Gründungsfinanzierung 01.08.2008, 19:36 Uhr

Groß kauft klein – Konzerne auf Know-how-Jagd  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 1. 8. 08, mav – Im ersten Internet-Boom zur Jahrtausendwende gründeten viele Konzerne eigene Beteiligungsgesellschaften, über die sie sich direkt bei jungen Technologieunternehmen einkauften. Der Untergang der New Economy jedoch läutete in vielen Vorstandsetagen das Ende des Abenteuers Corporate Venture Capital (CVC) ein. Nun kommen die Firmenjäger im Auftrag des Vorstandes zurück. Der Energiesektor gilt als Lieblingsbranche der Investoren.

Einer der Riesen, die neuerdings wieder auf der Ökowelle reiten, ist der Energiekonzern RWE. 2005 hatten die Essener ihr CVC-Geschäft verkauft. Jetzt wagen sie den Wiedereinstieg und wollen jedes Jahr 50 Mio € in junge europäische Technologiefirmen investieren. Besonders gefragt sind Konzepte aus den Feldern „CO2-freie, zentrale und dezentrale Energieversorgung“ sowie „effiziente Energiespeicherung“.

Erstes Investment ist das niederländische Start-up Topell, das sich mit der Herstellung von Biokohle-Pellets befasst. Weitere sollen folgen. Das Geld fließt über die RWE Innogy , die alle Aktivitäten des Konzerns im Bereich erneuerbare Energien bündelt. In der Regel beteiligt sich RWE Innogy mit Summen zwischen 1 Mio. € und 10 Mio. €.

Neben Geld bietet der Konzern seinen Schützlingen Unterstützung, etwa in Fragen des Projektcontrollings oder bei der Beantragung öffentlicher Gelder. Auch sollen die Beteiligungen vom Energie-Knowhow des Konzerns profitieren. Im Gegenzug verlangt der Kapitalgeber einen Anteil zwischen 20 % und 30 % am Unternehmen. Der Anlagehorizont beträgt bis zu zehn Jahre.

Von RWE abgesehen halten sich die etablierten Stromriesen beim Thema CVC jedoch zurück. „Das ist für uns derzeit nicht interessant“, heißt es etwa bei EnBW in Stuttgart. Auch Vattenfall und Eon verfolgen nach eigenen Angaben derzeit keine Wagniskapitalaktivitäten.

Stärker engagieren sich Anlagen- und Kraftwerksbauer. So hat etwa Siemens in den vergangenen Jahren in mehr als 100 Start-ups aus den verschiedensten Branchen investiert. Derzeit sind die Münchener weltweit in acht Firmen aus dem Bereich „Energy and Enviromental Care“ mit an Bord. Bosch gründete vergangenes Jahr einen eigenen Corporate Venture-Arm und stattete ihn mit 200 Mio. € aus.

Um Zugriff auf Start-ups und deren Innovationen zu erhalten, gehen einige Konzerne einen Umweg: Sie stecken ihr Geld in konzernfremde VC-Fonds. Manchmal ersetzt dieses Vorgehen den eigenen CVC-Arm, manchmal ergänzt es ihn. Die zuletzt genannte Strategie verfolgt der Chemiekonzern BASF, der u. a. ein Auge auf Entwicklungen in der Solarenergie und Brennstoffzellentechnologie geworfen hat. Den Ludwigshafenern stehen insgesamt 100 Mio. € zur Verfügung, die sie auf direkte und indirekte Investments verteilen.

Wichtiges Motiv für die Fondsstrategie ist das Sammeln von Informationen. „Das ist Marktbeobachtung“, sagt Götz Hoyer von der Beratungsgesellschaft Fleischhauer, Hoyer & Partner. „Oft wissen Konzerne nicht, was außerhalb ihrer Labors geschieht. Besonders in die Start-ups-Szene haben sie wenig Einblick.“ Engagements bei VC-Fonds öffnen ihnen Türen. So sitzen Vertreter der Investoren in Beiräten der Fonds. Manchmal werden sie auch bei der Due Diligence hinzugezogen, der Buchprüfung im Vorfeld eines Investments. Als spätere Käufer des Portfoliounternehmens sind die Fonds-Finanziers ebenfalls gern gesehen.

Hinzu kommt: CVCs können meist nur einen begrenzten geographischen Raum abdecken, etwa Europa. Beispiel BASF: Über seinen CVC-Arm investierte der Konzern Anfang 2008 in den japanischen Wagniskapitalfonds Fintech GIMV L.P. Dieser beteiligt sich u. a. an Start-ups, die sich mit alternativen Wegen der Energiegewinnung und -speicherung befassen. “ Mit Hilfe unserer Beteiligung an FGF erhalten wir einen erstklassigen Überblick über die Technologiefelder Japans, die sich in einem frühen Stadium befinden“, begründet Knut Eickler, „FGF überzeugt darüber hinaus durch sein erfahrenes Management.“, sagt Knut Eichler, Investment Manager der BASF East Asia das Engagement. SILKE LINNEWEBER

 

Von Silke Linneweber

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