Start-up 11.09.2009, 19:42 Uhr

Genossenschaften gehen selten pleite  

Seit Änderung des Genossenschaftsrechts im Jahr 2006 können drei Privatpersonen eine eingetragene Genossenschaft (eG) gründen. Genossenschaftsverbände werben für die Rechtsform und bieten umfassende Gründerberatung. Mittlerweile gibt es in fast allen Branchen Genossenschaften. Keine andere Rechtsform ist so selten von Insolvenzen betroffen. VDI nachrichten, Düsseldorf, 11. 9. 09, sta

Die Gründungszahlen sprechen zunächst mal nicht unbedingt für die eingetragene Genossenschaft (eG): Ganze 296 mal wählten Start-ups 2008 diese Rechtsform. Dagegen registrierte das statistische Bundesamt 572 000 neu gegründete Einzelunternehmen, 57 000 Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) und 30 000 Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR).

Die eG blieb also auch im Jahr zwei nach der Reform des Genossenschaftsrechts ein Exot. Dabei hat sie Gründern Einiges zu bieten. So haften die Mitglieder nicht persönlich, sondern nur mit dem eingelegten Genossenschaftsvermögen. Über dessen Höhe wie über die Mindestanteile der Mitglieder bestimmen die Genossen selbst. Auch ist es ein Leichtes, Mitglieder aufzunehmen oder ziehen zu lassen. Eine einfache schriftliche Bei- bzw. Austrittserklärung sowie das Ein- oder Auszahlen der Einlage reicht.

Auch die Gründung einer eG ist vergleichsweise einfach: Drei Personen verständigen sich in einer Gründungsversammlung auf eine schriftliche Satzung. Ein Notar muss nicht zugegen sein, sondern später nur die Unterschriften der Vorstandsmitglieder beglaubigen und einen Antrag auf Eintrag ins Genossenschaftsregister an das zuständige Amtsgericht übermitteln. Größte Hürde im Verfahren ist ein sogenanntes Gründungsgutachten, in dem die formale Richtigkeit, wirtschaftliche Tragfähigkeit und Plausibilität der Gründung geprüft wird. Dafür erhebt der prüfende Genossenschaftsverband, den die Gründer aus einem Dutzend Alternativen frei wählen können, je nach Aufwand zwischen 1000 € und 3000 €. Die Prüfung ist ebenso Pflicht wie der Beitritt zu einem der Verbände. Der gewählte Verband übernimmt künftig die Beratung und wirtschaftliche Prüfung des neuen Mitglieds.

Verband hilft bei der Erstellung eines Businessplans

„Die externe Kontrolle ist die Voraussetzung der Haftungsbeschränkung“, sagt Andreas Eisen, Geschäftsführer der Berliner Geschäftsstelle im Genossenschaftsverband e.V. Sein Verband vertritt 1900 Genossenschaften in 13 Bundesländern, darunter auch die Volks- und Raiffeisenbanken. Gründungsinitiativen bietet er umfassende Unterstützung. „Wir begleiten und beraten sie in den ersten drei Jahren“, berichtet er. Das beginne mit Hilfestellung beim Businessplan samt Plausibilitätsprüfung, gehe mit Beratung bei der Satzungsgestaltung, dem Gründungsgutachten und Begleitung der Gründungsversammlung weiter und umfasse auch Coachingangebote, Steuerberatung und die jährlichen Pflichtprüfungen.

Diese Starthilfe ist allerdings kostenpflichtig. Wie viel genau der gerade erst aus einer Fusion entstandene Großverband berechnet, ist noch unklar. Beim norddeutschen Vorläuferverband waren es zwischen 5000 € und 7500 €. Während es Gründern frei steht, das Startpaket in Anspruch zu nehmen, ist ein Mitgliedsbeitrag im Verband Pflicht. Er bewegt sich im Promillebereich des Umsatzes. „Die Beiträge junger und kleiner Genossenschaften bewegen sich zwischen 50 € und 300 € pro Jahr“, so Eisen.

Nach der Reform des Genossenschaftsrechts dürfen Genossenschaften mit weniger als 20 Mitgliedern ihren Vorstand mit nur einer Person besetzen und statt des sonst obligatorischen Aufsichtsrats ihre Mitgliederversammlung mit der Aufsicht betrauen. Laut Eisen macht das aber nur Sinn, wo die Versammlung klein genug ist, um dieser Aufgabe gerecht zu werden. „Die regelmäßige interne und externe Kontrolle ist ja gerade eine Stärke der eG“, sagt er.

In den Insolvenz-Statistiken von Creditreform schneidet die Genossenschaft seit Jahrzehnten besser ab, als jede andere Rechtsform. „Das Gros unserer Mitglieder weiß um diese Stärke“, so Eisen. Über 80 % der kleinen Genossenschaften (Umsatz max. 2 Mio. €) legten weiterhin jährlich ihre Bücher vor, obwohl sie seit 2006 nicht mehr zu dieser kostenpflichtigen Prüfung verpflichtet sind. Seither müssen sie nur noch alle zwei Jahre prüfen lassen, ob sie ihre Geschäfte gemäß der Richtlinien des Genossenschaftsrechts führen. Untersucht wird dabei beispielsweise, ob ein funktionierendes Controlling existiert.

Bleibt die Frage, wer eG gründet und warum? Beim Blick ins Portal des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) wird klar, dass eGs branchenübergreifend aktiv sind. Zusammenschlüsse freier Ingenieure finden sich ebenso wie IT-Unternehmen, Handwerks-, Landwirtschaftsbetriebe oder Firmen aus Tourismus und Sozialwesen. Konjunktur haben Genossenschaften bei Erneuerbaren Energien, wo ihre Mitglieder gemeinsam in Solar-, Biogas- oder Windkraftwerke investieren. „Ungeeignet ist die eG nur für Gründer, die von vornherein einen Trade Sale anvisieren“, so Eisen. Denn wenn nur ein Genosse den Verkauf hintertreibe, sei das Geschäft gefährdet.

Zweck einer eG ist es schließlich, allen Mitgliedern im gleichen Maße zu nutzen. Daher rührt auch ihr demokratischer Aufbau: Jedes eG-Mitglied hat ungeachtet seiner Einlagen nur eine Stimme. Das nutzen Freiberufler oder Handwerksbetriebe, in dem sie sich zu einem gemeinsamen Marktauftritt zusammenschließen. „Um Auftragnehmern dann mit einer Rechnungsadresse und einem zentralen Ansprechpartner gegenüberzutreten, ist die eG ein ideales Konstrukt“, so Eisen. Auch Einkaufs-, Werbe- oder Vertriebsgemeinschaften, Notdienste oder Fortbildungen ließen sich so organisieren. In Zeiten krisenbedingten Sparzwangs ein durchaus moderner Gedanke. MECHTHILD BRUNS

www.genossenschaftsverband.de

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