Markttrends 04.07.2012, 14:27 Uhr

„E-Entrepreneurship sollte Pflichtfach werden“

Von den 100 meistgeklickten Webseiten der Welt ist keine einzige „made in Germany“. Rar sind auch deutsche Softwarehäuser mit globalem Ruf. Kurzum: Dem nationalen Markt für Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) fehlt es an Drive. Wie kann das geändert werden? Tobias Kollmann, Professor für E-Business & E-Entrepreneurship an der Uni Duisburg-Essen und Business Angels des Jahres, nennt im Interview verschiedene Ansatzpunkte.

VentureNews: Prof. Kollmann, Sie waren jüngst im Kanzleramt und haben dort über den IKT-Standort Deutschland diskutiert. Wie sehen Sie die aktuelle Situation?

Kollmann: Schlecht, aber nicht hoffnungslos. Wir sind zwar digital abgehängt worden und laufen in einer der wichtigsten Technologiebranchen hinterher, aber wir können etwas tun und an den drei zentralen IKT-Stellschrauben Individuum, Kapital und Transfer etwas bewegen.

VentureNews: Das klingt sehr akademisch. Erklären Sie bitte konkret: Wie sollte das „Individuum“ gefördert bzw. gefordert werden?

Kollmann: Die Wissensvermittlung rund um IKT-Gründungen steht hier zunächst im Mittelpunkt. E-Entrepreneurship sollte ein Pflichtfach innerhalb von IKT-bezogenen Studiengängen an Hochschulen werden. Hier liegt eine wesentliche Keimzelle für zukünftige Gründungen und insbesondere Wirtschaftsinformatiker und Informatiker müssen die Selbstständigkeit als Alternative zum Angestelltenwesen frühzeitig kennenlernen. Wichtig dabei ist, dass ihre Dozenten neben einschlägigen Publikationen auch eigene Gründungserfahrung nachweisen können. Angestellte, die bereits in größeren IKT-Firmen arbeiten, sollten darüber hinaus die Möglichkeit bekommen, sich im Rahmen von dualen Weiterbildungsangeboten bzw. Studiengängen auf eine Ausgründung zusammen mit dem Unternehmen vorzubereiten.

VentureNews: Ist das Curriculum der Studenten in Deutschland noch nicht voll genug? Müssen sämtliche IT-Akademiker in spe Gründungstheorie erlernen, obwohl nur ein kleiner Teil von ihnen gründungsgeeignet und -geneigt ist? Und wo sollen die vielen erfahrenen Dozenten herkommen?

Kollmann: Es geht nicht darum, den Studenten pauschal mehr Lehre zu verordnen, sondern diese sinnvoll und zukunftsorientiert umzuverteilen. Die Notwendigkeit für die Vermittlung eines IKT-Gründergeistes ist dabei auch allgemein wertvoll, weil dann auch IT-Angestellte ihre späteren Arbeitgeber mit ebenso wichtigen Intrapreneurship-Skills bereichern können. Im Hinblick auf die Dozenten gibt es bereits einige Kollegen, die das Anforderungsprofil erfüllen. Zudem könnte man hier auch hochschulübergreifend zusammenarbeiten.

VentureNews: Was sollte im Bereich „Kapital“ verbessert werden?

Kollmann: Der deutsche Venture-Capital-Markt für die IKT-Branche hinkt nicht nur absolut, sondern auch relativ gesehen hinter dem Vorreiter USA her. Deswegen muss das Anreizsystem für private und institutionelle Investitionen speziell in diesem Bereich verbessert werden. Großbritannien ist da ein gutes Beispiel. Bei Seed-Investitionen in Unternehmen, die nicht älter als zwei Jahre sind, können Privatinvestoren dank des ,Seed Enterprise Investment Scheme“ 50 % ihrer Investments – bis zu 100 000 Pfund – jährlich von der Einkommenssteuer abziehen. Auch für die Steigerung von Corporate Venture Capital sollte es mehr Anreize geben. Beispiel könnte die Stundung von Kapitalertragssteuern (,Roll-over“) oder deren Reduktion sein, wenn diese neu in ein junges Unternehmen investiert werden. Auch über spezielle University Seed Fonds für IKT-Ausgründungen mit Co-Finanzierungen von privaten Investments durch den Staat sollte nachgedacht werden. Venture Capital zu fördern, ist die beste Form für zukünftiges Wachstum.

VentureNews: Von Steuersenkungen will der Finanzminister aber sicher nichts hören…

Kollmann: Es werden keine Steuergeschenke gemacht! Es wird vielmehr in mehr Steueraufkommen für die Zukunft investiert. Laut Branchenverband Bitkom erwirtschaftete die IKT-Branche im Jahr 2012 ein Umsatz von rund 150 Mrd. Euro und zählte rund 850.000 Beschäftigte. Daraus fließen über die verschiedenen Steuerarten die Gelder wieder zurück in die Staatskassen und zudem werden die Sozialsysteme entlastet. Auch neue und junge Unternehmen haben einen positiven Einfluss auf diese Entwicklung. Das BMWi weist derzeit ca. 11.000 IKT-Gründungen pro Jahr mit steigender Tendenz aus. Alle schaffen Arbeitsplätze – und das ist der Hebel für die Zukunft!

VentureNews: Was sind Ihre Vorschläge zum Bereich „Transfer“?

Kollmann: Das Thema E-Entrepreneurship muss auf die Tagesordnung der Politik und braucht mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. Deswegen fordere ich eine IKT-Gründungsagenda für Deutschland, die wirkungsvolle Maßnahmen für die Förderung von Start-ups ausweist. Dies wird unterstützt durch die Einsetzung eines IKT-Beauftragten der Bundesregierung, der die Maßnahmen und die Kommunikation als Bindeglied zwischen der Gründerszene, Business Angels und Venture Capital-Vertretern sowie der öffentlichen Hand koordiniert und als zentraler Ansprechpartner für das Ecosystem IKT-Gründer fungiert. Gleichzeitig muss es eine umfassende Medienkampagne geben, welche die Bedeutung der deutschen IKT-Branche und die Vorteile von diesbezüglichen Gründungen in unserem Land national und international transportiert.

VentureNews: Und wer bezahlt das alles?

Kollmann: Gute Ideen finden immer eine Finanzierung und so sollte das auch hier sein. Zumal wir gerade über eine gute Zukunft für die IKT-Branche in Deutschland mehr zurückbekommen, als wir dafür investieren werden. Davon bin ich überzeugt. (sta)

Von Stefan Asche

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