Gründer 03.08.2007, 19:29 Uhr

Durchstarten mit Stipendium  

weniger Bürokratie für die beteiligten Hochschulen und ein erweiterter Kreis potenzieller Empfänger.

Zum Fulltime-Job wird eine Unternehmensgründung nicht erst, wenn erste Aufträge eingehen. Um aus einer Idee ein Geschäftsmodell zu schmieden, den Markt zu sondieren, potenzielle Investoren aufzutun oder sich Vertriebs- und Marketingkonzepte zu überlegen, brauchen Gründer Monate. Wer in dieser Phase auch noch seinen Lebensunterhalt bestreiten muss, stößt an Belastungsgrenzen. Oft bleiben dann nur zwei Alternativen: das Gründungsvorhaben aufgeben oder es auf die lange Bank schieben. Doch Technologiegründer haben in der Regel keine Zeit zu verlieren.

Damit sich Studierende und Hochschulabsolventen auch ohne finanzielles Polster genug Zeit bei der Vorbereitung ihrer Gründung nehmen können, startete der Bund im Jahr 2000 das Förderprogramm „Exist-Seed“. Darin konnten Hochschulen Zuschüsse beantragen, um Technologiegründern aus ihren Reihen in der Pre-Seed-Phase für ein Jahr mit einer halben Stellen abzusichern. Abhängig vom geltenden Tarif erhielten studentische Hilfskräfte bis zu 10 000 € und wissenschaftliche Mitarbeiter bis zu 30 000 €. Neben diesem Grundgehalt konnten Einzelgründer weitere 13 000 € für Sachausgaben und Beratung in Anspruch nehmen, Gründerteams maximal 20 000 €. Und für Gründer mit Kindern waren weitere 2400 € Zuschuss drin. Die nicht rückzahlbare Förderung war allerdings an klare Bedingungen geknüpft: einerseits musste die Hochschule entsprechende Betreuungs- und Coachingangebot bieten. Auf der anderen Seite musste ein Mentor aus der Hochschule die Gründer betreuen. Für die Gründer war es Pflicht, im Förderjahr tatsächlich einen Businessplan zu entwickeln, diesen zwischendurch evaluieren zu lassen und mindestens sechs Tage Coachings in Anspruch zu nehmen.

Laut Madeleine Krauss, die das Förderprogramm beim Projektträger Forschungszentrum Jülich GmbH betreut, gingen seit Programmstart 852 Anträge ein, von denen man 486 bewilligt habe. „Richtig Fahrt hat Exist-Seed aufgenommen, seit es 2004 bundesweit angeboten wurde“, sagt sie. Von da an seien 530 Anträge gestellt und knapp 320 bewilligt worden. Insgesamt hätten in Einzel- und Teamprojekten über 800 Gründer die Förderung bekommen, über 1000 Stellen seien entstanden.

Trotz der großen Resonanz haben die Verantwortlichen im Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) das Programm in seiner bisherigen Form gestoppt und durch ein Exist-Gründerstipendium ersetzt. „Die Hochschulen bekommen weiterhin Zuschüsse, die sogar leicht angehoben sind. Doch sie richten nun keine Stellen mehr ein, sondern leiten das Geld als Stipendium an die Gründer weiter“, berichtet Krauss. Dadurch sinke der bürokratische Aufwand für die Hochschulen, die mit der bisherigen Form auch personalrechtlich an Grenzen stießen unter anderem, weil sich die „Scheinanstellungen“ in einer sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Grauzone bewegten. Außerdem gab es von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche „Gehälter“.

„Hier wollten wir einen klaren Schnitt“, stellt Hartmut Clausen klar, der das Förderprogramm als Referent im BMWi betreut. Künftig seien die Gründer für ihre Steuerabgaben und Sozialversicherung selbst verantwortlich – so wie es für Selbstständige üblich ist. Zudem ist das Fördergefüge jetzt klarer gestaffelt: Studierende mit Gründerplänen bekommen 800 € monatlich, Hochschulabsolventen 2000 € und Promovierte 2500 € im Monat. Pro Kind gibt es 100 € monatlich. Neu ist auch, dass die Anträge jetzt fortlaufend bearbeitet werden vorher gab es eine Stichtagsregelung. Und auch die Zuschüsse zu Sachausgaben sind neu geregelt. Um den Wunsch zu untermauern, dass die Gründer mehr Beratung in Anspruch nehmen, sind dafür jeweils 5000 € reserviert. Einzelgründer können zusätzlich 10 000 € für Geräte, Software oder Lizenzen beantragen, Teams bis zu 17 000 €.

Neben der finanziellen Neuordnung nimmt das Gründerstipendium eine deutlich größere Zielgruppe ins Visier. „Bisher war Exist-Seed auf Hochschulen begrenzt“, erklärt Clausen. Künftig sollen auch Gründer aus Forschungseinrichtungen davon profitieren. Gerade in der industrienahen Forschung gebe es oft interessante Gründungsideen, für die nun ebenfalls ein Gründerstipendium beantragt werden könne. Und auch an den Hochschulen sollen künftig (wieder) mehr Gründungswillige in den Genuss der Förderung kommen. Ursprünglich galten wissensbasierte Dienstleistungsideen als förderwürdig, doch seit 2004 war das Programm stark auf technologische Innovation zugeschnitten. „Es hat sich erwiesen, dass wir dadurch 10 % bis 15 % der Antragsteller abweisen mussten, trotz Erfolg versprechender Ideen“, berichtet Clausen. Dieser Missstand sei nun abgestellt. Durch den erweiterten Fokus, so hofft er, könne die Zahl der geförderten Projekte von zuletzt 120 auf 150 jährlich steigen. Und noch eine letzte gute Nachricht für angehende Gründerstipendiaten: seit Mai ist es ihnen nicht mehr verboten zu gründen. Kein Witz. Denn wer schon während der zwölfmonatigen Laufdauer von Exist-Seed offiziell gründete, verlor die Förderberechtigung. „Dieser Passus ist ersatzlos gestrichen“, so Clausen.

  • Peter Trechow

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