Start-up 19.11.2010, 19:50 Uhr

Gründen in den besten Jahren

Durchstarten, wenn andere schon längst an die Rente denken? In Zeiten des demographischen Wandels erwägen immer mehr ältere Menschen eine Existenzgründung. Erfolgreiche Jungunternehmer können heute über 50 Jahre alt sein – drei Beispiele.

Anke Fabian hat ihrem Leben 2005 eine Wende gegeben. Im Alter von 50 Jahren hat sie sich als Mediaberaterin in Düsseldorf selbstständig gemacht. Sie kehrte ihrem Arbeitgeber, der Frankfurter Agentur Universal McCann, den Rücken: „Ich hatte so viele Ideen für andere entwickelt, nun wollte ich sehen, ob das auch für mich trägt.“

Im Rahmen von Großaufträgen arbeitet sie heute vor Ort in den Unternehmen ihrer Kunden. Zusätzlich doziert die Powerfrau an der Universität Essen und moderiert den „Managerinnen-Talk“, ein erfolgreiches Wirtschaftsgesprächsformat. Sie ist erfolgreich, trotz später Gründung: „Man kann mit gutem Gewissen in jedem Alter gründen. Es ist von Vorteil älter zu sein, denn dann weiß man, was man gerne macht und was nicht.“ Für Fabian stand von Anfang an fest, es wird keine Angestellten geben, auch auf Fremdkapital konnte sie bei der Gründung verzichten. Anderen Gründern empfiehlt sie, sich im Team zusammen zu tun. „Frauen gründen oft allein. Dabei ist es sinnvoll, eigene Stärken zu ergänzen.“

Lebenserfahrung gepaart mit einer zielgerichteten Vorgehensweise – das ist, was die alten „Jungunternehmer“ auszeichnet. Das unterscheidet sie auch von den klassischen Gründern, die im Alter von 25 bis 44 beginnen. Diese bislang gründungsstärkste Gruppe wird künftig schrumpfen. Der demographische Wandel bringt Chancen mit sich, die die Älteren zunehmend ergreifen. „Das Thema gewinnt an Relevanz. Ältere Gründer werden mehr“, stellt Anne Nitschke vom RKW Kompetenzzentrum fest.

Ein Blick in den KfW-Gründungsmonitor 2010 belegt allerdings, dass dieser Wandel noch Zeit braucht: Die 55- bis 64-Jährigen stellen zwar 19 % der Gesamtbevölkerung, repräsentieren aber nur 12 % der Gründer.

Schon ganz anders sieht das in den USA aus. Die Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen ist dort schon prozentual gesehen diejenige, aus der die meisten Gründer kommen. Das jedenfalls behauptet eine Studie der Kauffman Foundation. Ein ähnliches Bild gibt es in Österreich: Laut nationalem Entrepreneurship Monitor ist die Gruppe der 45- bis 54-Jährigen die mit Abstand gründungsaktivste. 2007 stellte sie 35% aller Gründer. Zum Vergleich: In Deutschland stammten nur 15,2 % aller Jungunternehmer aus dieser Gruppe.

Fit genug für das Abenteuer Selbstständigkeit sind viele. „Arbeiten ist ja nicht gesundheitsschädlich“, erklärt Hans Schick. Vor zehn Jahren gründete der heute 73-Jährige gemeinsam mit Christine Wedler die ASCA GmbH – Angewandte Synthesechemie Adlershof. Der habilitierte Chemiker und die promovierte Fachkollegin unterstützen heute von Berlin aus viele Pharmaunternehmen bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe.

Vorausgegangen waren Jahre voller Unsicherheit. Die Wiedervereinigung brachte auch die Umgestaltung der Forschungslandschaft mit sich. Schick hatte an der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin das Zentralinstitut für Organische Chemie geleitet. 1997 war für seine Abteilung endgültig Schluss. Damals war Wedler 47 Jahre alt und stand gemeinsam mit ihrem heutigen Kompagnon und 70 weiteren Mitarbeitern vor dem Aus. Sie gehörten zu den Aussortierten, für die es im neuen Deutschland keine Verwendung gab.

Damit wollten sich die Wissenschaftler nicht abfinden. Zunächst organisierten sie Fördergelder für ein Modellprojekt. Als diese im Jahr 2000 aufgebraucht waren, gründeten sie die eigene Firma, um ihre Arbeitsplätze zu retten.

„Die Firmengründung war kein Tag des Triumphes. Uns war einfach nur mulmig zumute“, erinnert sich Wedler. Aber alles lief bestens: 30 Mitarbeiter gratulierten unlängst zum zehnjährigen Jubiläum. Darunter viele, die damals mit den Gründern vor dem beruflichen Nichts standen.

„Der Umgang mit Menschen ist uns sehr wichtig“, erklären die Firmeninhaber, die ihr Sparbuch für die Bildung der GmbH nahmen. Sie starteten ohne Fremdkapital, dafür mit niedrigen Gehältern und den alten Laboreinrichtungen. Jetzt schätzen sie ihre Freiheit und die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen: „Ich bin heute gerne Unternehmerin“, sagt Wedler, die 2006 als „Berliner Unternehmerin des Jahres“ ausgezeichnet wurde. Sie denkt wie ihr Mitstreiter nicht ans Aufhören. „Der Erfolg gibt uns schließlich recht“, so Schick.

Erfolg hat heute auch Christoph Makowski aus Kamen. 2005 wird der gelernte Elektrotechniker arbeitslos. Fünf Jahre später ist sein Stress deutlich positiver: Sein eigenes Unternehmen, die Emiter GmbH, ist nach Kamen umgezogen. Er braucht mehr Platz für seine mittlerweile 20 Mitarbeiter, das Lager und die Hallen.

Nach seiner Kündigung hatte Makowski seine Ersparnisse und die Abfindung investiert, um mit ehemaligen Arbeitskollegen Schalt- und Verteilerkästen für Energieversorgungsunternehmen, Stadtwerke und die Telekommunikationsindustrie zu produzieren. Das hatte er auch schon bei seinem früheren Arbeitgeber gemacht. Sein Engagement ist preisgekrönt. 2008 erhielt er den silbernen Gründerpreis der Wirtschaftsförderer aus Unna. Jetzt hat der 57-Jährige noch viel vor: „Ich möchte mehr Arbeitsplätze schaffen. Wir wollen neue Geschäftsgebiete erobern. Geplant ist, komplette Photovoltaikanlagen anzubieten.“ S. MEIER/sta

Von S. Meier/Stefan Asche
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