Start-up Porträt 17.12.2010, 19:50 Uhr

Fassaden werden zum Monitor

Jalousien faszinieren Mariana Yordanova schon lange. „Sie regeln den Tageslichteinfall und helfen, den Kühlenergiebedarf zu senken.“ Doch das reicht der Architektin nicht. Künftig sollen die filigranen Gebilde zusätzlich Werbebotschaften transportieren. Gemeinsam mit Elektroingenieur Marius Weckel arbeitet sie seit zwei Jahren daran, die Fassadenelemente in leuchtende Großbildflächen zu verwandeln.

50 Zoll Bildschirme sind schon beeindruckend groß. Noch beeindruckender wären aber doch Geräte mit einer Diagonale von 50 m. Möglich machen will das die Mediabiose GmbH. Mit ihrer Technik lassen sich Hochhausfassaden in riesige Bildschirme verwandeln. Das Geheimnis liegt in einer Steuerungselektronik und tausenden LEDs. Die kleinen Dioden sollen einfach auf bestehende Sonnenschutz-Vorrichtungen montiert werden.

Diese gigantischen Monitore sind billiger als gängige LED-Screens. Der zweite Vorteil: Da die Lamellen der Jalousien permanent von Luft umspült werden, wird keine extra Kühlung benötigt. Screens dagegen bräuchten immer riesige Kühlgeräte, die Energie verschlängen, erklärt Yordanova. Außerdem beinträchtige die Medienjalousie nicht die Beleuchtung und Belüftung der Räume, da sie keine vorgehängte undurchsichtige Bildwand sei.

Das Filigrane an dem Sonnenschutz birgt zugleich große technische Herausforderungen. Die Alustäbchen einer handelsüblichen Jalousie sind in der Regel bis zu 80 mm breit und weniger als 1 mm dick. Nicht viel Platz für die Leucht- und Steuerungselemente. „Wir haben es geschafft, die LEDs auf kaum 3 mm Höhe so flach zu komprimieren, dass sie sich fast unsichtbar dran befestigen lassen“, sagt Yordanova. Dabei passe die integrierte Elektronik das Bild der Position der Lamellen an, ob waage- bzw. senkrecht gekippt oder aber geschlossen.

Wie die Fassade bespielt wird, entscheidet der Kunde. Manche wollen nur das Firmenlogo, andere wechselnde Bilder oder laufende Texte, dritte fordern Animationen. Städtebauliche Bestimmungen könnten allerdings der Auswahl Grenzen setzen: „Bei einer Anfrage hatten wir den Fall, dass das Objekt neben einer sehr verkehrsintensiven Achse lag – da konnte man z. B. kein bewegtes Bild laufen lassen“, so die 31 Jährige.

Technisch sei alles machbar, jedoch sei es wichtig, den Auftrag von Anfang an klar zu definieren. Wer nur ein Standbild bestellt, was deutlich weniger kostet als ein bewegtes, kann später nicht auf Video aufrüsten. „Das ist wie bei einem Plakat“, sagt die Firmengründerin: „Wer etwas Anderes sehen will, muss das alte abreißen und ersetzen.“

Der Preis für das große Kino ist abhängig von der Bildauflösung: je höher, desto mehr Material- und Fertigungskosten. Die Auflösung hängt wiederum vom Betrachtungsabstand ab. Eine Fassade, die man von der Autobahn sieht, darf ruhig grob gepixelt sein. Für den innerstädtischen Blick aus wenigen Metern Entfernung muss man dichter mit Lämpchen bestücken. In jedem Fall aber sei der Preis niedriger als bei herkömmlichen LED-Displays. Die seien je nach Pixelzahl pro Quadratmeter bis zu fünfmal teurer.

Ein erstes Objekt wird Mediabiose im Januar zum Leuchten bringen – klein, aber prominent mitten in München platziert. Außerdem arbeiten die Gründer an drei größeren Projekten. Den globalen Markt für Sonder-Architekturbeleuchtung schätzt Yordanova auf knapp 1 Mrd. €.

Die beiden Jungunternehmer haben die Entwicklungsphase dank des Förderprogramms „Exist“ finanziert. Gegenwärtig werden sie noch vom bayerischen Landesprogramm „Flügge“ gefördert. „Die Gründer-netzwerke der Förderprogramme haben uns durch Coaching und einfach durch den Austausch mit anderen Gründern sehr geholfen“, sagt Yordanova: „Kämen wir aus der Industrie und nicht von der Hochschule, hätten wir für jede strategische und technische Beratung zahlen müssen.“

Zudem hat Mediabiose bereits einige Preise gewonnen, etwa den VDI Multimedia- und den Darboven-Preis. Das hat einige Tausend Euro und eine gewisse Bekanntschaft gebracht. Für die bevorstehende Expansion braucht Mediabiose jedoch das große Geld und hat Kontakt zu zwei VC-Gebern aufgenommen.

Aktuell arbeitet das Team an der energieautarken Medienjalousie: Photovoltaikzellen, die ebenfalls in den Lamellen untergebracht sind, sollen sie mit Strom versorgen.

M. JORDANOVA-DUDA/sta

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