteilung.

Die meisten Panelteilnehmer erkennen aber auch noch einen weiteren Vorzug von Beteiligungskapital. Nach ihrer Ansicht hilft die Marktkenntnis der Investoren dabei, das Portfolio-Unternehmen strategisch noch besser auszurichten.

Börsengang von Unternehmen trotz Private Equity-Kapital

Doch nach Einschätzung des Panels gibt es auch Nachteile. Wenn ein Private Equity finanziertes Unternehmen an die Börse geht, sollten sich Aktienkäufer vor allem über eines im Klaren sein: Mit dem frischen Geld, das sie dem Unternehmen überlassen, finanzieren sie meist nicht künftiges Unternehmenswachstum, sondern den Ausstieg der Kapitalbeteiligungsgesellschaft.

Als Manko sehen die Befragten auch die Tatsache an, dass Portfoliofirmen von Beteiligungsgesellschaften meist deutlich höher verschuldet sind als traditionell finanzierte Unternehmen.

60 % der Investmentbanker monieren außerdem, dass sich Investoren bei der Vorbereitung des Börsengangs zu sehr einmischten. Der Zeitpunkt der Aktienemission werde stark von der Private Equity Gesellschaft beeinflusst.

Wiehle: „Für den Investor ist beim Ausstieg neben dem Preis auch das Timing entscheidend. Er will nicht nur eine angemessene Rendite auf das eingesetzte Kapital erzielen, sondern den Erlös nach Möglichkeit auch innerhalb des vorgesehenen Investitionszyklus einstreichen.“

 

Von Peter Schwarz

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