Gründer 18.12.2009, 19:44 Uhr

Geschäftsideen für eine bessere Welt  

Beim Wettbewerb ImpACT3 sind 24 Teams aus neun europäischen Hochschulen angetreten, um die Welt zu verbessern. Zu den drei Top-Projekten zählt „Alga-Energie“: Vier Studenten von der Jacobs University in Bremen wollen Algen als CO2-Fresser und Enegielieferanten nutzen – im ganz großen Stil. Andere Teilnehmer wollen Gefängnis-Insassen resozialisieren oder lassen Fahrradfahrer in Fitness-Studios Strom für Bangladesh erstrampeln. VDI nachrichten, Düsseldorf, 18. 12. 09, sta

Das Hobby des angehenden Meeresforschers Kin Ovanesov ist Aquaristik: Oft trägt er Fische, Pflanzen und Korallen aus dem Zoogeschäft nach Hause – in speziellen „atmenden“ Beuteln. „Ein Fisch hat drin 24 Stunden überlebt“, erzählt der Student der Jacobs University in Bremen. „Wenn so ein höheres Wesen das kann, können Algen es erst recht“, so der Nachwuchsakademiker. Damit war die Idee der „Alga-Energie“ geboren: Algen in den Aquaristik-Beuteln im Meer zu züchten und sie zu Bio-Kraftstoffen zu verarbeiten. „Meine Heimat Armenien“, sagt Ovanesov, „ist arm an Öl und die Wirtschaft leidet drunter. Daher suchte ich nach einer alternativen Energiequelle.“

Gedüngt werden die Kulturen mit Abwasser, sodass das Projekt „Alga-Energie“ gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlägt. Ovanesov und seine drei Kollegen von der Jacobs University, ein Astrophysiker, ein Biochemie-Ingenieur und eine Mathematikerin, gewannen damit den dritten Platz im internationalen Wettbewerb für soziales Unternehmertum ImpACT3. „Die Ideen entstehen durch Nachdenken über die Probleme in der eigenen Umgebung“, sagte Schirmherr Muhammad Yunus, Friedensnobelpreisträger und Erfinder der Mikrokredite für Arme. „Und jede dieser Ideen lässt sich in ein Business überführen – jeder kann die Welt verändern!“

Die 24 studentischen Teams von neun europäischen Hochschulen hatten nur je 4 € Startkapital zur Verfügung. Doch damit ließ sich einiges anfangen. Vier Studierende aus Baden-Württemberg verkaufen übers Internet Taschen aus Gefängnis-Produktion und klären dabei über die sozialen Gründe von Jugendkriminalität auf. Das würdigte die Jury mit dem ersten Preis.

Die dänische „Fair Innovation“ auf Platz 2 ließ Besucher von Fitness-Studios für einen guten Zweck in die Pedale treten. Die an den Fitnessgeräten „erarbeitete“ Energie wurde von Sponsoren in bare Münze umgewandelt: 1270 € kamen so zusammen. Das Geld bekommt das „Shakti“-Programm der Grameen-Bank in Bangladesh. Es vergibt produktbezogene Mikrokredite an Dorfbewohner in Regionen ohne zentrale Stromversorgung. Sie können sich so eine kleine Photovoltaikanlage mit Akku und Anschluss für Lampen, Kühlschrank oder Fernseher leisten. Die Studenten der Aahus School of Business sind nun eine Kooperation mit drei Fitness-Ketten eingegangen und suchen noch weitere Sponsoren.

„Alga-Energie“ brauchte nur knapp 50 €: um Algen, Beutel und Dünger zu kaufen. Die Startsumme wurde vom Spin-off der Jacobs University Phytolutions gesponsert. Phytolutions testet unter anderem, ob Algen zum Abscheiden des CO2 aus den Rauchgasen von Kohlekraftwerken taugen. Die ölhaltigen Algen schlucken viel vom klimaschädlichen Gas und sind ein weit besserer Treibstoff-Lieferant als Soja oder Raps. Doch das Züchten der maritimen Pflanzen am Lande sei kostspielig, heben die Studierenden hervor: Licht- und Temperaturverhältnisse müssen konstant gehalten und Wellen künstlich erzeugt werden. Im Meer dagegen gebe es die optimalen Bedingungen von alleine, zudem nehmen die Bioreaktoren keine landwirtschaftlichen Flächen weg. Im universitären Ocean Lab testete das Team, wie die Algen unter den nachgeahmten Naturbedingungen und mit Hilfe verschiedener Dünger in den Beuteln gediehen.

Das gelang so gut, dass das Team hochrechnete: An sonnigen Standorten, z.B. an den afrikanischen, asiatischen oder südamerikanischen Küsten können auf 10 km2 um die 120 000 t Bio-Kraftstoff gewonnen und bis zu 400 000 t CO2 pro Jahr gebunden werden.

Nach dem Wettbewerb geht es weiter: Nun wollen die Studierenden ihre Aqua-Kulturen mit ganz normalem kommunalem Abwasser „düngen“. „Die Proben habe ich schon vom Klärwerk abgeholt“, so Ovanesov. Wenn das funktioniert, will „Alga-Energie“ das Verfahren mit Hilfe von Phytolutions zum Patent anmelden. M. JORDANOVA-DUDA

Von M. Jordanova-Duda

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