Gründungsfinanzierung 26.04.2002, 17:33 Uhr

Ein professioneller Engel

„Meine Arbeit ist mein Hobby“, sagt Verleger und Business Angel Florian Langenscheidt. Kein Wunder – angesichts seiner vielen Tätigkeiten bliebe auch keine Zeit für Briefmarken oder Angeln.

Irgendwann bin ich schwach geworden“, erklärt Florian Langenscheidt. Irgendwann habe er den dauernden Anfragen von Jungunternehmern nicht mehr widerstehen können. Irgendwann wollte er seinen riesigen Erfahrungsschatz – wirtschaftlich wie gesellschaftlich – teilen. Seit drei Jahren ist der Verleger nun auch als Business Angel aktiv.
Seine beeindruckende Biographie reicht eigentlich für mehrere Leben, nur wenige können auf so viel ehrenamtliches Engagement verweisen. Seine Ausbildung fand an so renommierten Einrichtungen wie der Harvard University in Cambridge oder der französischen Wirtschaftschule Insead in Fontainebleau statt. Die Doktorwürde wurde ihm mit Auszeichnung verliehen. Der zweifache Vater gründete den gemeinnützigen Verein „Children for a better world“, ist Stiftungsratsmitglied des World-Wide Fund for Nature (WWF) und Gesellschafter der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Als studierter Journalist und Germanist schreibt er für verschiedene Printmedien, ist seit Jahren als Buchautor aktiv, hält hochbezahlte Reden und moderiert Sendungen für das Bayerische Fernsehen. Er ist Vorstandsmitglied im BDI-Ausschuss „Multimedia und Telekommunikationspolitik“ und war Leiter der Arbeitsgemeinschaft Grundlagen im Initiativkreis Zukunft beim Bundespräsidenten Roman Herzog. „Am hier entstandenen ,Ruckgedanken“ haben wir lange gearbeitet“, sagt der smarte Tausendsassa. Was der gebürtige Berliner nicht mag, sind Menschen, die „nicht zu Potte kommen“. Was er schätzt, ist „Engagement über den eigenen Tellerrand hinaus“.
Als erste in den Genuss seines Engagements kamen die Gründer von buecher.de. „Für die habe ich ein wenig bewegen können“, sagt Langenscheidt bescheiden. Dazu zählte: „Die Strukturierung des Aufsichtsrats und der Corporate Governance, Infos über den Wettbewerb beschaffen, Promis an Bord holen, Börsengang vorbereiten, Kooperationsgespräche mit anderen Großen der Branche organisieren, Streit schlichten und über kontextuelle Rahmenbedingungen wie etwa die Buchpreisbindung informieren.“
„Danach habe ich mir gedacht, so was kann man öfter machen.“ Und wie es so seine Art ist, kam er „schnell zu Potte“: „Kaum guckte ich mich um, da hatte ich schon 15 Unternehmen im Portfolio.“ Nicht alle endeten ertragreich, räumt er ein. „Doch zum Teil gab es ganz ordentliche Rückflüsse.“ Insgesamt sechs seiner Beteiligungen fanden den Weg auf das Parkett.
„Doch dann kam die große Zäsur im März 2000.“ Dot.coms wurden nicht länger gefeiert, ihre Kurse brachen auf breiter Front ein. Wagniskapitalgebern bleibt seitdem der lukrative Exitkanal Börse versperrt. Auslese ist gefragt. Wie aber den Weizen von der Spreu trennen? „Ich habe mir Partner gesucht.“ Gemeinsam mit Michael Beckel, Hans-Christoph Stadel und Kai Flint gründet Langenscheidt die Transatlantic Ventures AG, Hamburg. Der passionierte Kapitalgeber wird Teil eines „High-Profile Business Angels Aggregat“.
Den Anfang macht eine Marktuntersuchung. „Ich bin mit 28 jungen Vorstandsvorsitzenden Essen gegangen und habe mir deren Bedürfnisse angehört.“ Um den Defiziten zu begegnen, formt das Transatlantic-Quartett die „fünf Orbits of Support“. In der ersten Umlaufbahn versammeln sich über 20 prominente Persönlichkeiten mit breitem Erfahrungsspektrum aus Old- und New Economy, darunter etwa Pixelpark-Gründer Paulus Neef, Neun-Live-Chefin Christiane zu Salm, Unternehmer Alfred Ritter oder der ehemalige Bertelsmann-Vorstand Mark Wössner. Sie alle investieren ebenfalls persönlich, genau wie die Transatlantic-Gründer.
Sollte das Kapital für eine Beteiligung trotzdem nicht ausreichen, kommt Orbit 2 ins Spiel: „Ein Netz von insgesamt zehn Venture Capital Gesellschaften kümmert sich um zusätzliche Mittel, wenn es mal richtig teuer wird.“ Orbit 3 („Scouts&Experts“) und Orbit 4 („Services&Consultants“) sorgen dafür, dass die jungen Unternehmen technisch, wirtschaftlich und juristisch nicht aus der Bahn geworfen werden. Die „Econets“ als Orbit 5 bieten den Beteiligungen die Möglichkeit zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. „Wir bieten aber nur ein Forum – auf konkrete Kooperationsmöglichkeiten müssen die Gründer schon selbst kommen. Viele sind wie Kinder in der Pubertät – die wissen sowieso alles besser.“
„Das System der Orbits hat sich bewährt“, freut sich Langenscheidt. „Wir haben im letzten Jahr vier namhafte Beteiligungen zu vernünftigen Bewertungen gezeichnet, etwa Friendlyway und Upsolut Sports. Dabei lassen wir uns nicht von Modeerscheinungen lenken. Wir agieren total antizyklisch. Das lernt doch jeder an der Business School – aber keiner macht“s.“
Inzwischen kann sich der einst so überzeugte Copilot des Familienimperiums – an der Seite von Vater und Bruder leitete er lange Zeit die internationale Verlagsgruppe Langenscheidt – ein Leben ohne Business Angel Aktivitäten kaum noch vorstellen: „Das macht etwa 40 % meiner Arbeit aus – und 80 % meines Spaßes.“
Freizeitaktivitäten sind dem Münchener scheinbar unbekannt. Erst nach kurzer Überlegung fällt ihm ein: „Vielleicht Tennis, Ski, Berlin oder Filme. Und Zeppeline. Aber eigentlich ist die Arbeit mein Hobby.“ Wie lange er so leben will, lässt er offen. „Meine Vita ist voller Umbrüche. Ich suche immer neue Herausforderungen. An jedem 31. Dezember überlege ich: Wo bist du besser als andere? Wo bringst du echten Mehrwert? Im Ergebnis wende ich mich immer Neuem zu. Mein Portfolio der Tätigkeiten variiert.“ S. ASCHE

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