Start-up-Porträts 27.04.2012, 11:57 Uhr

Gregor Ilg: Vom Handball zur Neutron Games GmbH

Gregor Ilg spielt seit 20 Jahren Handball. Nach einem Kreuzbandriss wollte er seinem Hobby zumindest auf dem Computer frönen. Doch er fand keine Angebote. Mit gewiefter Taktik, Kondition und Teamgeist hat er die Marktlücke mit der neu gegründeten Neutron Games GmbH geschlossen.

Am 28. Oktober 2011 machte das 15-köpfige Team der Berliner Neutron-Games einen Betriebsausflug zum nahen Elektronikfachmarkt. In der Spieleabteilung stand es: „IHF Handball-Challenge 12“. Ihr Spiel.

„Das war ein spezielles Gefühl“, erinnern sich die Firmengründer Gregor Ilg und Björn Kaminski. Sieben Jahre nach der Uridee hatten sie ihr Produkt im Einkaufskorb. Jahre, in denen sie Idole wie Welthandballer Filip Jicha oder Nikola Karabatic als Botschafter für ihre „Handball-Challenge“ gewannen und Kooperationen mit Handball-Bundesliga und Welthandballverband einfädelten. Ihr Ziel war es, die Namen der echten Teams und Stars nutzen zu dürfen – und ihr Spiel zu promoten.

Die Gründung der Neutron Games beginnt mit einem Kreuzbandriss

Angefangen hatte alles mit einem Kreuzbandriss. Der begeisterte Handballer Ilg war zu einer Pause gezwungen. Wenn er nicht gerade studierte, trieb er zumindest am Computer Sport – meist Fußball und Basketball. „Handball-Games suchte ich vergeblich“, berichtet er.

Das wunderte ihn. Er begann zu recherchieren, diskutierte in Foren mit Gamern, fragte bei Spieleherstellern nach, kontaktierte den Verband der Computerspielindustrie („Game“) und wandte sich an Vertreter der Handballbundesliga oder des Portals Handball-world.com.

Er wollte die Entwicklung eines Spiels anstoßen. Es selbst zu entwickeln schien ihm da noch utopisch. Zwar arbeitete Ilg nebenher im Bereich Grafik und Videoproduktion. Ein Computerspiel schien ihm aber doch einige Nummern zu groß. Einerseits. „Andererseits rannte ich bei der Recherche offene Türen ein“, berichtet er. Die WM in Deutschland stand vor der Tür. Handballverband und -bundesliga suchten Kanäle zu jüngeren Zielgruppen. Und unter seinen Video-Kunden war der Bundesligaclub Füchse Berlin, dessen Verantwortliche ihm ebenfalls Unterstützung signalisierten.

Ilg: Alle wollten ein Handball-Game, aber keiner wollte es realisieren

In Ilg gärte es. Alle wollten ein Spiel. Aber keiner wollte es realisieren. Mit „Game“-Experten beriet er, wie er so eine Entwicklung anfangen müsse. Ihr Rat: Wichtig sei ein Prototyp. Also stöberte Ilg in Foren zwei Handball-affine IT-Cracks auf – und las sich selbst ins Game-Design ein. Nebenher sammelte er in Spielen anderer Sportarten Anregungen zum Dribbeln, Werfen, Halten und Foulen sowie zu Taktik-Optionen.

„Etwa zu dieser Zeit sah ich in der Uni ein Plakat der FU-Gründerförderung Profund und des Exist-Programms“, berichtet Ilg. Er ging kurzerhand hin, erklärte seine Idee und ließ sich beraten. Weil seine beiden IT-Partner durchs Exist-Raster fielen – der eine stand am Anfang seines Studiums, der andere war Mitte 50 – suchte er förderwürdige Partner. Sein Kommilitone Kaminski war sofort Feuer und Flamme. Zusammen erarbeiteten sie einen Förderantrag mit grobem Businessplan. Und plötzlich waren sie Gründer.

Das Duo rekrutierte Programmierer und Praktikanten an Berliner Unis. Auch die beiden IT-Partner blieben in ihrer Freizeit am Ball. Zusammen trieben sie den Prototypen voran und streckten die Fühler nach Kapital aus. Eine Option war es, den Prototyp an einen Publisher zu verkaufen. Ilg und Kaminski beteiligten sich aber auch am Businessplan-Wettbewerb Berlin Brandenburg, um eine eigene Firma zu konzipieren. Ihr Geschäftsplan landete auf Platz drei. Davon bestärkt traten sie beim „Serious Games Wettbewerb Berlin 2009“ an, den das Projekt Zukunft des Berliner Senats und die Investitionsbank Berlin (IBB) organisierten. Sie gewannen den ersten Preis – und eine Finanzierung der IBB mit einem privaten Co-Investor. Mitte 2009 ging ihre GmbH offiziell an den Start.

Seither haben die Gründer taktische Finesse bewiesen. Sie erwarben die Lizenzrechte für eine hochwertige Game-Engine, mit der sie ihr Spiel im Scrum-Verfahren schrittweise vorantrieben. „In der agilen Software-entwicklung legen wir jeweils in Kurz-Workshops ein Ziel für die nächsten drei Wochen fest, an dem dann das gesamte Team ungeachtet der jeweiligen Spezialisierungen arbeitet“, so Ilg. Am Ende wird die Umsetzung gemeinsam geprüft. Dieses Vorgehen erlaubt zügiges Gegensteuern, wenn ein Plan hinkt. „Es nimmt allerdings anfangs viel Zeit in Anspruch und stieß zuerst auf Widerstände“, erklärt er. So hätten die Experten für künstliche Intelligenz nicht eingesehen, drei Wochen lang nur zu programmieren. Und nicht nur sie waren wenig begeistert, jenseits ihrer Spezialdisziplin eingesetzt zu werden. Doch mit der Zeit erkannte das Team die Vorteile des ständigen Perspektivenwechsels: Man lernt voneinander.

Fertige Features – etwa Siebenmeter-Duelle zwischen Werfer und Torwart – geben die Gründer als Mini-Games kostenlos an ihre stetig wachsende Web-Community ab. „So erhielten wir sofort Feedback“, sagt Kaminski. Zugleich hielten sie die Gamer bei der Stange. Auch nach Verkaufsstart der ab 25 € erhältlichen Vollversion gingen seitenweise Ideen und Kritik ein. „Viele Nutzer schrieben uns, welche Features und Verbesserungen sie sich für die nächste Version wünschen“, berichtet er. Und das sei ja quasi ein Kaufversprechen.

„IHF Handball-Challenge“ von Neutron Games auch in Skandinavien und Frankreich zu haben

Auf ihrem Gründungsweg gerieten die Berliner mehrfach in Rückstand. Sie erreichten mit den Investoren vereinbarte Meilensteine nicht oder führten intern Debatten über das Scrum-Projektmanagement. Doch sie haben alle Rückstände stets aufgeholt. Die nötige Kraft zogen sie aus der Resonanz der Handball- und Gamer-Community. Gerade Handballvereine schätzen, dass junge Spieler nun spielerisch verschiedene Formationen, Abwehr- und Angriffstaktiken erlernen. Mittlerweile wird die „IHF Handball-Challenge“ in Frankreich, Skandinavien und im deutschsprachigen Raum verkauft. Die Folgeversion ist bereits in der Mache. Vor seinem nächsten Bänderriss ist Ilg nicht bang – diesmal wird er einfach weiter Handball spielen.   

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