Unternehmensfinanzierung 03.06.2005, 18:38 Uhr

Grohe: sinnvolle Sanierung oder Ausbluten?  

VDI nachrichten, Dortmund, 3. 6. 05 – Im Sommer 2004 haben die US-Investoren Texas Pacific Group (TPG) und CSFB Private Equity den Armaturenhersteller Grohe aus Hemer/Westfalen für mindestens 1,5 Mrd. € übernommen. Jetzt stehen 1500 von 4500 Arbeitsplätzen im Inland auf der Kippe. Für die IG Metall wird das Unternehmen zum Opfer überzogener Renditeerwartungen. Jetzt will die IG Metall mit einem Gutachten nachweisen, dass Grohe auch im Inland profitabel sein kann.

Die neuen Eigentümer der Firma Grohe wollen das Unternehmen an den Standorten in Deutschland ausbluten lassen¿, sagt Bernd Schildknecht, als IG-Metall-Bevollmächtigter in Lüdenscheid für Grohe zuständig. „Es droht die Vernichtung Gewinn bringender Arbeitsplätze mit dem Ziel noch höherer Renditemargen.¿ Insgesamt sind nach Grohe-Angaben 1500 der 4500 inländischen Stellen „akut gefährdet“. Die Gewerkschaft befürchtet, dass 3000 Arbeitsplätze wegfallen könnten.

Das „Aus“ von 300 Arbeitsplätzen im Grohe-Werk im brandenburgischen Herzberg ist seit Montag bereits beschlossene Sache. Das Unternehmen wird den Standort komplett schließen, hat den Mitarbeitern gekündigt und wird die dort gefertigten Teile extern zukaufen.

Während das ostdeutsche Werk nicht zu retten war – die Gutachten des Unternehmens, aber auch ein Gutachten der IG Metall kamen unisono zu diesem Ergebnis – sind die weiteren Rationalisierungspläne heftig umstritten. Alarmiert hat die Grohe-Belegschaft vor allem ein McKinsey-Gutachten, das – so die Gewerkschaft – letztlich das „Aus¿ der gesamten Armaturenherstellung von Grohe in Deutschland empfiehlt: Die Produktion soll komplett nach China verlagert werden, wo Grohe bereits in Schanghai vertreten ist. In Fernost würden dann Grohe-Markenprodukte in minderer Qualität produziert und weltweit zu den heutigen Preisen verkauft, so die IG Metall. „Die halten dann drei statt 30 Jahre¿, so heißt es aus der Gewerkschaft, „doch bis die Kunden das gemerkt haben, haben die Grohe-Eigner längst Kasse gemacht und sind weitergezogen.¿

Nach IG-Metall-Informationen planen die US-Investoren auch einen Umzug von Teilen der Grohe-Verwaltung – es soll sich um 600 Männer und Frauen handeln – in die Nähe eines Flughafens – nach Düsseldorf, Frankfurt/Main, Stuttgart oder München: Die US-Investoren könnten so schneller zu ihrem Unternehmen in Deutschland einpendeln und müssten nicht ins westfälische Hemer fahren.

Das Unternehmen weist diese Vorwürfe zurück. Es bestreitet zwar nicht, im Jahr vor der Übernahme eine Kapitalrendite von 20 % ausgewiesen zu haben. Doch inzwischen sei die Ertragslage unter Druck, auch weil Grohe einen Teil der 1,5 Mrd. €, mit denen das Unternehmen gekauft wurde, finanzieren muss. Die geplanten Umstrukturierungsmaßnahmen seien notwendig, um Grohe im internationalen Wettbewerbsumfeld zukunftssicher zu positionieren. Dazu gehöre auch die Verlagerung von Teilen der Produktion in Niedriglohnländer und der Abbau von 1500 der 4500 inländischen Arbeitsplätze – oder auch von noch mehr Stellen, wenn Gewerkschaft und Belegschaft den Sparkurs des Unternehmens blockieren würden. „Vorschläge, die darauf abzielen, die Internationalisierung von Grohe zu unterbinden, würden in Deutschland zu einem Arbeitsplatzabbau in der von der IG Metall genannten Größe (Red.: 3000 Stellen) führen¿, erklärte Grohe-Sprecher Klaus Hillebrand. Dies wird von der Gewerkschaft als Drohung empfunden. Gleichwohl erklärte der Firmensprecher, Grohe sei nicht „Opfer von Finanzhaien¿.

Mit einem eigenen Gutachten, das die IG Metall in dieser Woche der Grohe-Geschäftsführung vorgelegt hat, will die Gewerkschaft die profitable Zukunft von Grohe in Deutschland nachweisen. Das Gutachten, so ein IG-Metall-Sprecher, sei so eindeutig ausgefallen, dass die US-Investoren zumindest argumentativ in Nöte kämen, wenn sie die deutsche Produktion beenden wollten.

MARTIN ROTHENBERG

www.grohe.com

www.rettet-grohe.de

Die IG Metall befürchtet den Verlust von 3000 der insgesamt 4500 Arbeitsplätze

 

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