Gründer 11.06.2010, 19:47 Uhr

Gipsköpfe für Gründerpreis nominiert

Was haben ein Trainingssystem für Chirurgen, eine Dunstabzugshaube und eine Telematik-Lösung für den Außendienst gemeinsam? Sie sind neu und überdurchschnittlich erfolgreich am Markt. Deshalb sind sie nominiert für den Deutschen Gründerpreis in der Kategorie Start-up.

„Alle Nominierten haben gezeigt, dass Innovationen mit echtem Nutzwert auch in der Wirtschaftskrise erfolgreich sein können“, so Nadine Helterhoff, Projektleiterin vom Deutschen Gründerpreis in Berlin.

Bestes Beispiel sind die chirurgischen Trainingssysteme der Ingenieure Ronny Grunert und Hendrik Möckel: Die Gründer der Leipziger Phacon GmbH entwickelten eine Art künstlichen Schädel, an dem HNO-Chirurgen komplizierte Operationen trainieren können. Sie werden mit handelsüblichen 3-D-Druckern aus Spezialgips gefertigt und mit elektronischen Sensoren versehen. Der Schädel wird an einen mitgelieferten Laptop angeschlossen und kann vom Chirurgen mit den gängigen chirurgischen Instrumenten bearbeitet werden. Im Angebot sind neben Standardmodule auch Unikate, die auf Computertomographie-Daten des jeweiligen Patienten basieren.

„Würden bei einer realen Operation Risikostrukturen verletzt, warnt das System mit einem akustischen Signal“, erklärt Grunert. „Bei besonders schwierigen Eingriffen kann man es sogar ohne hygienische Probleme direkt im OP einsetzen.“

Das ist eine echte Alternative zu den bislang üblichen Trainings an präparierten Leichen, die meist nicht die für bestimmte Erkrankungen typischen Knochenveränderungen aufweisen oder zu Computersimulationen, bei denen man kein Gefühl für die Instrumente bekommt. Inzwischen nutzen schon über 100 Kliniken weltweit das zum Patent angemeldete chirurgische Trainingssystem. Auch ökonomisch sind die Produkte attraktiv: Bearbeitete Standardnasen- oder Ohrenmodule können für rund 70 € preiswert ausgetauscht werden. Präparierte Leichen dagegen kosten bis zu 500 € und sind zudem, speziell in den muslimischen Ländern, mit religiösen Vorbehalten belegt.

Nominiert wurde auch die Bora GmbH aus dem Bayerischen Raubling für eine zum Patent angemeldete Dunstabzugshaube, die zwischen den Töpfen direkt in das Kochfeld integriert ist. „Dampf steigt mit etwa 1 m pro Sekunde nach oben“, erklärt Gründer Willi Bruckbauer. „Wir saugen ihn mit 4 m pro Sekunde nach unten ab. Außerdem arbeiten wir im Gegensatz zu den Systemen der Wettbewerber mit einer laminaren und deshalb besonders kraftvollen Umlenkung des Luftstroms. Deshalb kann nichts mehr nach oben hochsteigen oder verwirbeln.“ Da nur maximal 400 m³ Luft statt der sonst üblichen 800 m³ bis 1 000 m³ Luft pro Stunde abgesaugt werden müssen, benötigt man kleinere und damit günstigere Motoren. „Außerdem ist das System sehr leise, weil der Motor extern installiert ist.“ Das Ganze sieht auch besser aus, als die gängigen klobigen Wand- oder Insel-Abzugshauben, die Bruckbauer, Betreiber eines exklusiven Küchenstudios, schon immer ein Dorn im Auge waren. Praktisch, ästhetisch, effizient – schon 2 000 anspruchsvollen Hobbyköche nutzen die rund 2 500 € teuren Bora-Kochfeld-Abzüge.

Mittelständler mit Außendienst sind die Kunden des dritten Start-up-Nominierten, des Potsdamer Telematikanbieters Antlogic GmbH. „Wir unterstützen Firmen dabei, ihre mobilen Einheiten effizient zu steuern“, sagt Geschäftsführer Bernd Stiebe. Die Antlogic-Systeme ermöglichen den Austausch komplexer Daten zwischen Zentrale und Außendienst: Aktuelle Standorte und Verfügbarkeit der Außendienstmitarbeiter, Lenk- und Ruhezeiten, Benzinverbrauch, Kühltemperaturen von Kühlfahrzeugen und vieles mehr sind in Echtzeit abrufbar. Neue Aufträge oder Tourenänderungen können per Mausklick in die Fahrzeuge weitergeleitet werden. „Der Markt ist sehr fragmentiert, es gibt eine Vielzahl von Anwendungen“, so Stiebe. „Wir dagegen arbeiten eher wie ein Systemhaus und bieten jedem Kunden eine maßgeschneiderte Gesamtlösung für seine individuelle Aufgabenstellung.“ Die bislang rund 250 Kunden können ihre Mitarbeiter so erheblich effizienter einsetzen, dazu kommen um bis zu 15 % geringere Betriebskosten der Fahrzeuge. Zudem können sämtliche Daten mit der bestehenden Kunden-Software, etwa zur Auftragsbearbeitung oder zur Lohnabrechnung, weiterverarbeitet werden.

Neben den Top-3 in der Kategorie Start-up wurden auch in der Kategorie Aufsteiger drei herausragende Unternehmen nominiert: Der Ingenieur Daniel Gollmann von der Gollmann Kommissioniersysteme GmbH in Halle überzeugte mit seinem zum Patent angemeldeten Lagerautomaten, der ähnlich wie ein Bibliotheksrollschrank konstruiert ist. Wer Produkte einsortiert oder entnimmt, muss also nicht mehr durch die Regale rennen – die Regale kommen zu ihm. Damit reduziert sich der tägliche Zeitaufwand für das Einsortieren der durchschnittlich 250 neu angelieferten Medikamente pro Apotheke und Tag von vielen Stunden auf angeblich 15 Minuten.

Außerdem wurde der erst 27-jährige René Marius Müller, Gründer der Internetstores AG (u.a. fahrrad.de, fitness.de) nominiert. Er hat in wenigen Jahren einen Mini-Web-Shop zu einem E-Commerce-Unternehmen mit fast 25 Mio. € Umsatz pro Jahr entwickelt.

Dritte im Bunde ist die Berliner Brillenmanufaktur Mykita, deren patentiertes Brillenscharnier ohne Schrauben auskommt.

Welches Konzept am Ende das Rennen macht, wird auf der Preisverleihung am 14. September bekannt gegeben. SILKE BECKER

www.deutscher-gruenderpreis.de

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