Gründer 19.04.2002, 17:33 Uhr

Gelobtes Land für Start-ups?

In zehn Jahren hat sich Israel vom Obstexporteur zum Hightech-Standort gemausert – auch weil der Staat seine Gründerszene großzügig umsorgt. Der Palästina-Konflikt droht der Erfolgsstory ein Ende zu setzen.

Israel ist mit seinen 6,2 Mio. Einwohnern nicht größer als Hessen. Doch gemessen an der Zahl junger Hightechs ist das Land ein Gigant. Tausende Start-ups schossen in den 90er Jahren aus dem Boden und haben beträchtlich zu jährlichen Wachstumsraten zwischen 3,5 % und 6,4 % (im Jahr 2000) beigetragen. In keinem anderen OECD Staat wuchs die Wirtschaft zuletzt so rasant. Für Dr. Orna Berry, Leiter der F&E-Abteilung im israelischen Wirtschaftsministerium, ist das ein Verdienst der Gründer. Sie hätten mit ihren Ideen Investoren ins Land gelockt und Israel zu einem Ruf als führende Hightech-Nation verholfen. „Nur in den USA gibt es mehr Start-ups.“
Tatsächlich lief bis zum Jahr 2000 alles blendend. Durch die Zusammenarbeit zwischen Ministerien, Unis und privaten Forschungseinrichtungen hat Israel in zehn Jahren einen Strukturwandel vom Agrarland zum Dienstleistungs- und Hightech-Standort vollzogen. Ein dringend gebotener Wandel, denn große Handelsdefizite führten in den 80er Jahren zu Inflationsraten bis 450 %. Hintergrund: Wegen fehlender Bodenschätze ist Israel von Importen abhängig, die es durch den Export von Obst und Gemüse bei Weitem nicht aufwiegen konnte. Zudem fließen bis zu 15 % des Bruttosozialproduktes in den Sicherheits- und Militärapparat.
Israel besann sich auf seine Stärke – das hohe Bildungsniveau. Fast 80 % der Bevölkerung haben weiterführende Schulen besucht, rund 20 % können einen Uni-Abschluss vorweisen. Auf 10 000 Arbeitnehmer kommen 135 Ingenieure. Auch das Militär gilt als innovativer Faktor. Frauen wie Männer kommen hier mit neuesten Technologien in Berührung. Für zusätzlichen Schwung sorgten in den 90er Jahren rund 800 000 Einwanderer aus dem früheren Ostblock. Gut 40 % davon sind hoch qualifiziert.
Zur Integration der Einwanderer und ihrer Ideen startete das israelische Wirtschaftsministerium 1991 das Inkubator-Programm. 24 Zentren lehren Gründungswilligen unternehmerisches Handeln. Zudem gewähren diese Brutkästen großzügige Kredite. Seit 1991 sind aus dem Programm über 1000 Firmen hervorgegangen, um die sich zeitweise in- und ausländische Investoren rissen. Allein im Jahr 2000 flossen 11,4 Mrd. Dollar ausländisches Kapital nach Israel – knapp die Hälfte davon in junge Hightech-Unternehmen.
„Unsere Gesellschaft war vom Gründungsfieber ergriffen, bis im Jahr 2000 die neuerliche Intifada begann“, erinnert sich Dr. Meir Tenne. „Um heute Venture Capital zu ergattern, müssen Gründer schon Außergewöhnliches bieten“, so der Leiter des Kinarot Technologie-Inkubators in Zemach im Jordantal. Er sieht diese Entwicklung auch mit einem lachenden Auge. Denn jetzt erreicht sein Zentrum auch Gründer mit Ideen auf höchstem Niveau, die noch vor zwei Jahren mit Sicherheit bei privaten Geldgebern gelandet wären.
Ähnliches weiß auch Lesley Anne Rubinstein zu berichten. Sie leitet das Inkubator Zentrum in Beer-Sheva, einer 200 000 Einwohnerstadt nahe Jerusalem. „Der Ideenreichtum ist nach wie vor phantastisch, doch die privaten Investoren bleiben aus.“ Rubinstein und Tenne sind sich einig, dass der Palästinakonflikt die Wirtschaft weit mehr lähmt, als die Nasdaq-Krise. „Jeder Bereich unseres Alltags ist von den Attentaten betroffen“, erklären beide.
Die Auswirkungen auf die israelische Ökonomie sind verheerend. Tourismus und Bauwirtschaft sind in sich zusammengefallen und ziehen andere Wirtschaftssegmente mit in die Rezession. Erzielte das Land noch im Jahr 2000 ein Rekordwachstum von 6,4 %, vermeldet die israelische Wirtschafts-Presse für 2001 das schlechteste Ergebnis seit 1953 – ein Rückgang um 0,5 %. Doch all das ficht den Optimismus von Meir Tenne nicht an. „Wir haben heute bessere Start-ups in unserem Inkubator-Programm als je zuvor. Wenn sich die Situation in zwei bis drei Jahren beruhigt hat, blüht uns ein neuer, kräftiger Aufschwung.“ PETER TRECHOW

Israels Wirtschaft
Wolkig bis heiter
Israel befindet sich heute in der schärfsten Rezession seit 50 Jahren. 2001 schrumpfte das Bruttosozialprodukt um 0,5 %, die Arbeitslosenquote stieg auf 10 %. Als Ursache für die Konjunkturabkühlung gilt neben der allgemeinen Marktschwäche vor allem der Palästina-Konflikt.
Wegen der großen Anzahl von Start-ups, die in allen maßgeblichen Technologiebereichen (Biotechnologie, neue optische Verfahren etc.) mit grundlegenden Entwicklungen aktiv sind, gilt Israel dennoch als Hightech-Standort mit Zukunft. Firmen wie Intel, Microsoft oder HP betreiben dort Entwicklungsabteilungen. SAP und AOL haben auch in jüngster Vergangenheit noch akquiriert. tp

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