Finanzierung 11.06.2010, 19:47 Uhr

„Ein ungeheuerlicher Vorgang“

David schlägt Goliath. In zweiter Instanz hat die Teamtechnik Maschinen und Anlagen GmbH gegen die Deutsche Bank gewonnen. Für Verluste aus Zinstauschgeschäften muss die Bank jetzt Schadensersatz in Höhe von rund 1,5 Mio. € an den Freiberger Mittelständler zahlen. Geschäftsführer Stefan Rosskopf über den Fall und die Konsequenzen.

VDI nachrichten: Herr Rosskopf, weshalb haben Sie sich im Jahr 2007 für Zinstauschgeschäfte entschieden?

Roßkopf: Die Deutsche Bank, die damals nach fast 20-jähriger Zusammenarbeit unsere größte Hausbank war, hat uns aktiv die sogenannten Zinsswaps als Werkzeuge zur Zinsoptimierung angeboten. Der Grund war eine Verteuerung der Zinsen für Anzahlungsbürgschaften um 0,25 Prozentpunkte. Wir haben uns darauf verlassen, dass wir durch dieses Instrument die Zinskosten senken konnten. Das Gegenteil war der Fall: Die Geschäfte entwickelten sich in rasendem Tempo negativ, so dass wir den Vertrag auflösen mussten.

Hatten Sie zuvor schon mal etwas von Zinsswaps gehört – oder solche Geschäfte getätigt?

Wir hatten schon im Vorfeld solche Geschäfte von der Deutschen Bank angeboten bekommen, aber in deutlich geringerem Umfang.

Wurden Sie vorab über mögliche Gefahren aufgeklärt?

Nein, die Risiken wurden komplett verschleiert. Und dies, obwohl in unserem Profil, das die Deutsche Bank über uns erstellt hat, explizit darauf hingewiesen wird, dass wir eine risikoarme Strategie bevorzugen.

Haben Sie sich bei dem Zinstauschgeschäft ausschließlich auf die
Kompetenz der Deutschen Bank verlassen?

Ja, den Anlass dafür hat die Deutsche Bank geliefert, das Geschäft hat sie vorgeschlagen – und die Beratung erfolgte ebenfalls ausschließlich durch die Deutsche Bank. Aufgrund der jahrelangen Zusammenarbeit und dem damit einhergehenden Vertrauensverhältnis haben wir leider auf ihren Rat vertraut.

Bis zu diesem Urteil scheiterten alle Kläger vor Gericht. Welche Punkte waren denn ausschlaggebend, dass Ihnen das Oberlandesgericht Stuttgart den kompletten Schadenersatz in Höhe von rund 1,5 Mio. € zugesprochen hat?

Unsere Rechtsanwälte haben es verstanden, diese hoch komplexe Materie anschaulich darzustellen. Das Oberlandesgericht hat sich intensiv mit diesen Geschäften auseinander gesetzt und sogar einen Mathematiker der Deutschen Bank als Zeuge vorgeladen, um die diesen Geschäften zugrunde liegenden Mechanismen zu erklären.

Ansonsten möchte ich das Urteil gar nicht weiter kommentieren. Nur so viel: Letztendlich hat die Bank ihre Beratungsfunktion verletzt – und bei Beratungsfehlern gibt es keine Teilschuld.

Zuvor hatten Sie aber eine außergerichtliche Einigung angestrebt.

Das ist richtig. Wir haben monatelang auf allen uns zugänglichen Ebenen versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden.

Selbst nachdem wir in erster Instanz 50 % des Schadens zugesprochen bekommen haben, hat die Deutsche Bank einen Vergleich strikt abgelehnt.

Haben Sie Kontakt zu Unternehmen, die ebenfalls Verluste aus Zinstauschgeschäften hinnehmen mussten?

Ja, infolge der Berichterstattung haben wir zahlreiche Anrufe von betroffenen Unternehmen erhalten. Zum einen haben Firmen um Rat gefragt und auf der anderen Seite haben Unternehmen von ihren Erfahrungen mit anderen Banken erzählt, die letztendlich ähnlich verliefen.

Die wenigsten der rund 700 betroffenen mittelständischen Unternehmen sind jedoch vor Gericht gezogen.

In der Tat. Nicht einmal 10 % sind einen vergleichbaren Weg wie wir gegangen.

Das liegt in erster Linie daran, dass die betroffenen Unternehmen durch den Schaden so geschwächt waren, dass sie die Banken regelrecht brauchten, um die entstandene Situation durchzustehen. Auch uns hat die Deutsche Bank – als das ganze Dilemma transparent wurde – noch Kredite angeboten, um die Verluste zu finanzieren. Ein ungeheuerlicher Vorgang.

Mussten Sie diese Kredite in Anspruch nehmen?

Nein, glücklicherweise waren wir so finanzstark, dass wir die Situation aus eigener Kraft meistern konnten. Aber: Hätten wir dem ursprünglich von der Deutschen Bank empfohlenen Geschäft zugestimmt, das ein doppelt so hohes Volumen vorsah, wäre es unter Umständen auch für Teamtechnik existenzbedrohend geworden.

Hat sich durch diesen Vorfall Ihr Verhältnis zu Banken generell geändert?

Ja, definitiv. Solche Geschäfte hatten zu dieser Zeit viele Banken im Programm, wenngleich sie nicht so konsequent und so rücksichtslos verkauft wurden wie bei der Deutschen Bank.

Welche Lehren haben Sie aus dem Geschäft gezogen?

Bereits 2007 haben wir unsere Geschäftsbeziehung zur Deutschen Bank beendet. Zudem beschränken sich unsere Bankaktivitäten nun wieder ausschließlich auf das ureigenste Finanzierungsgeschäft – und wir lehnen alle weiteren Geschäfte konsequent ab.

FRANZ VON DEN DRIESCH

Von Franz Von Den Driesch
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