Unternehmensfinanzierung 13.06.2008, 19:35 Uhr

Fremdkapital für Firmen mit Aufwärtspotenzial  

Als Folge der Immobilienkrise hat das Vertrauen von Anlegern in verbriefte Produkte stark gelitten. Einen Ausweg aus der drohenden Kreditklemme verspricht Franz C. Ditterich, Geschäftsführer von DAM Capital.

Ditterich: Anders als Banken machen wir eine Finanzierungsentscheidung nicht vorrangig von der Kredithistorie und zurückliegenden Bilanzen abhängig. Wir achten statt dessen vor allem auf das Potenzial des Unternehmens. Außerdem werden wir viel später berücksichtigt, wenn es an die Verwertung eventueller Sicherheiten geht. Wir stehen also nicht im Wettbewerb mit vorrangigem Fremdkapital. Unser Beitrag wird typischerweise eher als Ersatz für Eigenkapital gesehen.

Dabei vergeben wir kein Equity-Mezzanine. Wir sind spezialisiert auf Debt-Mezzanine. Wir wollen also keine Stimmrechte, keine Sperrrechte, keine Unternehmensanteile und auch kein Mandat im Aufsichtsrat. Alles was wir wollen sind Zinsen – und am Ende unser Geld zurück.

VDI nachrichten: Klingt toll – und teuer…

Ditterich: Natürlich sind wir teurer als ein Bankkredit. Wir haben schließlich ein sehr viel höheres Risiko. In aller Regel sind wir aber weitaus günstiger als Eigenkapitalgeber.

VDI nachrichten: Zahlen bitte…

Ditterich: Die genauen Konditionen sind immer abhängig vom Einzelfall. Jeder Kunde muss einen dem Risiko angepassten Zins bezahlen. Das Risiko ermitteln wir im Rahmen einer umfangreichen Due Diligence. Die stellen wir in Rechnung. Kommt anschließend ein Kreditvertrag zustande, wird außerdem eine Commitment-Fee fällig.

Der individuelle Zins besteht in der Regel aus zwei Komponenten: Dem Cash Interest, kurz CI, und einer Paid-in-Kind-Komponente, kurz PIKK. Die Fälligkeit des CI orientiert sich am Euribor. Er ist dementsprechend turnusgemäß zu zahlen, also beispielsweise vierteljährlich. Die PIKK ist ein sich kapitalisierender Zins. Er wird am Ende jedes Jahres der Kreditsumme aufgeschlagen und muss im kommenden Jahr mitverzinst werden. Je nach zu erwartender Liquiditätssituation des Kreditnehmers können CI und PIKK angepasst werden. In der Regel kommen wir am Ende auf Zinssätze zwischen 12 % und 16 %. Das ist weit weg von klassischen Eigenkapitalfinanzierungen. Da werden 20 % und mehr fällig.

VDI nachrichten: Wer gehört zu Ihrer Zielgruppe?

Ditterich: Wir vergeben bisher Darlehen in Großbritannien, Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Italien. Andere europäische Länder sind aber auch möglich. Die von uns favorisierten Unternehmen sind anlagenintensiv und erwirtschaften mindestens 100 Mio. € Umsatz pro Jahr. Der Cashflow sollte in den letzten drei Jahren mindestens einmal deutlich positiv gewesen sein. Reine Sanierungsfälle sind nicht unser Metier. Wir finanzieren auch keine Start-ups. Unsere Mindestkreditsumme beträgt 10 Mio. €. Im Alleingang können wir bis zu 40 Mio. € pro Deal zur Verfügung stellen.

VDI nachrichten: Was sind für gewöhnlich die Finanzierungsanlässe?

Ditterich: Wir unterscheiden drei Fälle: Expansion, Post-Stress und Rekapitalisierung. Im ersten Fall will der Mittelständler beispielsweise investieren, um Marktchancen zu nutzen. Die Bank dreht ihm aber aus Mangel an Sicherheiten den Hahn zu.

Von einem Post-Stress-Fall reden wir, wenn ein Unternehmen gerade einen Turnaround geschafft hat, die bisherigen Kapitalgeber aber kein Geld mehr nachschießen wollen. Mit einem Blick zurück verweisen die Banken gerne darauf, dass die Bilanzen schließlich zuletzt schlecht waren und dass man doch schon die Zinsen gestundet und die Tilgung ausgesetzt habe. Wir hingegen blicken nach vorne und setzen auf das Zukunftskonzept.

Rekapitalisierungen stehen oft bei Unternehmen mit mehreren Standorten und vielen Kreditgebern an. Ihnen passiert es nämlich häufig, dass sich die involvierten Banken um die vorhandenen Sicherheiten streiten und sich gegenseitig blockieren. Unsere Lösung: Die horizontale Finanzierungsstruktur wird in eine vertikale Struktur überführt. Alle Sicherheiten werden also in einen Topf gesteckt, alle Finanzierungsbedarfe in einen anderen. Dann wird strukturiert. Die Bedarfe, für die es am Ende keine nennenswerten Sicherheiten mehr gibt, die übernehmen wir. Ergebnis: Alle Banken haben klar definierte Sicherheiten, das Unternehmen bekommt eine einfachere Finanzierungsstruktur und einen neuen Finanzierungsspielraum und wir bekommen einen neuen Kunden. Das ganze Prozedere klappt aber nur, wenn im Rahmen der Strukturierung alle Kredite neu verteilt werden.

VDI nachrichten: Welche Kreditlaufzeiten bietet DAM Capital an?

Ditterich: Möglich sind bis zu zehn Jahre. In der Praxis können die Unternehmen aber meist nach rund drei Jahren schon wieder zurückzahlen. Die Rückzahlung kann sehr flexibel gehandhabt werden. Wer schon im ersten Jahr komplett tilgen kann und will, muss lediglich 3 % als eine Art von Vorfälligkeitsentschädigung zahlen. Dieser Prozentsatz sinkt jährlich. Schon ab dem vierten Jahr kann unabhängig von der ursprünglich vereinbarten Laufzeit jederzeit kostenlos komplett getilgt werden.

VDI nachrichten: Wie viele Unternehmen finanzieren Sie pro Jahr?

Ditterich: Aktuell rund zehn. Unser Ziel sind maximal 20 bis 30 Fälle. Das Gros wird auch zukünftig auf Deutschland entfallen. S. ASCHE

Franz C. Ditterich ist für das Deutschland- und Österreich-Geschäft der DAM Capital Gruppe verantwortlich. Zuvor war er entweder als CEO oder CFO für verschiedene mittelständische Unternehmen tätig.

 

Ein Beitrag von:

  • Stefan Asche

    Stefan Asche

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: 3-D-Druck/Additive Fertigung, Konstruktion/Engineering, Logistik, Werkzeugmaschinen, Laser

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