Business Angels Panel 27.05.2016, 00:00 Uhr

Engel fliegen auf Industrie 4.0

Die informellen Wagnisfinanzierer in Deutschland haben im ersten Quartal reichlich investiert. Immer stärker in ihrem Fokus: Industrieautomatisierer.

Roboter und andere Technologien zur Industrieautomation steigen in der Gunst der Business Angels.

Roboter und andere Technologien zur Industrieautomation steigen in der Gunst der Business Angels.

Foto: ABB/VDI nachrichten

In den letzten Wochen gab es gleich drei gute Nachrichten für die Business Angels in Deutschland. Erstens: Die Bundesregierung widersetzt sich nun eindeutig dem Begehren der Länder, Veräußerungsgewinne aus Streubesitz zu versteuern. Zweitens: Investorensyndikate und Pooling-Strukturen müssen nicht von der Bafin registriert und legitimiert werden. Drittens: Das Förderprogramm „Invest“ soll ab 2017 qualitativ und quantitativ ausgeweitet werden. Beispielsweise werden Wandeldarlehen einbezogen und der Zuschusshöchstbetrag verdoppelt.

Business Angels Panel 1. Quartal 2016

Business Angels Panel 1. Quartal 2016

Foto: VDI nachrichten

Ergebnis: Die privaten Gründungsförderer bewerten ihre Geschäftsaussichten mit stolzen 5,57 Punkten. Im Vorquartal lag der Wert noch bei 5,39. Dabei reicht die Skala von 1 (= sehr schlecht) bis 7 (= sehr gut).

Noch besser schätzen die 22 Teilnehmer der jüngsten Befragungsrunde ihre Geschäftslage ein. Hier vergaben sie 5,81 Punkte. Das ist der höchste Wert, der in der 14-jährigen Geschichte des Panels je erhoben wurde.

Ein Grund für die gute Laune dürfte der starke Dealflow sein: Jedem Engel wurden im ersten Quartal rund 24 Beteiligungsmöglichkeiten angeboten – das langjährige Mittel liegt bei nur 16.

In der Masse befand sich offenbar auch Klasse. Denn gut jeder dritte Engel (36 %) hat neu investiert. Das entspricht etwa dem Normalmaß. Deutlich darüber liegt die investierte Summe: Jeder Umfrageteilnehmer hat durchschnittlich rund 84 000 € locker gemacht. Das ist eine Summe, die in den letzten Jahren nur einmal getoppt wurde (s. Grafik unten).

Auf der Einnahmenseite gab es keine außergewöhnlichen Vorkommnisse: Die Panelteilnehmer meldeten insgesamt acht Exits. In vier Fällen wurde die Beteiligung an einen strategischen Investor veräußert („Trade Sale“). In einem Fall kauften die Gründer die Anteile zurück („Buy Back“). Drei Firmen mussten liquidiert werden.

Die Befragten sind überwiegend optimistisch, dass es für Gründer künftig leichter wird, eine Folgefinanzierung zu erhalten. Das Gegenteil erwarten jedenfalls nur 5 % (s. Grafik oben).

Am liebsten unterstützen die Finanzierer aktuell die Anbieter von Web-Services. Medizintechniker machen einen großen Satz nach vorne: von Platz 6 auf Platz 2. Umwelttechniker, zuletzt noch ganz vorne, müssen sich mit Platz drei begnügen. Ihnen folgen Softwareentwickler. Platz 5 teilen sich drei Branchen: Medien/Entertainment, Energie und Industrieautomation. Letztere erreichen damit erstmals eine Platzierung in den Top 5. Ergo: Auch Business Angels können sich dem Hype um das Thema Industrie 4.0 nicht entziehen. 

Von Stefan Asche
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