11.01.2002, 17:32 Uhr

Franchising – Lizenz für den Chefsessel

Konzept, Produkt, Image – alles da. Nur der Boss fehlt. Aber vorsicht, auch beim Franchising gibt es Risiken. Und die Unternehmerfreiheit ist begrenzt.

Das Prinzip Franchising gleicht dem einer Backmischung: Das Rezept ist erprobt und hat sich in der Praxis bewährt. Die Ingredienzen sind bereits im richtigen Verhältnis gemischt und nur noch wenige Zutaten müssen selbst hinzugefügt werden. Ein wichtiger Vorteil: Man kann sich auf die Expertise des Herstellers verlassen und spart eine Menge Zeit bei der Zubereitung – oft ein Erfolgsrezept für Gründer.

Ein frisch gebackenes Gründungskonzept haben und damit schnell auf der sicheren Seite stehen, das ist schließlich der Traum eines jeden Selbständigen. Franchising kann diesen Wunsch wahr werden lassen. Die Methode: Ein Markenanbieter übergibt einem Gründer gegen Gebühr die Lizenz für die Nutzung der erprobten Geschäftsidee und des aufgebauten Image. OBI Baumärkte, TUI Reise Center oder Quick Schuh sind bekannte Ketten, die auf diesem Modell basieren. Bundesweit gibt es über 800 unterschiedliche Franchise-Systeme, im vergangenen Jahr haben sich 37 100 Unternehmer über diesen Weg selbständig gemacht. Das größte System in Deutschland unterhält Photo Porst mit über 1700 Partnern, auf dem zweiten Rang liegt Foto-Quelle mit knapp 1500 Kompagnons gefolgt von McDonald’s, die 672 Filial-Inhabern die Lizenz zum Burger-Braten gewähren. Knapp 350 000 Mitarbeiter beschäftigte die Franchise-Branche im Jahr 2000, Umsatz: 21,9 Mrd. Euro.

Wer als Lizenz-Nehmer den Weg in die Selbständigkeit wagt, muss ein Image nicht selbst mühevoll aufbauen. „Sich als Nischenunternehmer zu etablieren, ist heute schwierig, man braucht eine Marke und das Know-how. Franchise-Modelle bringen das von Anfang an mit“, bestätigt Ulrich Opherk, Geschäftsführer des Deutschen Franchise-Verbands (DFV). „Die Existenz in einem Netzwerk macht stark, steht für ein viel stabileres Business und eine solide Beschäftigungsbasis.“

In den Händen des Franchise-Nehmers, der aus juristischer Sicht selbständig ist, liegt die Abwicklung des kompletten Tagesgeschäfts. Bei der Übernahme zahlt er einen Einstiegsbetrag und dann laufende Lizenzabgaben, die als monatliche Pauschale oder prozentual vom Umsatz abgerechnet werden. Kosten, die sich oft rechnen: Nach Expertenschätzungen spart ein Franchise-Nehmer durch die mitgelieferte Business-Expertise drei bis vier Jahre an Berufserfahrung.

Mustafa Deveci ist Betreiber der Mister Minit-Filiale im Hamburger Hauptbahnhof, ein Vorzeige-Franchise-Unternehmer, der es innerhalb von sechs Jahren geschafft hat, vom ungelernten Mitarbeiter über den Schumacher-Gesellen zum selbständigen Partner aufzusteigen. Für seine Bilderbuchkarriere wurde er im Oktober vergangenen Jahres auf der 12. Internationalen Franchise-Messe in Frankfurt als „Franchise-Nehmer des Jahres“ ausgezeichnet. „Mit einem starken Partner im Rücken fällt es leichter, sich selbständig zu machen, weil einem viele Sachen mitgegeben werden“, beschreibt Deveci seine Erfahrungen. „Über die Zentrale werden wir über alle Neuigkeiten in der Branche informiert. Wir profitieren von der Minit-Marktforschung und -Werbung, und wenn es neue Dienstleistungen gibt, bekommen wir auch dafür das spezielle Know-how weitergeleitet.“

Nachteil des Franchisings für Gründer sind oft hohe Abgaben und eingeschränkte unternehmerische Freiheiten, denn die Zentrale hat die Möglichkeit, bestimmte Rahmenbedingungen, wie die Gestaltung der Ladenräume, einzufordern. Problematisch auch: Sollte der Franchise-Geber Imageprobleme bekommen, leidet auch der Einzelhändler darunter. Deswegen ist es sinnvoll, sich vor Abschluss eines Vertrages sehr gut über das Konzept zu informieren: Gibt es bereits andere erfolgreiche Franchiser bei dieser Firma? Oder: Wie hoch sind die Abgaben bei anderen Systemen?

„Segeln Sie mit im Aufwind einer großen Marke.“ Mit dieser Aufforderung wirbt die Fast-Food-Kette Kochlöffel aus Lingen für ihr paralleles Franchise-Programm. Die Emsländer haben ihr Konzept bisher an 30 Partner übergeben. Als Franchise-Geber sind sie für die Identität, das Image und die Marktfähigkeit des Betriebes verantwortlich. Die Geber stellen ihren Partnern Informationsmaterial zur Verfügung und liefern Know-how in Marketing- oder betriebswirtschaftlichen Fragen. Dabei profitieren sie von hoch motivierten Partnern, die auf eigene Rechnung wirtschaften. „Die Franchise-Nehmer sind unsere Erfolgsfaktoren“, sagt Wolfgang Kaiser, Leiter des Franchise-Bereichs bei Kochlöffel. „Sie führen ihre Betriebe mit mehr unternehmerischer Eigeninitiative als es in den Filialen der Fall ist. Außerdem tragen sie mit ihrer individuellen Umsetzung des Konzepts zur Qualität des Systems und der Marke bei.“ Durch die Partnerbetriebe kann das Firmennetz als Ganzes schneller wachsen und die Marke gewinnt an Bekanntheit.

Das sieht auch Andreas Berents, Operations Director bei Minit Deutschland, so: „Wir haben eine Keimzelle von rund 100 eigenen Läden für Ausbildung, Forschung und die Entwicklung neuer Dienstleistungen. Das gesammelte Know-how geben wir an unsere 450 Franchise-Nehmer weiter“, sagt er. „Das System gibt uns die Möglichkeit, schneller zu expandieren und das unternehmerische Risiko auch auf die Partnerunternehmer zu verteilen.“

Wenn Franchising zum Erfolg führen soll, müssen alle mitspielen. „Es bedarf einer hohen Systemverbindlichkeit auf beiden Seiten. Der Franchise-Nehmer muss den Willen haben, das Konzept optimal umzusetzen, der Geber muss akzeptieren, dass er eigenständige Unternehmer unter seinem Dach hat und Teile seines Einflusses abgeben muss“, fasst Kaiser zusammen. M. RIEKEN

www.dfv-franchise.de

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