Start-Up 01.01.2016, 01:02 Uhr

Firmen-Gründer werden immer älter

Wer jetzt noch keine Firma hat, der gründet keine mehr! Diese einstige Regel zum 40. Geburtstag hat sich überlebt. Der Anteil der älteren Gründer steigt. In Bonn und der Region gibt es schon seit zehn Jahren das Netzwerk 40plus für grauhaarige Jungunternehmer. Eine angehende Gerontologin hat einige der 4000 Mitglieder zu ihren Sorgen und besonderen Bedürfnissen befragt.

Der durchschnittliche Gründer ist nicht mehr blutjung und frisch von der Uni, sondern knapp 41 Jahre alt. Das hat 2011 eine Studie des Zentrums Europäische Wirtschaft (ZEW) und Microsoft Deutschland ergeben. Die Untersuchung zielte speziell auf den Hightech-Bereich ab. Aber auch in anderen Branchen ist die Altersverschiebung spürbar. „Bei uns sind die Gründer im Schnitt schon 46 Jahre alt“, sagt Karl Reiners von der IHK Bonn/Rhein-Sieg.

Die reiferen Semester hätten mehr Erfahrung, manchmal auch mehr Geld, weil sie Ersparnisse oder eine gute Abfindung hätten. Allerdings auch höhere Ansprüche an den Lebensstandard und höhere Risiken. Schließlich gebe es meist Kinder zu ernähren oder ein Haus abzuzahlen.

Bonner Firmen-Gründer-Netzwerk 40plus hilft beim Networking

Wer innerhalb des Bonner Netzwerks 40plus gerade gründet, ist sogar noch einen Tick älter: in der Regel schon 51 Jahre. Anfänger und gestandene Unternehmer treffen sich hier viermal im Jahr, um geschäftliche Kontakte zu knüpfen. Sie tauschen sich aus, schließen sich zu Büro- und Einkaufsgemeinschaften zusammen, machen Urlaubsvertretungen, leihen sich gegenseitig Messestände. Auch der eine oder andere Auftrag wird untereinander vergeben. Eine eigene Internetplattform und ein 40-Plus-Branchenbuch gehören ebenfalls dazu. Die IHK, die Stadt Bonn, die Deutsche Telekom, die Sparkasse KölnBonn und die Agentur für Arbeit fördern die Initiative.

Laut KfW-Gründungsmonitor 2012 entspricht der Anteil Älterer unter den Gründern noch lange nicht ihrem Anteil in der Bevölkerung. Senioren überlegten sich den Neuanfang zweimal, weil sich die Projekte innerhalb kürzerer Zeit amortisieren müssen. Außerdem fühlten sie sich der hohen Arbeitsbelastung nicht mehr gewachsen, mutmaßen die Autoren. Andererseits, wenn sie sich schon wagen, dann als richtige „Entrepreneure“: mit Angestellten, einem höheren Kapitaleinsatz und um eine bestimmte Geschäftsidee zu verwirklichen. Sie gerieten seltener in finanzielle Schwierigkeiten. Ihre Unternehmen haben folglich auch bessere Chancen, die ersten drei Jahre zu überstehen.

“Wir haben sogar Gründer im Rentenalter”

„Wir haben sogar Gründer im Rentenalter“, so die Bonner Wirtschaftsförderin Victoria Appelbe. Sie machten sich nicht unbedingt selbstständig, um der Altersarmut zu entkommen. Sondern weil sie fit seien und ihr Know-how weitergeben möchten. Ein Beispiel ist der ehemalige Jurist im Bundesverkehrsministerium, Klaas Behrens. Mit 68 Jahren hat er sich auf den Verkauf von Wein an ältere Kundschaft spezialisiert, vorzüglich in Seniorenresidenzen. Sein Studium hatte er als Lastwagenfahrer finanziert und war im Beruf für den grenzüberschreitenden Lkw-Verkehr zuständig. Heute fährt er selbst zu den Lieferanten in Südeuropa und holt seine Paletten ab.

Gründer haben vor allem Fragen zur Krankenversicherung und Altersvorsorge

Doris Bockermann von der Uni Vechta ist bei ihren Recherchen über ältere Gründer auf das Bonner Netzwerk 40plus gestoßen: „Praktisch das einzige seiner Art“, sagt die angehende Gerontologin. Sie hat 130 Mitglieder zu ihrem Beratungsbedarf und ihren Plänen befragt. Krankenversicherung und Altersvorsorge stünden für sie ganz oben auf der Agenda. Außerdem die Frage, wie man Qualifikationen wieder auffrischen könne. Viele interessierten sich für eine Gründung im Tandem und die dazu passende Unternehmensform. Die Work-Life-Balance spiele ebenfalls eine Rolle, dabei sei die Firma für knapp 60 % der Haupterwerb. Ein Viertel der Befragten rechne in naher Zukunft mit einem Pflegefall, den sie zu betreuen hätten. Und auf die Frage, wie lange man noch arbeiten will, antworteten die meisten: „solange ich gesund bin“. Für Behrens wird wahrscheinlich mit 75 Schluss sein: Danach darf er seinen Lkw-Führerschein nicht mehr verlängern.

Keine Gedanken machen sich 72 % der befragten Unternehmer über die eigene Nachfolge. „Eigentlich müssten 40plusler dies von vornherein überlegen“, meint Bockermann. „Doch es sind viele Solo-Selbstständige, die einfach liquidieren werden. Einige Konzepte sind eben unglaublich stark in der Person des Gründers verankert.“

Einen Nachfolger oder Geschäftspartner zu präsentieren, erleichtere allerdings die Kreditaufnahme, sagt Andreas Brünjes von der Sparkasse. Doch generell seien reife Gründer gerne gesehene Kunden: „Sie haben Lebens- und Berufserfahrung, Insiderkenntnisse, Kontakte und Eigenkapital – all das, was junge Menschen nicht haben.“

Und was ist mit der kürzeren Lebensspanne, den krankheitsbedingten Ausfällen? „Sogar 70-Jährige können ausdauernd arbeiten“, sagt Beraterin Kristiane von dem Bussche, Initiatorin von 40plus. „Sie brauchen aber Erholungspausen. Die muss man auch während der Gründung einplanen.“

Von M. Jordanova-Duda
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