Biotech-Report 17.04.2013, 13:30 Uhr

Finanzierung erweist sich als Sackgasse

„Umdenken“ lautet der Titel des Deutschen Biotechnologie-Reports 2013. In der jährlich erscheinenden Analyse zeichnen die Autoren von Ernst & Young das Bild einer Branche, die durch Misserfolge und anhaltende Finanzierungsprobleme an Reputation verliert. 

Ernüchternde Analyse: Für deutsche Biotech-Firmen wird es immer schwieriger, Investoren zu finden. Viele Unternehmen werden nur mit neuen Geschäftsmodellen überleben.

Ernüchternde Analyse: Für deutsche Biotech-Firmen wird es immer schwieriger, Investoren zu finden. Viele Unternehmen werden nur mit neuen Geschäftsmodellen überleben.

Foto: Bayer

Dabei sehen die Marktdaten für 2012 gar nicht so schlecht aus: Mit 403 Unternehmen gegenüber 406 im Vorjahr, 4 % Umsatzsteigerung auf 1,13 Mrd. Euro und 1 % Zuwachs auf 10 017 Mitarbeiter scheint die Branche recht gesund. Auch die Fluktuation ist mit 13 Neugründungen gegenüber zehn Insolvenzen gering. Doch die Lektüre des Reports relativiert diese Zahlen. Die Branche und ihre Finanzierer sehen immer klarer, dass mit Wagniskapital finanzierte Wirkstoffentwicklung in die Sackgasse führt. Die Entwicklungszyklen samt Zulassungsverfahren übersteigen die Laufzeiten von VC-Fonds deutlich – was bei Finanzierern und Finanzierten zur Frustration führt. Ergebnis: VC-Gesellschaften ziehen sich zurück. Langfristiger agierende Family-Offices können die Lücke ebenso wenig schließen, wie der Hightech-Gründerfonds.

Die Autoren der Studie fordern deshalb neue Geschäftsmodelle und stellen einige positive Beispiele vor. Holger Zinke etwa, Chef der Zwingenberger Brain AG, geht neue Wege. Um vom Wert der Entwicklung maßgeschneiderter Enzyme zu profitieren, akquiriert Brain gezielt Firmen aus Zielbranchen, welche die Enzyme einsetzen und so Wettbewerbsvorteile haben. Die Zukäufe führen ihre Geschäfte in Eigenregie weiter, werden aber von der Biotech-Mutter mit Innovationen gefüttert. Einerseits schafft sich die Biotech-Firma B2B- und B2C-Marktzugänge für ihre Produkte, um deren Wert unmittelbar zu schöpfen. Andererseits wollen die Brain AG und ihre Investoren die Wertzuwächse der akquirierten Unternehmen durch Weiterverkäufe einstreichen. ps

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