Start-up-Porträts 23.12.2011, 12:02 Uhr

Erfolg voraus: Die besten Start-ups 2011

Sieben Start-up-Förderer verraten, welches Jungunternehmen sie 2011 am meisten beeindruckt hat – abseits der von ihnen unterstützen Teams. Die genannten Ideen decken ein breites Spektrum ab

Tobias Kollmann: „Mein Favorit ist Kisseria. Die Kölner setzen auf den Trend ,Mass Customization“. Der Begriff klingt zunächst widersprüchlich. Wie soll Ware in großer Stückzahl produziert werden und dennoch individuell dabei bleiben? Das Web kennt die Antwort und Start-ups zeigen, wie es geht. So hat sich Kisseria vorgenommen, den Kissenmarkt aufzuschütteln. Das Jungunternehmen kommt mit seinen individuell gestalteten Wohntextilien nicht nur gut bei Kunden an, sondern auch bei Investoren. Sowohl das Produktportfolio als auch das Gründerteam überzeugen gleichermaßen. Jörn Reinhold und Susann Berthold sind das Kernteam hinter Kisseria. Die mehrjährige Erfahrung im Markt und im Marketing merkt man dem Start-up an. Auch der über ein Jahr geplante Marktstart ist offensichtlich. Selten überzeugt ein Start-up durch einen so guten und professionellen Online-Auftritt und durch eine so hohe Hingabe zu ihren Produkten. Inspiriert wurde Kisseria von Unternehmen wie MyMüsli. Schon seit April 2007 bietet das Unternehmen individuelle Müsli-Mischungen an.

Start-up-Förderer Köhler zeigt sich ernüchtert

Uwe Köhler: „Meine ganz persönliche Suche nach einem Team, das mich 2011 nachhaltig beeindruckt hat, endete offen gesagt etwas ernüchtert. Ich habe lange recherchiert – auch über meinen regionalen Investitionsfokus (Niedersachsen) hinaus. Alle Unternehmen, die ich in die engere Wahl gezogen hatte, antworteten auf kritische Nachfragen wenig überzeugend – oder gar nicht. Trotzdem bleibt mir eine Idee positiv in Erinnerung: Monkey Age. Die Vision des studentischen Initiatorenteams besteht darin, jungen Menschen unter 18 Jahren einzigartige Veranstaltungen mit professionellen DJ“s, Live Acts und Tänzern in Top-Locations zu bieten. Immer gilt dabei das Motto: „No Alc! No Smoke!“ Kids sollen zu den neuesten Beats mit den besten Freunden und in den angesagtesten Clubs feiern können.

Das Konzept ist zwar für einen Business Angel uninteressant, unter sozialen Gesichtspunkten aber allemal eine Erwähnung wert.

In die Zukunft sehe ich jedoch optimistisch, da wir mit unserem Business Angel Netzwerk nicht nur einige Matchingtermine planen, sondern auch verstärkt in Hochschulen werben, wo innovative Themen am Entstehen sind.“

Kolja Hebenstreit: „Eines der deutschen Startups, das mich 2011 außerhalb unseres Portfolios am meisten beeindruckt hat ist 6wunderkinder. Das Team hat sich mit ihrer kostenlosen ToDo Software mit einer klasse Usability eine Fangemeinde aufgebaut. Diese gibt ihnen den Rückenwind für die größere Herausforderung der Projektmanagement Software, welche sie gerade entwickeln.“

Start-up entwickelt System zur Leberfunktionsmessung

Bernhard Schirmers: „Die Humedics GmbH, Berlin, hat im Jahr 2009 ein innovatives System zur Leberfunktionsmessung entwickelt und vertreibt es mittlerweile an forschende Kunden. Das System analysiert die Leberleistung von Patienten anhand deren Atemluft. Außer dem von Humedics entwickelten System gibt es bislang keine aussagefähige Analytik zur Messung der Leberfunktion. Die Funktionsfähigkeit der Leber eines Patienten bestimmt jedoch maßgeblich die Art und die Qualität einer Therapie. So ist beispielsweise die Frage, wie viel Lebervolumen bei einem Tumor entfernt werden kann oder muss, abhängig von der Leberfunktion des Patienten zu beantworten. Mich beeindruckt, wie Humedics durch eine hoch effiziente, interdisziplinäre Zusammenarbeit dieses komplexe Diagnosesystem entwickelt hat. Gegründet haben das Unternehmen der Charité-Arzt Martin Stockmann und der Physiker Karsten Heyne von der Freien Universität Berlin. Trotz ihres fordernden Hauptberufs haben sie „am Feierabend“ ein funktionsfähiges und medizinisch dringend benötigtes Produkt geschaffen.“

Alexander von Frankenberg: „Besonders beeindruckt hat mich in diesem Jahr Branchout, ein Startup aus dem Silicon Valley, gerade einmal ein Jahr alt, das sich zum Ziel gesetzt hat, auf Facebook eine effiziente Jobvermittlung zu etablieren. Es liegt auf der Hand: Wenn bald jeder Arbeitnehmer und jedes Unternehmen aktiv Facebook nutzen, dann lassen sich Jobangebote und Jobsuchende bei gelungener Integration in Facebook sehr schnell zusammen bringen.

Faszinierend sind nicht nur die 30+ Mio. $ Finanzierungsrunde, die das Unternehmen nach neun Monaten abschließen konnte, sondern auch zwei ganz besondere Perspektiven:

Zum einen hat Branchout das Potenzial, die Internet-Geschäftsmodelle, die das klassische Anzeigengeschäft zerstören, wiederum zu zerstören. Zum zweiten kann Branchout ein Element im Facebook-Universum sein, das die Attraktivität von Facebook immer weiter erhöht. Wenn durch erfolgreiche Geschäftsmodelle innerhalb von Facebook ein selbstverstärkender Effekt vergleichbar dem der Apps beim iPhone entsteht, dann wird die atemberaubende Bewertung von 100 Mrd. $ von Facebook erst der Anfang einer unglaublichen Entwicklung sein.“

Start-up-Förderer Bomholt ist von Kreditkartensystem Square beeindruckt

Jan Bomholt: „Mich hat das US-Start-up Square sehr beeindruckt. Es bietet Einzelhändlern an, Kreditkarten mit Hilfe von Smartphones und Tablets zu akzeptieren. Hierzu wird ein kleiner Kartenleser in die Kopfhörerbuchse der Geräte gesteckt, welcher gratis erhältlich ist. Die zusätzlich benötigte Square-App ist u. a. für iPhone, iPad und Android-basierte Mobiltelefone verfügbar.

Aus Sicht des Verkäufers entfallen die Kosten für Kartenterminals und Verträge mit Kreditkartenfirmen. Für Händler erschließt die genial-einfach zu handhabende Lösung zusätzlich neue Potenziale, da Kunden auf Wunsch nur bei ihrer ersten Zahlung die Kreditkarte ,swipen“ müssen und nach gegenseitiger Autorisierung echtes Mobiles Bezahlen möglich wird. Darüber hinaus sind auch Kundenbindungsprogramme möglich, so dass Händler erstmals Kontakt zu Kunden aufnehmen können, was ihnen anhand der Kreditkartennummer bisher verwehrt blieb.

Gründer von Square ist Twitter-Chef Jack Dorsey. Der b-to-v Investorenkreis hat ihn im Oktober 2010 bei der b-to-v Silicon Valley Week getroffen. Inzwischen ist Square nachhaltig gewachsen und mit über 500 000 Akzeptanzstellen fest in den USA etabliert. Neben Visa hat sich kürzlich auch Richard Branson beteiligt. Der Unternehmenswert liegt inzwischen deutlich über 1 Mrd. $.

Götz Hoyer: „Mein Start-up des Jahres ist die Transcatheter Technologies GmbH. Die Regensburger entwickeln ,Trinity“, ein System für die kathetergestützte Implantation einer Aortenklappenprothese. Eine Operation am offenen Herzen kann damit vermieden werden. Trinity hat einen neuartigen Verankerungsmechanismus und ermöglicht eine präzise Positionierung. Zudem kann Trinity mehrfach repositioniert werden und wenn notwendig vollständig entfernt werden. Die Aortenklappenprothese wird auf einer abnehmbaren Katheterspitze vormontiert geliefert. Dies vereinfacht die Montage des Kathetersystems im Operationssaal.

Ich finde es mutig vom Team, in diesem Bereich der Medizintechnik Fuß fassen zu wollen – wird er doch bisher beherrscht von großen US-Konzernen. Die Erfolgsaussichten sind aber gut. Auf die Seedfinanzierung durch den Hightech-Gründerfonds folgte im Mai eine Serie A-Finanzierungsrunde über 1,7 Mio. €. Daran beteiligten sich auch Industrieunternehmen. Ein solches Finanzierungsmodell ist in meinen Augen zukunftsweisend. Für Start-ups wird es immer wichtiger, schon früh strategische Investoren mit an Bord zu holen. 

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