Start-up 12.11.2010, 19:50 Uhr

Gründerzeit im Mobilitätssektor

Elektromobilität gilt als Zukunftsmarkt. Konzerne der Auto- und Energiewirtschaft investieren Milliarden in den Systemwechsel von Öl zu Strom. Daneben sprießt es aus allen Nischen. Start-ups gehen mit neuartigen Fahrzeugkonzepten an den Start, bringen sich mit Ideen zur Ladeinfrastruktur in Stellung und verstehen sich als Zulieferer für die Antriebstechnik von morgen.

Schon seit zwei Jahren arbeiten Matthias Schmid und Stefan Klostermann an ihrem „Trive“. Viel ist über das Fahrzeugprojekt noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Bei Präsentationen geben sich die Gründer – und ihr Mobil – stets bedeckt. Fest steht: Ein elektrischer Stadtflitzer soll es werden. Leicht, drei Räder, zwei hintereinander angeordnete Sitze und Platz für Einkäufe. Und das ganze verpackt in edlem Design. Kurzum: Die beiden Münchener planen nicht mehr und nicht weniger, als eine neue Fahrzeugklasse irgendwo zwischen Smart und Roller zu etablieren.

Betriebswirtschaftlich sind beide fit. Klostermann arbeitete zuvor als Geschäftsentwickler beim Versandkonzern Otto. Schmid war Berater in einer Management- und Strategieberatung, wo er sich intensiv mit dem Zukunftsmarkt Elektromobilität befasste.

Für die Technik zeichnet kein Geringerer als Jörg Zander verantwortlich. Der war zuletzt technischer Direktor des Formel-1 Rennstalls Brawn GP und holte mit dem Team den Weltmeistertitel.

Das Trio macht ernst. „Wir haben den Markt genau analysiert und drei Erfolgsfaktoren ausgemacht“, so Schmid. Alltagstauglich, schön und erschwinglich – so müssten Stromer für den urbanen Individualverkehr sein. Natürlich erfülle der Trive diese drei Attribute…

„Wir streben einen Preis deutlich unter 10 000 € an“, so Klostermann. Um das trotz crashsicherem Monocoque-Chassis und Kohlefaserverkleidung zu schaffen, plane man in Größenordnungen von mehreren Tausend Fahrzeugen jährlich. Nach Crashtests und TÜV-Abnahme soll der elektrische Kabinenroller 2011 in Serie gehen.

Auch die Ende 2009 gegründete Third Element GmbH peilt ein neues Fahrzeugsegment an. Power Bike heißt die Mischung aus Mountainbike und Motorrad. Neben Muskelkraft bringt ein 1,2-kW-Elektroantrieb satte 150 Nm Drehmoment auf die Straße – und macht das Bike zum 70 km/h schnellen, lautlosen Renner.

Verbindendes Glied zwischen den Unternehmen Trive und Third Element ist die Clean Mobile AG. Sie stattet beide Start-ups mit kompletten Antriebssträngen aus – und ist selbst erst im vierten Jahr. Angeschoben vom Hightech-Gründerfonds (HTGF), hat das hochkarätig besetzte Managementteam im Frühjahr ein Investorenkonsortium hinter sich geschart. Mit an Bord sind die Frühphasenfinanzierer von Earlybird und der Silicon Valley Technology Group. Insgesamt flossen bisher 6,6 Mio. €. Damit wollen die Münchener expandieren. Ihre Antriebsstränge mit selbst entwickelten Brennstoffzellen, Elektromotoren und Lithium-Ionen-Akkus sollen in vielen Leichtfahrzeug-Klassen Verwendung finden.

Es gibt sogar Start-ups, die im Revier der etablierten Fahrzeughersteller wildern wollen. Sie entwickeln klassische Kleinwagen – zumindest in Bezug auf die Außenmaße. Innen ist natürlich vieles anders. Z. B. bei Mia-Electric: Das Essener Unternehmen, gegründet von Pharmaunternehmer Edwin Kohl und den Energieexperten der Conenergy AG, zaubert pfiffige elektrische Stadtmobile im Design des ehemaligen VW-Chefdesigners Murat Günak aus dem Hut. Kostenpunkt: knapp 20 000 €. Oder das Unternehmen e.Wolf: Die Kölner bringen gleich eine ganze Flotte von Stromern auf den Markt – darunter ein Kleinwagen mit Lithium-Keramik-Batterie für 36 900 €.

Ob sich die E-Fahrzeuge angesichts solcher Preise durchsetzen können, ist fraglich. Zumal sie bei Raumangebot und Komfort hinter herkömmlichen Kleinwagen zurückbleiben.

Sind die ehrgeizigen Jungunternehmer also nur Träumer? Eher nicht. Sie haben sichere Positionen in Konzernen wie BMW, Bosch oder Microsoft hinter sich gelassen. Entsprechend professionell klingt es, was die Trive-Köpfe Klostermann und Schmid planen. Ein Netz von Herstellern für die Karosserie und Komponenten stehe bereits. Werkzeuge wollen die Gründer selbst anschaffen. Maschinen nicht. Zulieferer sollen die benötigten Teile mit den Werkzeugen des Start-ups in ihren Maschinen fertigen. Trive beschränkt sich auf Montage, Qualitätssicherung, Vertrieb und die Finanzierung. „Gerade haben wir einen Investor gefunden, der die Serienfertigung mit uns angehen möchte“, freuen sich die Münchener.

Flexible Strukturen, belastbare Netzwerke und kurze Entscheidungswege sind das Pfund, mit dem die Start-ups wuchern können. „Wettbewerb aus der Autoindustrie sehen wir nicht“, sagt Klostermann selbstbewusst. Denn deren Elektrofahrzeugstudien orientierten sich noch stark am klassischen Pkw. Flinke Stadtflitzer für unter 10 000 €, so glaubt er, seien für die Autokonzerne derzeit keine Option.

Das Verhältnis zwischen gründendem David und fest etabliertem Goliath beschäftigt viele Start-ups in der Elektromobilität. Manche, wie die Batterieschmiede DBM Energy, beklagen sich lauthals über ihre Missachtung von Seiten der Konzerne. Diese dürfte im Fall der Berliner allerdings undurchsichtiger Öffentlichkeitsarbeit geschuldet sein. Denn technische Details zu ihren angeblichen Wunderakkus, die jüngst mit einer 600 km Rekordfahrt von München nach Berlin Schlagzeilen machten, rückte das Start-up bisher nicht heraus. Die Folge: In Webforen wird gemutmaßt, es handle sich um chinesische Billigware.

Andere Gründer schlagen leisere Töne an. Etwa Christian Kahl, der 2009 mit Unternehmern aus seinem Bekanntenkreis die Plug´n Charge KG gründete. „Wir sind ein Zusammenschluss von Experten aus Mobilfunk, Elektroanlagenbau, IT und Projektmanagement“, erklärt er. Ihr gemeinsames Ziel sind stromanbieterunabhängige Ladestationen. Bisher finanzieren sie den Entwicklungsaufwand selbst – obwohl auch die Stromkonzerne an Infrastrukturlösungen und Abrechnungssystemen arbeiten. Doch die Kleinunternehmer sehen gute Chancen. „Angesichts der Masse an Ladestationen, die es selbst in konservativen Szenarien geben muss, wird das auf absehbare Zeit eher kein Verdrängungswettbewerb“, so Kahl.

Die Rechnung scheint aufzugehen. Als es darum ging, die acht deutschen E-Mobility-Modellregionen mit Ladesäulen zu bestücken, bekam Plug´n Charge den Zuschlag in Sachsen. Auf diesem Erfolg will das junge Unternehmen mit Bündnissen und flexibler Technik aufbauen. „Wir befassen uns mit Gleich- und Wechselstrom und arbeiten sowohl an kabelgebundenen als auch an induktiven Ladeverfahren“, erklärt Kahl. Und weil die Autofahrer vor allem freier Zugang interessiere, könne sich der vernetzte und stromanbieterneutrale Ansatz der Kleinen gegenüber markengebundenen Ladestationen der Konzerne als Vorteil erweisen.

Dazu baue man gerade ein herstellerübergreifend einheitliches Authentifizierungssystem mit RFID-Cards auf. Allerdings gebe es bisher ohnehin ein Miteinander der Davids und Goliaths. „Wir arbeiten in Gremien gut zusammen“, sagt er. Auch die überlegene Finanzkraft der Großen macht ihm wenig Sorge. Denn als Frühstarter habe Plug´n Charge die Möglichkeit, mit der Fahrzeugflotte zu wachsen. Organisch.

PETER TRECHOW

Stellenangebote im Bereich Verwaltung

Stadt Freiburg-Firmenlogo
Stadt Freiburg Sachgebietsleiter _in (m/w/d) Neubau in der Abteilung Verkehrswegebau Freiburg im Breisgau
Stadt Bocholt-Firmenlogo
Stadt Bocholt Diplom-Ingenieur/-in bzw. Bachelor / Master der Fachrichtung Vermessung, Geoinformation (m/w/d) Bocholt
FICHTNER GmbH & Co. KG-Firmenlogo
FICHTNER GmbH & Co. KG Terminplaner / Project Scheduler (m/w/d) Stuttgart
Hamburger Hochbahn AG-Firmenlogo
Hamburger Hochbahn AG Ingenieur/in als Leitung Arbeitswirtschaft und Controlling (m/w/d) Hamburg
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences-Firmenlogo
Hochschule Düsseldorf University of Applied Sciences Vizepräsident (m/w/d) für den Bereich Wirtschafts- und Personalverwaltung Düsseldorf
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Amtlich anerkannter Sachverständiger (m/w/d) für den Kraftfahrzeugverkehr mit Teilbefugnissen (aaSmT) bundesweit
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Schießstandsachverständiger der Bundespolizei (m/w/d) verschiedene Einsatzorte
Bundespolizei-Firmenlogo
Bundespolizei Diplomingenieure (m/w/d) zur Verwendung als Sachbearbeiter im polizeitechnischen Bereich bundesweit
Wolf GmbH-Firmenlogo
Wolf GmbH Manager (m/w/d) Normungs- und Verbändearbeit – Grossraum Berlin Großraum Berlin
Staatliches Bauamt Freising-Firmenlogo
Staatliches Bauamt Freising Ingenieure (m/w/d) (FH / Bachelor of Engineering / Dipl.-Ing.) der Fachrichtung Straßenbau / Straßenplanung / Umweltingenieurwesen München-Schwabing

Alle Verwaltung Jobs

Top 5 Gründung

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.