Gründer 14.12.2007, 19:32 Uhr

Elektronischer Ersatz für den Spürhund  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 14. 12. 07, sta – Sabine Bois und Markus Perpeet wollen den Polizeispürhund in den wohlverdienten Ruhestand schicken. Die Gründer der Biosensor GmbH, ein Spin-off des Bonner Forschungszentrums Caesar, spüren Drogen und Sprengstoff mit Mitteln der Nanotechnologie auf. Dabei werden sie von einem strategischen Partner aus Schweden unterstützt.

Herzstück des Biosensors ist ein Chip aus Schwingquarz. Auf seine Oberfläche werden Rezeptormoleküle angebracht. Diese passen zu den gesuchten Substanzen wie ein Schlüssel zum Schloss. Befinden sich etwa Sprengstoffspuren in einer Probe, bleiben sie an der Chipoberfläche haften. Dort beeinflussen sie durch ihr Gewicht die Schwingungen des Kristalls. „Die Amplitude und Frequenz verändern sich. Daraus kann man Rückschlüsse ziehen, was und wie viel davon gebunden wurde“, erklärt der promovierte Physiker Markus Perpeet, technischer Geschäftsführer der im Juli offiziell gegründeten Biosensor GmbH. Der Effekt sei wie bei einer empfindlichen Waage.

Ein Chip hat maximal fünf Sensorelemente, die mit verschiedenen Rezeptoren beschichtet werden können. So kann das Messgerät mehrere Substanzen gleichzeitig suchen. Auf die Technologie hat das Team aus Physikern, Biochemikern und Ingenieuren mehrere Patente.

Sein erstes Gerät namens „S Sense K5“ hat das interdisziplinäre Team bereits vor zwei Jahren auf den Markt gebracht. Universitäten, Forschungsinstitute und die F&E-Abteilungen von Pharma- und Biotechnologieunternehmen ordern das 60 000 € teure Stück für ihre Labore. Es ermöglicht ihnen, Chips selbst zu beschichten und auszuwerten. Je nach Forschungsthema entdecken die intelligenten Oberflächen beispielsweise Eiweiße, Viren oder DNA-Mutationen. Auch Umweltanalysen und Lebensmittelkontrollen lassen sich damit durchführen.

Doch nun haben die Biosensor-Gründer einen Markt abseits der Forschungslabore im Visier: die öffentliche Sicherheit. Die Spürgeräte, die für Polizei, Grenzbehörden, Zoll und Justizvollzug entwickelt werden, müssen robust, deutlich billiger im Preis und einfach in der Anwendung sein. „Die Geräte im Sicherheitsbereich werden schließlich nicht von hochqualifizierten Wissenschaftlern bedient“, erklärt Perpeet. Die Biosensoren werden deshalb mit bereits präparierten Chips geliefert: „Will man z.B. untersuchen, ob jemand Drogen genommen hat, wird eine Wischprobe von dessen Schweiß reingesteckt, ein Knopf gedrückt, und innerhalb einer Minute spuckt es die Antwort aus: ja, nein wenn ja, was und wie viel“.

Im Flughafen könnten Wischtests von Gegenständen gemacht werden, bei denen man Sprengstoff vermutet. Der Biosensor kann allerdings nicht standardmäßig sämtliche Gepäckstücke „durchleuchten“: Es handelt sich um Proben auf Verdacht oder Stichproben. Je nach Gesetzes- und Gefahrenlage sollten demnach in einem Knotenpunkt wie dem Frankfurter Flughafen ein- bis zweihundert solcher Geräte eingesetzt werden. Weitere Einsatzgebiete sind Verkehrs- und Grenzkontrollen und die Sicherung von Großveranstaltungen. Interesse hätten aber auch Rehabilitationszentren für Drogensüchtige bekundet.

Für die verschiedenen Anwendungen ist eine ganze Serie von Geräten geplant. Wann genau sie marktreif werden, ist noch offen.

Finanziert werden die Entwicklungsarbeiten von einem strategischen Partner aus Schweden, der Biosensor Applications AB. Der börsennotierte Hersteller von Biosensoren hat sich im November beim jungen Unternehmen eingekauft und übernimmt derzeit alle laufenden Kosten – rund 100 000 € monatlich. Gemeinsam mit den Skandinaviern werden die Prototypen erstellt. Auch das weltweite Vertriebsnetz des Partners steht dem Start-up zur Verfügung.

„Aus unserer Erfahrung können wir behaupten: Gute Ideen finden Investoren“, sagt Bois. Klar, die Verhandlungen seien immer noch hart, aber die Bereitschaft, Hightech-Gründungen in der Frühphase zu finanzieren, sei wieder vorhanden, was eine ganze Weile nicht der Fall war. So hätte die Biosensor GmbH auch Risikokapital aus dem Hightech-Gründungsfonds haben können. Das habe sich dann aber wegen des Engagements der Schweden erübrigt. Doch die VC-Geber seien sehr hilfsbereit gewesen, lobt Bois. Sie hätten allgemeine Tipps zur Unternehmensfinanzierung gegeben.

In die komfortable Lage, sich die Investoren aussuchen zu dürfen, kamen die Gründer nicht zuletzt wegen der Teilnahme am Businessplanwettbewerb „Start2Grow“ in Dortmund, Standort für Mikrotechnik. „Wir sind 2006 in der letzten Minute, knapp vor Ende des Wettbewerbs eingestiegen, haben aber die Juroren noch überzeugen können“, strahlt Perpeet und hebt einen Riesenscheck über 30 000 € in die Höhe. Mit dem Preisgeld konnten die beiden Geschäftsführer ihre persönlichen Anteile an der GmbH finanzieren. Weitere Anteile halten die Stiftung Caesar und eine Mitarbeiter-GbR.

Das Unternehmen hat insgesamt fünf Festangestellte und leiht sich bei Bedarf noch zwei Fachkräfte bei Caesar. Es darf auch die Labore, den Reinraum und die Werkstatt des Forschungszentrums nutzen. Bois glaubt an das Wachstum: Der Markt für Biosensoren sei ein globaler und habe Zukunft. „Je besser unsere Technologie wird, desto mehr werden etwa Schmuggler und Terroristen versuchen, sie auszutricksen. Dann haben wir eine neue Aufgabe“.

M. JORDANOVA-DUDA

 

Gleich mehrere Geldgeber wollten in das Jungunternehmen einsteigen

 

Ein Beitrag von:

  • Matilda Jordanova-Duda

    Die Schwerpunkte der freien Journalistin sind: Industrie 4.0, Digitalisierung, Existenzgründer, Mittelstand, Energiewende, Firmenportrais, Migration, Bildung.

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