Gründer 10.10.2008, 19:37 Uhr

Finanzkrise: Auch Gründer müssen bald zittern  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 10. 10. 08, ps – KfW und Landesbanken haben in der aktuellen Finanzkrise schwere Einbußen erlitten. Wird es nun für Gründer schwieriger, Fördergelder und Kredite zu bekommen? Noch fließen die Mittel, doch Experten und Verbände befürchten, dass Gründern schwere Zeiten bevorstehen.

Rund 320 Mio. € hat die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in der insolventen US-Investmentbank Lehman Brothers versenkt. Mit etwa 8 Mrd. € stützte sie die Industriebank IKB, nachdem diese sich mit riskanten Kreditgeschäften an den Rand der Pleite manövriert hatte. Mit dem verlorenen Geld ließen sich 30 neue High-Tech Gründerfonds (HTGF) auflegen oder die Laufzeit des aktuellen Fonds von rund 270 Mio. € um 150 Jahre verlängern – Gedankenspiele. Das Geld ist weg.

Doch der Verlust wird die Fördertätigkeit der KfW laut Wolfram Schweickhardt, stellvertretender Pressesprecher der KfW Bankengruppe, nicht beeinträchtigen. „Die Ausfälle sind für die KfW verkraftbar“, erklärt er. Die KfW werde ihre Rolle als Förderbank trotz der Belastungen weiterhin erfüllen. „Das Konditionengefüge bleibt ebenfalls erhalten“, beruhigt er. Denn ohnehin bestehe zwischen den Geschäften mit Lehman Brothers und den Förderprogrammen keinerlei Verbindung.

Keine Probleme also in der Gründerfinanzierung? Marc Evers, Experte für Existenzgründung des DIHK, bestätigt, dass die Finanzkrise noch nicht auf Gründerkredite durchschlägt. Blitzumfragen hätten kaum Klagen von Gründerseite zu Tage gebracht. Auch jüngste Erfahrungsberichte von IHK-Gründerberatern ließen vermuten, dass nicht weniger Geld fließe, als im Vorjahr. „Aktuell kann von einer Kreditklemme nicht die Rede sein“, so Evers.

Erhebungen der Deutschen Bank Research (DB research) stützen diese Aussage: „Unbeeindruckt von Finanzkrise und realwirtschaftlicher Abschwächung wurden in den ersten Quartalen 2008 solide Zuwachsraten erzielt: Im ersten Quartal wuchs das Kreditvolumen im Jahresvergleich um 5,2 %, im zweiten Quartal gar um 6,4 %“. Kredite an das verarbeitende Gewerbe würden seit einigen Quartalen sogar zweistellig zulegen.

Allerdings prognostizieren die Forscher, dass sich das Kreditvolumen in naher Zukunft deutlich abschwächen wird. Die konjunkturbedingte Abschwächung könnte durch die Krise der Finanzmärkte verstärkt werden, fürchtet der IT-Branchenverband Bitkom. Schon jetzt sei die Zahl der Gründungen im IT-Sektor trotz Marktwachstums rückläufig – vor allem wegen unzureichender Finanzierungsbedingungen für Start-ups.

„Deutsche Investoren halten sich bei der Finanzierung von Gründern vornehm zurück“, klagt Bitkom-Chef August-Wilhelm Scheer. Nach einer Verbandsumfrage scheiterten zuletzt zwei Drittel der erfolglosen Gründer, weil sie keine Kapitalgeber fanden. Nur 31 % aller Gründer erhalten Geld der öffentlichen Hand, 17 % Bankkredite, bei 13 % engagieren sich Privatinvestoren und nur 6 % können auf Risikokapital von VC-Gesellschaften bauen.

„Start-ups brauchen hierzulande dringend eine bessere Kapitalversorgung“, so Scheer. Doch aufgrund der Finanzkrise sei derzeit eher mit einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen für Gründer zu rechnen.

Eine Sorge, die auch die Biotech-Branche umtreibt und zwar aus mehreren Gründen. Einerseits sind Börsengänge momentan völlig unkalkulierbar – was Investoren diesen Ausstieg aus ihren Investments auf Jahre versperren könnte.

Andererseits tun sich Risikokapitalgeber selbst schwer, Gelder für Fonds einzusammeln. „Es ist derzeit nicht einfach, Türen aufzubekommen und Zusagen für Kapital zu bekommen“, erklärte Ludwig Felber, Leiter des Bereichs Life Sciences der Investmentbank Viscardi, jüngst gegenüber Reuters.

Julia Schüler, Biotechexpertin bei Ernst & Young, pflichtet bei. Sie könnte sich aufgrund der Finanzkrise einen Einbruch beim Wagniskapital vorstellen. Wenn nicht dieses, dann nächstes Jahr. Auch Rainer Strohmenger, Partner bei Wellington Partners, ist nicht optimistisch: „Gerade Wagniskapitalfinanziers aus den USA und Europa bekommen die Krise zu spüren.“ Deshalb würden sich Investoren derzeit viel Zeit lassen und Investments noch genauer prüfen als ohnehin schon.

Christoph Kaserer, Dekan der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der TU München und Leiter des Lehrstuhls für Finanzmanagement und Kapitalmärkte & CEFS, teilt diese Skepsis. Zwar geht er nicht davon aus, dass die KfW ihre Gründerförderung drosseln wird. „Insgesamt werden die Geschehnisse auf den Finanzmärkten aber dazu führen, dass Banken ihre Kreditvergabe unter die Lupe nehmen werden“, prognostiziert er. Aufgrund der gestiegenen Refinanzierungskosten werden die Banken zudem ihre Kreditvergabevolumen senken. Davon werde auch die KfW betroffen sein. Die Folge: Insgesamt würden Gründer in Deutschland und weltweit an den Folgen der Finanzkrise leiden, „weil es deutlich teurer und schwieriger wird, Fremdkapital und vor allem Mezzanine-Kapital zu beschaffen“.

Zudem befürchtet Kaserer, dass auch Landesbanken ihre regionalen Förderinstrumente zurückfahren könnten. Auch er geht außerdem davon aus, dass Venture Capital knapper wird, weil die Bereitschaft von VC-Gesellschaften, in Start-ups zu investieren, mangels Exitmöglichkeiten an der Börse sinke. „Daher ist im Zuge der Finanzkrise durchaus mit einem Rückgang erfolgreicher Gründungen zu rechnen“, erklärt der Experte.

Und er sieht noch einen dritten Bereich, der die Finanzierung künftig erschweren könnte: „Gerade neue Finanzierungsinstrumente für mittelständische Unternehmen und auch Gründer, werden unter der Finanzkrise leiden“, sagt er. So seien etwa Verbriefungen von Mezzanine-Darlehen derzeit undenkbar. Ähnliches gelte für andere Verbriefungsarten, etwa im Bereich des Factoring. Sein Fazit: „Diese Geschäfte werden Jahre brauchen, ehe sie wieder das Volumen des Jahres 2006 erreichen.“ PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
Von Peter Trechow

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