Gründer 09.06.2000, 17:25 Uhr

Existenzgründer aus der Schulklasse 11 IT

Es mangelt an qualifizierten Ausbildern.

Hemscom system gmbh heißt das Unternehmen, das für die Computerfirma PC-Tech 20 Arbeitsplätze miteinander vernetzt hat. „Wir arbeiten im Dienstleistungsbereich“, erklärt Rainer Treppmann, einer der hemscom-Gründer. Er hat sein Elektrotechnikstudium abgebrochen und absolviert eine Ausbildung als Fachinformatiker bei der Computerfirma Speedpoint. Mit dabei sind auch Sven Eisenhauer, angehender Fachinformatiker für Systemintegration, Sebastian Trenkwald, künftiger Fachmann für Anwendungsentwicklung, und Schüler der Klasse 11 IT 2 b.
Die Firma hemscom ist in Wirklichkeit ebenso virtuell wie ihr Kunde PC-Tech. Die Anteilseigner der GmbH sind Berufsschüler der kaufmännischen Friedrich-List-Schule und der technischen Heinrich-Emanuel-Merck-Schule. Limes heißt der Verbund beider Schulen, die zum Darmstädter Berufsschulzentrum gehören und seit 1997 Unterricht erteilen in den fünf neuen IT-Berufen Systemelektroniker, Fachinformatiker der Anwendungsentwicklung und Systemintegration, Systemkaufmann und Informatikkaufmann.

Von der Marktforschung bis zur Betriebsgründung

„In jeder Klasse sind alle IT-Berufe vertreten“, erklärt Limes-Koordinator Volker Schell das an deutschen Berufsschulen bislang einmalige Konzept. Alleine, sagt Schell, hätten es beide Schulen nicht geschafft. „Wir wollen einen Betrieb gründen und führen“, lautet der rote Faden, der sich durch die dreijährige Berufsschulzeit zieht. 344 Auszubildende, darunter 40 Frauen, beginnen bereits in der Grundstufe Marktlücken zu sondieren und die Betriebsgründung – zwei bis drei Unternehmen pro Klasse – vorzubereiten. „Sie müssen alles selbst machen“, betont Schell. Die jungen Unternehmensgründer klappern Gewerbeämter ab, verhandeln mit der Industrie- und Handelskammer und nehmen Kredite auf. Ist die GmbH perfekt, beginnt in der Mittelstufe die Auftragsabwicklung.
Im Gegensatz zum ersten Ausbildungsjahr, in dem für alle die gleichen Kernfächer, unter anderem Fachenglisch, Geschäftsprozesse und IT-Systeme unterrichtet werden, geht es in der Mittel- und Oberstufe um Projektarbeit. In zweiwöchigen Blöcken arbeiten die Schüler von ihren Lehrern entworfene Kundennachfragen ab, vom Einbau einer Telefonanlage bis zur Einrichtung eines EDV-Raums. Kaufleute, Techniker und EDV-Spezialisten arbeiten in virtuellen Betrieben zusammen und konkurrieren um den Zuschlag für den Auftrag. Am Ende eines jeden Blockes präsentieren die virtuellen Firmen ihr Angebot schriftlich und auf CD-Rom. In den übrigen Lernfeldern werden Klausuren geschrieben, bevor es für vier Wochen in den Ausbildungsbetrieb zurück geht.
Die Telekom ist einer der 140 Ausbildungsbetriebe, die mit Limes kooperieren und 47 neue Auszubildende in Darmstadt angemeldet hat. Die Art der Ausbildung könne auch für andere Berufe wegweisend sein, glaubt Christian Weiher, Ausbildungsleiter der Telekom-Niederlassung in Eschborn. So zukunftsträchtig das Konzept ist, so sehr verlangt es Engagement und Flexibilität von den Lehrern. „Der Planungsaufwand für einen solchen Unterricht ist hoch“, sagt Schell. 25 kaufmännische und technische Lehrkräfte aus beiden Schulen haben sich zusammengerauft und ein fächerübergreifendes Curriculum entworfen für Berufe, die keinem der bislang gängigen Berufsfelder zuzuordnen sind.
Auch der Unterrichtsstil hat sich verändert. „Wir sind nicht mehr Lehrer im klassischen Sinne“, meint Volker Schell, „sondern Ansprechpartner der Schüler.“ Schwierig für die Berufsschullehrer sei es, das unterschiedliche Startniveau ihrer Schüler in Einklang zu bringen. Häufig treffen die „Pauker“ auf Schüler, die als „Computerfreaks“ vom Thema mehr Ahnung haben als sie selbst.

Fast alle Branchen suchen IT-Fachleute

Vom Bild des Lehrers, der alles weiß, muss man sich wohl verabschieden. Ganz so lässig sehen manche Ausbildungsbetriebe das Problem nicht. „Ein Teil der Lehrer ist nicht in der Lage, die Praxis zu beurteilen“, klagt Stefan Keufen, Geschäftsführer der Softwarefirma Diget. Mehr Ausbilder müssten aus den Betrieben an die Schule gehen und umgekehrt. Um den Berufsschullehrern zu Fachkenntnissen zu verhelfen, strebt das Land Hessen ein flächendeckendes Fortbildungsprogramm an.
„Wir haben die Mittel praktisch verdoppelt“, sagt Kultusministerin Karin Wolff. Für das 1997 gegründete Projekt „IT-2000“, in dem bislang 370 betriebliche Ausbilder und Berufsschullehrer in den Bereichen Geschäftsprozesse, IT-Systeme, Netzwerke, Datenbanken und Programmiersprachen fortgebildet wurden, stellt das Kultusministerium 1,4 Mio. DM und das Wirtschaftsministerium noch einmal 1,2 Mio. DM zur Verfügung. Lehrgänge gibt es bereits in Wiesbaden, Weilburg und bei der Deutschen Telekom in Darmstadt. Weitere sind nach Wolffs Angaben in Frankfurt und Kassel geplant. Der Bedarf an IT-Ausbildern- und Lehrern wird weiter steigen. „Diese Branche boomt“, weiß Volker Schell.
Längst sind es nicht nur die klassischen EDV-Betriebe, die Spezialisten brauchen. Mittlerweile, berichtet der Limes-Koordinator, sind IT-Fachleute in beinahe allen Unternehmen gefragt – vom Sportartikelhersteller bis zur Großbäckerei. 4782 Ausbildungsverträge wurden nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelstages 1997 bundesweit abgeschlossen. Bis zu diesem Jahr hat sich die Zahl der IT-Auszubildenden bundesweit beinahe verdreifacht. Ob dies ausreicht, ist allerdings fraglich. Der deutsche Markt sei dem ständig wachsenden Bedarf an IT-Spezialisten nicht gewachsen, glaubt das Markforschungsinstitut International Data Corporation (IDC). JUTTA WITTE
Mit Mausklick ins eigene IT-Unternehmen. In Darmstadt proben Auszubildende den beruflichen Ernstfall.

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