Unternehmensfinanzierung 02.12.2005, 18:41 Uhr

„Für meine Firma hat Opa voll gehaftet“  

„Sie werden gleich mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbunden.“ Dann folgt minutenlanges Gedudel. Wer sich das länger anhören muss, knallt entnervt den Hörer auf und verflucht das angerufene Unternehmen. Dem hat Andreas Reichert den Kampf angesagt. Mit seiner Media Sound Design GmbH peppt er die Warteschleifen der Nation auf. Den Start hat Opa mit einer Bürgschaft ermöglicht.

Als Schüler hat sich Andreas Reichert etwas zum Taschengeld dazu verdient, in dem er Zeitungsanzeigen am Telefon verkaufte. Schon nach wenigen Tagen verfolgten ihn Warteschleifen-Klassiker wie „Die kleine Nachtmusik“ oder „Für Elise“ bis in den Schlaf. Das muss nicht sein, dachte er sich. Mit 19 gründete er in Aurich / Ostfriesland seine Media Sound Design GmbH.

Ein paar Büromöbel und ein Tonstudio aus zweiter Hand – für den Anfang hatte der junge Gründer 1999 rund 70 000 DM veranschlagt. Obwohl er weiterhin bei den Eltern wohnte und kaum private Fixkosten hatte, war das sehr knapp kalkuliert, weiß er im Nachhinein: „Denn ich hatte keinerlei Ersparnisse und musste vom ersten Tag an Lohn zahlen, da ich einen Vollzeit-Angestellten hatte. Dass ich eine Durststrecke haben könnte, habe ich glatt ignoriert“.

Optimistisch wie er war, machte sich der Schüler auf den Weg zu der Bank, die sein Jugendkonto betreute. Hier wollte er die KfW-Prämie für Jungunternehmer beantragen. „Die Beraterin fand meine Idee aber nicht so toll.“ Nach zwei Tagen kam die Absage: „Zu risikoreich.“ Das zweite Kreditinstitut gab unumwunden zu, dass es am Antrag zur staatlichen Förderung nicht genug verdiene. „Und bei der Sparkasse hieß es, ich wäre zu jung für einen Jungunternehmer-Kredit“.

Wirklich verübeln kann man den Kreditinstituten ihre Zurückhaltung nicht. Seriös sah er nicht gerade aus, der Jugendliche ohne Businessplan, ohne Ausbildung, ohne Schulabschluss und natürlich ohne einschlägige Berufserfahrung.

Beinahe hätte Reichert aufgegeben. Doch dann kam sein Opa ins Spiel. Der Großvater bürgte mit seinem Haus für 70 000 DM, die die Bank zu 7 % Zinsen dem Jungunternehmer lieh. Lange überreden musste der Enkel ihn jedoch nicht: „Ich war keiner, der zu den Eltern immer gerannt ist und Geld haben wollte. Ich arbeite, seitdem ich zwölf bin. Ich habe u.a. Zeitungen ausgetragen, Telefonmarketing gemacht, gekellnert, im Supermarkt Regale eingeräumt und Produktproben getestet. Wenn ich etwas wollte, habe ich eisern gespart. Das hat dem Opa imponiert“.

Um Kunden zu gewinnen, griff der junge Gründer erst einmal zum Telefon und rief alle größeren Firmen in Aurich an. Außerdem verschickte er Demo-CDs. Der erste Interessent war die örtliche Druckerei. Sie war von der Idee angetan und lud ihn ein. „Na prima!“, dachte Reichert. Gleichzeitig beschlichen ihn Bedenken. „Das sieht bestimmt sehr gut aus, wenn ein 19-jähriger Steppke zu Besuch kommt und eine Sache für 2000 DM bis 3000 DM verkaufen will.“ Die Lösung: Er bat einen Bekannten, für ihn einzuspringen. Der machte den Job gut und bekam den Auftrag. Der Bekannte ist daraufhin als Teilhaber in die junge Firma eingestiegen. Die Zusammenarbeit währte jedoch nur zwei Monate. Streitpunkt war die Frage, wer wie viel Arbeit investiert. Seitdem ist Reichert ein gebranntes Kind und will weder von Teilhabern noch von Risikokapitalgebern etwas wissen.

Ab 99 € aufwärts kostet den Kunden ein professionelles „Sound Design“. Sie können dazu nicht nur die Musik wählen. Bei Bedarf machen auch (Synchron-) Stimmen bekannter Stars gewünschte Ansagen. Reicherts Firma hat inzwischen drei Niederlassungen und 15 Angestellte. Seit 2002 bekommen die Mitarbeiter im Vertrieb eine Provision neben dem festen Gehalt. Bei der Testphase zeigte sich, so Reichert, dass dieses Modell vier Mal mehr Umsatz bringt. Seitdem macht Media Sound Design Gewinn.

Schon nach drei Jahren hat Andreas Reichert die 70 000 DM der Bank zurückgezahlt. Opas Häuschen war gerettet. „Er“, sagt der junge Unternehmer, „konnte das gar nicht glauben“.

MATILDA JORDANOVA-DUDA

www.mediasounddesign.com

Die Serie „Abenteuer Finanzierung“ wird in den kommenden Ausgaben fortgesetzt. Bisherige Fälle stehen im Web: www.vdi-nachrichten.com/af

Von Matilda Jordanova-Duda
Von Matilda Jordanova-Duda

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